Musik, Literatur, Natur und Wein – Eine Reise durch den Rheingau

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Wein und Kultur

Der Rheingau ist eine tausendjährige Kulturlandschaft, in der es vieles zu entdecken gibt, z.B. Festivals für Musik und Literatur, beschauliche Fachwerk-Ortschaften und jede Menge Weingüter

Von Robert Jungwirth

Die Mönche von Kloster Eberbach hatten es gut. Sie froren im Winter zwar wie die Schneider, wohl sogar noch mehr, denn es gab keine Öfen im Kloster, dafür aber gab es Wein von den klösterlichen Weinbergen. Der half sicher über manches hinweg, auch wenn er für den Eigenverbrauch selbstverständlich streng rationiert war. Das meiste wurde verkauft. Und das verhalf dem Kloster zu ansehnlichen Einnahmen – über viele Jahrhunderte. So konnte das Kloster Eberbach von seiner Gründung 1136 bis zu seiner Auflösung 1803 mit Ausnahme des 30-jährigen Kriegs sehr erfolgreich wirtschaften. Mit bis zu 150 Mönchen und 600 Laienbrüdern war Eberbach eines der größten Klöster Deutschlands. Nach der Auflösung ging es drunter und drüber in den Eigentums- und Nutzungverhältnissen des Klosters – es war zeitweise Gefängnis, Irrenanstalt und Lazarett. Der Weinanbau aber ging dennoch weiter, auch ohne Mönche und heute ist Kloster Eberbach mit rund 250 ha das nach eigenen Angaben größte Weingut Deutschlands. Seit 1998 ist die Klosteranlage mit ihren zahlreichen Gebäudeteilen Eigentum der gemeinnützigen Stiftung Kloster Eberbach, die sich in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich um die sorgfältige Renovierung und Modernisierung der zahlreichen Gebäude bemüht.

Kloster Eberbach Foto: www.kulturland-rheingau.de / Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH / SH Fotodesign

Angebaut wird in Eberbach fast nur Riesling, der Wein des Rheingaus. Ein edler, ungekünstelter Wein, der gleichwohl einiges an Zuwendung braucht, um harmonisch auszureifen. Zu knapp 80% wird der Riesling hier angebaut, daneben auch Spätburgunder. Die schlichte Devise „je älter, desto besser“ gilt für den Riesling ziemlich uneingeschränkt. Eine Ausnahme bildet das Sensationsweinjahr 2018. Es bescherte dem Weingut Eberbach nicht nur eine Rekordernte von 2,4 Millionen Liter (üblich sind 1,6 bis 1,8 Millionen Liter), sondern auch eine besonders hohe, d.h. frühe Qualität des Weins. Der Neubau des riesigen Weinkellers, des Steinbergkellers, mit seinen hochmodernen Press- und Kelterungsanlagen, machte sich da natürlich bezahlt.

Die weitläufige Klosteranlage mit der 76 Meter langen romanischen Basilika, eingebettet in eine herrliche Landschaft aus Wäldern und Weinbergen, ist heute auch jenseits des Weins einer der Touristenmagnete der gesamten Region Rheingau – nicht zuletzt deshalb, weil hier 1986 Teile des Films „Der Name der Rose“ gedreht wurden. Es gibt in der Klosteranlage Eberbach ein Museum, das die Geschichte des Klosters erzählt, man kann Führungen durch die uralten imposanten Weinkeller mit diversen Weinproben machen (bei Kerzenbeleuchtung!) und natürlich kann man auch die imposante Basilika sowie den lauschigen Kreuzgang samt Innenhof besichtigen. Teile des Klosters werden heute auch für Tagungen genutzt.

