Salonen dirigiert die Wiener Philharmoniker in Salzburg

Bekanntes unkonventionell – Unkonventionelles in höchster Präzision

Die Wiener Philharmoniker unter Esa-Pekka-Salonen spielen Werke von Strauss, Bartok und Berio

Von Derek Weber

(Salzburg, 5. August 2018) Nicht immer wird groß, was von vornherein zum Bejubeln hochgelobt wird. Bei Esa-Pekka Salonen ist das anders. Er wird – zumal in Österreich – gehörig unterschätzt. Und überrascht wird am Ende zur Kenntnis genommen, was in dem Mann steckt.

Dabei ist der langjährige Musical Director des Los Angeles Philharmonic und nunmehrige Chefdirigent des Philharmonia Orchestra London nicht nur ein weltweit gefragter Dirigent, sondern auch ein umtriebiger Komponist. Und das mag sicherlich so viel bedeuten wie: Er hat einen geschärften Blick auf Werke des 20. und 21. Jahrhunderts und nähert sich ihnen von einer quasi strukturellen Warte aus. Und was dabei herauskommen kann, wurde an diesem Wochenende wieder einmal deutlich, als er in Salzburg am Pult der Wiener Philharmoniker stand.

Einmal mehr erwies sich Salonen als präziser, schnörkelloser, aber ganz und gar nicht trockener Dirigent. Auch das Programm war alles andere als konventionell. Richard Strauss´ „Also sprach Zarathustra“ nahm er mit großen Bewegungen, aber ohne übertrieben große, bedeutungsschwangere Gesten und ohne detaillistisch-besserwisserischen Schnickschnack, stets durchhörbar und immer bereit, wenn´s notwendig schien, die Musiker in die richtige Richtung mitzunehmen und sie anzufeuern, um ihnen im nächsten Moment wieder so viel Freiraum als nötig zu lassen.

Salonens Dirigat bleibt so stets flüssig, aufs Ganze bedacht und dem musikalischen Duktus verpflichtet, ohne sich allzu sehr vom philosophischem Hintergrund des „Zarathustra“ irritieren zu lassen. „Weltanschauungs-Musik“ ist und bleibt dem finnischen Musiker fremd. Dafür sind andere zuständig. Bemühtheit ist in einem solchen Konzert ein Fremdwort.

Als Komponist weiß er auch, wo in einem Konzert Pausen angesagt sind. Es war eine äußerst gute Idee, Luciano Berios geniale „Folk Songs“ nicht – wie noch im Programmheft angekündigt – zwischen dem „Zarathustra“ und Béla Bartóks wildem „Wunderbaren Mandarin“ zu zerdrücken. Das gab zugleich auch Marianne Crebassa als der Sängerin der von Berio mit so leicht erscheinender, quasi „linker“ Hand geschriebenen Lieder genug Raum, ihren Charme kokett zur Entfaltung zu bringen, bis hin zu jenem vom Text her unübersetzbaren aserbaidschanischen Liebeslied, das den Höhe- und Schlusspunkt dieser wahrhaft „europäischen“ Lieder eines unnationalistischen Italieners bildet.
Wie Béla Bartók hat sich auch Berio immer zur Volksmusik seiner Heimat hingezogen gefühlt und von ihr Kraft zum Komponieren geschöpft. Viel zu wenig wird seine Musik gespielt, seit er nicht mehr am Leben ist. „Zeit mit Berio“ wäre eine schöne Sache für Salzburg, wo es so viele „Zeiten mit“ gibt.

Und Bartók? Der war in diesem umjubelten Konzert mit einem seiner wildesten Stücke überhaupt vertreten, mit der Konzertsuite zur Ballett-Pantomime „Der wunderbare Mandarin“, einem schaurigen Mittelding zwischen Märchen, Gruselstück und expressionistischem Drama.

Da war Esa-Pekka Salonen erst recht in seinem Element und setzte ein wahres rhythmisches Stakkato-Feuer in Gang, bei dem die Philharmoniker einmal mehr beweisen konnten, wie sehr sie inzwischen mit der Musik des 20. Jahrhunderts vertraut sind.

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