CD der Woche

Geraffter Wagner

Wagner: Der „Ring“ ohne Worte, bearbeitet von Lorin Maazel, mit der Staatskapelle Weimar unter Hansjörg Albrecht

Von Christoph Zimmermann

Wagners „Ring“ benötigt vier Aufführungsabende, ist in kompletter Darbietung also stets ein Ausnahmeereignis, in dieser Form von vielen ersehnt, von manchen aber auch erlitten. So gab und gibt es nicht von ungefähr immer wieder den Versuch, das mit seinen Vorgängen um Macht, Tod und Erlösung einigermaßen ausgedehnte Werk knapper zu fassen, wobei mitunter auch gezielt an das adoleszente Publikum gedacht wird (wie gerade an der Kölner Kinderoper).

Ohne Szene lässt sich solch eine Komprimierung natürlich leichter bewerkstelligen. Der von Loriot moderierte „Ring an einem Abend“ versuchte es mit heiter-ironischem Tonfall, eine rein instrumentale Version lässt indes mehr Raum für die eigene Fantasie. Die Staatskapelle Weimar bietet jetzt eine Bearbeitung von Lorin Maazel. Der Fortfall vertrauter Szenen wie das „Rheingold“-Finale oder die „Winterstürme“ in der „Walküre“ führt zwar immer wieder zu leichten Irritationen, dennoch ist Maazels Partitur klug strukturiert und achtet nicht zuletzt bei den Schnittstellen auf Kontrastwirkung und tonartliche Stimmigkeit.

Die Einspielung – erschienen bei OehmsClassics – bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau, selbst heikle Stellen wie die Horn-Akkorde im „Rheingold“-Vorspiel geraten einwandfrei. Der Dirigent Hansjörg Albrecht, welcher seinerseits den „Ring“ für Orgel transkribiert hat, ist der vielschichtigen, pathostrunkenen Musik ein stilsicherer und dramatisch animierender Anwalt. Das Leben Wagners war übrigens zeitweilig stark mit Weimar verknüpft; so fand am städtischen Theater 1850 die Uraufführung des „Lohengrin“ statt.


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