Alte Weinpressen in Kloster Eberbach Foto: Jungwirth

Eine traditionell enge Beziehung des Klosters gibt es zum Rheingau Musik Festival. Seit rund 30 Jahren finden in der Basilika große Chor- und Sinfoniekonzerte dieses bedeutenden Musikfestivals statt und im begrünten Innenhof des Kreuzgangs kleiner besetzte Konzerte. Die meisten Besucher des Festivals kommen aus den umliegenden Städten der Rhein-Main-Gegend, also z.B. Wiesbaden, Mainz und Frankfurt, aber aus der restlichen Republik und aus dem Ausland. Rund 120.000 Karten werden jährlich für rund 150 Konzerte an 37 Spielorten im Rheingau verkauft, die von Ende Juni bis Ende August stattfinden. In diesem Jahr treten z.B. das London Symphony Orchestra unter Simon Rattle, die Bamberger Symphoniker unter Jakub Hrusa, die Deutsche Kammerphilharmonie unter Paavo Järvi, die Pianisten Daniil Trifonov, Igor Levit, Fazil Say und die Geigerin Hilary Hahn auf. Daneben gibt es zahlreiche Jazz- und Weltmusikkonzerte.

Kreuzgang Kloster Eberbach Foto: Hermann Heibel

Die Konzerte des Rheingau Musikfestivals finden allesamt in wunderbaren Sälen, Kirchen und zum Teil auch open air statt. So begeisterte in diesem Jahr etwa der Geiger Daniel Hope zusammen mit einem kleinen Barockensemble (Simos Papanas, Nicola Mosca, Emanuele Forni, Naoki Kitaya und Michael Metzler) und einem reinen Renaissance– und Barockprogramm von Diego Ortiz bis Marco Uccellini in der fantastischen Lutherkirche in Wiesbaden – ein außergewöhnlicher Jugendstilbau mit farbiger Innendekoration. Auch wenn Hope seine Guarneri del Gesù nicht mit Darmseiten bespannt hat, hat er sich doch hörbar mit der barocken Spielweise beschäftigt, verwendet z.B. kein bis wenig Vibrato, improvisiert Verzierungen hinzu und bringt wirkungsvolle dynamische Kontraste zum Einsatz. Vor allem haben Hope und seine fünf exzellenten Mitstreiter enormen Spaß und keinerlei Mühen, die geradezu abenteuerlichen virtuosen Herausforderungen, wie sie etwa Jean-Marie Leclair in seinem „Le Tambourin“ oder Andrea Falconieri in seiner Chaconne G-Dur fordern, zu bewältigen. Die Jugendstilkirche bildete dafür einen farbenfrohen und akustisch hervorragenden Rahmen.

Daniel Hope mit Ensemble in der Lutherkirche in Wiesbaden Foto: RMF/Ansgar Klostermann

Beliebt beim Rheingau Musikfestival sind auch Konzerte, die in den Weinbergen mit Weinverkostung und Imbiss stattfinden. Im Weingut Robert Weil in Kiedrich konnte man jetzt an einem sonnigen Nachmittag gleich vier verschiedene Bands von Jazz über Chanson bis zu italienischer Bandamusik erleben.

Weinsteig bei Kloster Eberbach Foto: Jungwirth

Die Besucher, die von weiter her anreisen, nehmen das Festival gerne zum Anlass die Orte und Gegenden des Rheingaus, der sich von von Flörsheim/Wicker und Hochheim am Main bis hin nach Lorchhausen am Rhein durch die Weinberge entlang des Rheins zieht, zu besichtigen, wie z.B. Eltville, das mit einer wunderbar pittoresken Fachwerk-Altstadt und direkter Lage am Rhein aufwarten kann. Eine Bürgerinitiative hat dort vor vielen Jahren erfolgreich eine Uferstraße für den Autoverkehr verhindert, die den Ort und seine Uferpromenade unwiederbringlich verschandelt hätte. Heute erinnert eine Gedenktafel an den Erfolg der Bürgerinitiative.

Eltville Foto: Jungwirth

A propos autofrei. Natürlich lässt es sich entlang der Weinberge und zu Füßen des Taunus gut wandern – wenn es nicht gerade über 30 Grad hat. Empfohlen sei z.B. der Rheingauer Klostersteig, der auf einer Strecke von knapp 30 Kilometern zwischen Eltville und Assmannshausen an sechs Klöstern Station macht.

