Gamelan-Musik in München

Mit Humor gegen Dämonen

Neue und alte Kompositionen für Gamelan im Münchner Orff-Zentrum

Von Robert Jungwirth

(München, 13. Juni 2018) Dass das derzeit laufende Münchner Gamelan-Festival auch Station im Münchner Orff-Zentrum macht, ist eine gute und richtige Idee. Schließlich war auch Carl Orff von den Musikern und der Musik aus Indonesien sehr beeindruckt – wie vor ihm sein Kollege Claude Debussy. Orff bezeichnete die Gamelan-Musik sogar als den »Gipfel außereuropäischer Musikkultur« und als »ebenbürtiges, auf eine jahrhundertealte Geschichte zurückblickendes Gegenstück zur abendländischen Kunstmusik«. Und sie beeinflusste auch manche Kompositionen Orffs. Neben traditioneller balinesischer Figurentheatermusik konnte man im Orff-Zentrum bei einem Konzert jetzt passenderweise auch zwei Uraufführungen amerikanischer Komponisten und Gamelan-Experten erleben.

Brian Baumbusch und Wayne Vitale versuchen jeweils auf ihre Weise, die Gamelan-Klänge in ihre Musik zu integrieren. In „Prism for Gene Davis“ von Brian Baumbusch klingt das dann ein wenig nach Steve Reich, bei Wayne Vitale tatsächlich etwas nach Orff. Das Lightbulb Ensemble aus San Francisco, verstärkt durch drei Musiker aus dem Münchner Raum, spielten das engagiert und mit wachen Ohren für die ungewöhnlichen Klänge und Klangwirkungen, denn die Metallophone des Gamelan klingen sehr Obertonreich.

Höhepunkt des Konzerts aber war der Auftritt von vier balinesischen Figurentheater-Musikern inklusive des Marionettenspielers und Erzählers/Sängers. Auch wenn eine kurze Einführung genügen musste, um zu verstehen, um was es in diesem Stücke über die Niederringungen eines Dämons geht, konnte man dem plastischen Vortrag von Nyoman Kaler doch auch als ungeübter Westeuropäer einigermaßen folgen – zumal auch der Humor in dieser Art Musik-Theater einen erfreulich hohen Anteil hat. Ein wunderbares Konzert mit wunderbaren Musikern und grenzerweiternden Erfahrungen. Er dürfte ruhig mehr Außereuropäisches im Orff-Zentrum geben. Carl Orff würde es gewiss gefallen.

Das Münchner Gamelan-Festival dauert übrigens noch bis zum 17. Juni an. Informationen unter: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sonderausstellungen/internationales-gamelan-musikfestival-muenchen.html

Das Programm und die Ausführenden des Orff-Zentrum-Konzerts:

Traditionell
Wayang Lemah
Balinesisches Figurentheater für zeremonielle Anlässe
Gamelan-Musiker (Mas/Bali)
Nyoman Kaler, dalang (Figurenspieler)
Ketut Rupa, gendèr wayang (Metallophon)
Nyoman Winyana, gendèr wayang (Metallophon)
Nyoman Ayuda, Helfer des dalang und gendèr wayang
(Metallophon)

Wayne Vitale (*1956)
Dauh Tukad – West of the River (2018)

Brian Baumbusch (*1987)
Prisms for Gene Davis (2018)

Ensemble Lightbulb (San Francisco)
Carla Fabrizio, kajar und tawa-tawa
Sarah Willner, westliche Percussion-Instrumente
Wayne Vitale, große und mittelgroße Gongs
Sachiko Hara, Klavier
Sascha Gotowtschikow, Marimba
Christoph Reiserer, Orgel (elektronisches Keyboard)
Brian Baumbusch, Leitung, Röhrenglocken und Gongs


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