Philippe Jaroussky in München und auf CD

Unverwechselbar

Philippe Jaroussky beglückt mit Händel-Arien an der Seite des Ensemble Artaserse im Münchner Prinzregententheater und auf CD

Von Klaus Kalchschmid

(München, 9. November 2017) Bereits 15 Jahre singt Philippe Jaroussky an der Weltspitze, hat unzählige Soloalben herausgebracht, ist in vielen barocken Operngesamtaufnahmen dabei und auf DVD zu erleben. Letzteres in so unterschiedlichen Werken wie Monteverdis „Poppea“, Landis „Il Sant’Alessio“, Vincis „Artaserse“, Händels „Alcina“ oder jüngst in der Uraufführung von „Only the Sound Remains“, für ihn komponiert von Kaija Saariaho. Da verkörpert er sowohl einen Geist wie einen Engel.

Was für einen manchmal schier überirdischen Zauber verströmt diese außergewöhnliche Stimme immer wieder, wie sehr faszinieren stupende Musikalität, traumhaft schwebende Pianissimi, aber auch wenn nötig die intensiv strahlende Attacke in der Höhe! Immer wenn Philippe Jaroussky nach München kommt, ist das Prinzregententheater voll und der überaus herzliche Applaus signalisiert schon zu Beginn: Wir freuen uns unbändig! So auch diesmal und zu Recht, denn der französische Countertenor, mittlerweile schon 39 Jahre alt, singt wie immer mit einem unverwechselbar schönen Timbre, das auch einen unwiderstehlich erotischen Thrill besitzt, einer stupenden Präzision und einer eleganten Geschmeidigkeit in den Koloraturen. Das Ganze mit einer Reife des musikalischen Ausdrucks, die der Vollendung sehr nahe kommt.

Vor kurzem erst ist ein reines, schlicht überwältigendes und ungemein facettenreiches Händel-Album erschienen, das ein eher selten gesungenes Repertoire umfasst. Von den 13 Arien aus „Imeneo“, „Riccardo primo, re d‘Inghilterra“, Siroe, re di Persia“, „Serse“, „Radamisto“, „Flavio, re de‘ Longobardi“, „Amadigi di Gaula“, „Tolomeo, re d’Egitto“, „Gustino“ und „Ezio“ sang Jaroussky nun im Konzert ganze elf plus „Ombra mai fu“ als letzte Zugabe. Sie waren geschickt mit Instrumentalsätzen Händels aus diversen Concerti grossi verwoben, die das 2002 von Jaroussky mitgegründete „Ensemble Artaserse“ wunderbar lebendig spielte. So wurde Zwischenapplaus verhindert und das Programm ergab vier Blöcke. Mal endeten sie still, mal – wie vor der Pause – mit virtuoser Brillanz, mittels derer hier Radamisto den Feind als Feigling angreift und verhöhnt. Kaum je wurde später in der Oper ein so unmittelbarer Furor komponiert und Jaroussky hat hörbar Spaß daran, wie er auch bei der zweiten Zugabe, Arsamenes „Sì, la voglio e l’otterò – Ja, ich will und werde sie erlangen!“, charmant mit seinen wunderbaren Musikern und dem Publikum spielt.

Trotzdem verströmen die leisen, getragen klagenden Arien den noch größeren Reiz: Wunderbar steigert Philippe Jaroussky den Ausdruck durch perfekt gesungene und mit Ausdruck erfüllte Verzierungen in den Wiederholungen des A-Teils von „Deggio morire, o stelle!“ aus „Siroe“; zauberhaft lässt er das Herz in „del mio cor“ oder den Liebesgott („Dio d’Amor“) am Ende der beiden Teile der Arie des verzweifelten Tirinto („Imeneo“) sanft untröstlich sich ins Nichts auflösen.

Am Ende Standing Ovations und als Trost nach diesem wunderbaren Abend, dass die CD das Nachhören der Arien erlaubt, wenn auch ohne die Instrumentalsätze, die hier nicht Beiwerk, sondern durchaus integraler Bestandteil des Konzerts waren.

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