Eine andere Attraktion des Rheingaus ist das originalgetreu erhaltene Brentano-Haus in Oestrich-Winkel – inclusive Inneneinrichtung. Bis vor ein paar Jahren befand sich das Gebäude, in dem die Familie Brentano in der ersten Hälfte des 19. Jh. einen literarischen und musikalischen Musenhof unterhalten hat und Bettina von Arnim mit ihrem Ehemann Achim von Arnim die literarische Rheinromantik begründeten, im Besitz der Familie Brentano. Jetzt ist es mit seiner Gartenanlage Eigentum des Landes Hessen, das es grundsanieren und behutsam restaurieren will. Bettina von Arnim hat hier 1814 auch den Geheimrat Goethe beherbergt, der mit ihr in regem Briefwechsel stand. Das Gästezimmer mit dem Bett, in dem Goethe nächtigte, ist nach über 200 Jahre nahezu original erhalten geblieben. Ein faszinierender Ort mit der Aura des Authentischen – fast erwartet man, dass das berühmte literarische Ehepaar jeden Moment den Raum betritt. Eine Führung durch die Räumlichkeiten bietet übrigens eine Nachfahrin der Brentanos höchstpersönlich an: Angela Baronin von Brentano. Ein ultimativer Tipp – sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Goethezimmer im Brentano-Haus Foto: Jungwirth

Auch andere Schriftsteller dieser Zeit haben den Rheingau bereist und sich begeistert geäußert, wie Heinrich von Kleist, der den Rheingau als dem Traum eines Dichters entsprungen bezeichnete oder natürlich Heinrich Heine, der nicht nur die Loreley-Sage ersann, sondern auch für den Rheingau-Wein schwärmte: „Mon Dieu – wenn ich doch so viel Glauben in mir hätte, dass ich Berge versetzen könnte, der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe.“

Das Weingut Johannisberg ist ein weiteres der größeren Weingüter des Rheingaus, früher im Besitz derer zu Metternichs, weshalb der Sekt von dort eben den Namen des österreichischen Fürsten trägt. Der hat nach dem Wiener Kongress für seine Verdienste den Weinberg geschenkt bekommen. Heute ist das Anwesen in Privatbesitz, aber es gibt auch dort Konzerte des Rheingau Musikfestivals und ein schönes Restaurant mit Blick über die Weinberge und den Rhein.

Für literarisch Interessierte bietet zudem das Rheingau Literaturfestival alljährlich im September (19.-28.9.) ein ansprechendes Programm, wenn das Musikfestival seine Pforten geschlossen hat, mit zahlreichen Lesungen bedeutender zeitgenössischer Autoren in verschiedenen Weinorten – auch z.B. in einem Saal neben dem Brentano-Haus.
So bildet der Rheingau besonders im Sommer und Herbst ein ideales Reiseziel, um Kultur und Wein in schönster Verbindung zu genießen und sich von beidem begeistern zu lassen.

Übernachtungs- und Gaststättenempfehlungen:
Hotel im Kloster Eberbach (3 Sterne) mit ca. 22 Zimmern
Restaurant Klosterschänke – gute Küche mit idyllischem Biergarten, absolut ruhig, weil auf dem Klostergelände ohne Straßenlärm, dafür rundherum nur Natur (ganzjährig durchgängig geöffnet von 11.30 bis 22 Uhr – kein Ruhetag).
Weinrestaurant Koegler des gleichnamigen Weinguts in Eltville

Weitere Informationen unter:

www.rheingau.com
www.kloster-eberbach.de
www.rheingau-musik-festival.de
www.rheingau-literatur-festival.de
www.rheingauer-klostersteig.de

Die Reise wurde unterstützt von der Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH, vom Kloster Eberbach, vom Rheingau Musik Festival und von der Rheingauer Weinwerbung GmbH.

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