Edusei mit Bruckners Sechster in München

Sanft schreit der Hirsch

Die Münchner Symphoniker mit Mendelssohns Vertonung des 42. Psalms und Bruckners sechster Symphonie

Von Klaus Kalchschmid

(München, 18. Dezember 2018) Werke von Felix Mendelssohn und Anton Bruckner unmittelbar nebeneinander: Was sich nicht unbedingt als Kombination anbietet, war beim Konzert der Münchner Symphoniker mit dem Münchner Motettenchor unter Leitung von Kevin John Edusei im Herkulessaal doch ein schöner, durchaus beziehungsreicher Kontrast. Denn vor der Pause gab es mit Robin Johansson als fein timbrierter und gestaltender Sopran-Solistin die siebenteilige geschmeidige Psalm-Kantate „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“ und danach die sechste Symphonie von Anton Bruckner in A-Dur. Es ist seine hellste und klarste, zählt zu seinen kürzesten und konzisesten und hat manchmal sogar etwas für Bruckner Ungewöhnliches wie Witz. Deshalb hat schon der Komponist selbst das Sprachspiel von der Sechsten als seiner Kecksten geprägt. Zwei Werke sind das, die tiefe Gläubigkeit jenseits von Konfessionen prägt, aber auch eine schöne Gelassenheit; tief empfundene Musik ist das, die ihren Reichtum mit großem, heiterem Gleichmut ausbreitet.

Fließend und klangschön machten die Symphoniker mit einem wunderbar leicht und doch prägnant singenden Motettenchor die Mendelssohn-Kantate zu einem verhalten rauschenden Fest. Die Bruckner-Symphonie prägte Eleganz und Präzision im Detail bei allen Stimmgruppen. Und doch sei hier ein Sonderlob dem warmen, weichen Blech ausgesprochen! Edusei hatte dabei nicht nur die Gestaltung der einzelnen Phrasen und die Balance innerhalb des Orchesters im Blick, sondern immer das große Ganze. Wie reich und doch unmittelbar hörend nachvollziehbar Bruckner komponieren konnte, das zeigte jeder Takt, den die Münchner Symphoniker mit Hingabe spielten. Und niemand brauchte zum besseren Verständnis die leider reichlich banalen Erläuterungen, die man dank einer App namens „Wolfgang“ in Echtzeit auf wohltuend dunklem Smartphone lesen konnte.

Schon jetzt darf man sich auf das reine Schubert-Programm mit den Münchner Symphoniker am 13. Januar 2019 freuen: Neben der „Wanderer-Fantasie“ in Bearbeitung für Klavier (David Kadouch) und Orchester gibt es die Dritte und die E-Dur-Symphonie D 729 in einer Aufführungsfassung von Brian Newbould. Schubert hat dieses viersätzige Werk 1821 begonnen, aber nur die ersten 110 Takte vollständig ausgeführt, „danach nur noch die ihm wichtigsten, manchmal bis zu acht, überwiegend aber nur zwei, drei oder auch nur eine Stimme notiert. Dabei hat er die Systeme der anderen Stimmen freigelassen, um offensichtlich die Ausarbeitung später noch vornehmen zu können[…]. Es ist dem Umfang nach eine vollständig skizzierte Symphonie, und die notierten Stimmen sind immerhin ihren Instrumenten genau zugeordnet“, schreibt Wolfram Steinbeck im Schubert-Handbuch (Bärenreiter/Metzler). All diese Werke sind auch Teil eines großen, bislang sehr gelungenen Schubert-Projekts der Symphoniker auf CD, innerhalb dessen die Symphonien Vier bis Sieben bereits erschienen sind.

Werbung

 

 


 

 

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.