Dienstleister und Partner – Biographie des Pianisten Helmut Deutsch

Auf Flügeln des Gesangs

Der Pianist und Liedbegleiter Helmut Deutsch hat seine Autobiographie veröffentlicht: „Gesang auf Händen tragen“

Von Robert Jungwirth

Helmut Deutsch zählt zu den erfolgreichsten Liedbegleitern weltweit. In Wien geboren, studierte er am Konservatorium, an der Musikakademie und der Universität seiner Heimatstadt, erhielt den Kompositionspreis der Stadt Wien und wurde mit 24 Jahren Professor. Schon in seiner Studienzeit konzentrierte sich sein Hauptinteresse auf das Lied, daneben aber betätigte er sich durch mehrere Jahrzehnte als Kammermusiker in allen erdenklichen Formationen mit vielen Instrumentalisten von Weltrang. Seine internationale Karriere als Liedbegleiter begann an der Seite der Sopranistin Irmgard Seefried. Wichtigster Sänger seiner jungen Jahre aber wurde Anfang der 80er Jahre Hermann Prey, dessen fester Partner er für zwölf Jahre in mehreren hundert Konzerten war – beim Schlussapplaus immer zwei Schritte hinter Prey. Gut fand Deutsch das nicht, aber damals sei das durchaus üblich gewesen. Die Emanzipation der Liedbegleiter vom Dienstleister zum annähernd gleichberechtigten musikalischen Partner kam erst später – im Lauf von Helmut Deutschs Karriere.

Doch Deutsch ist Prey nach wie vor dankbar dafür, dass der weltweit gefeierte Starsänger ihm, dem jungen Pianisten, diese Möglichkeit geboten hat. „Prey liebte klar gezeichnete Bässe und scharfe Akzente, helle obertonreiche Akkorde und durchsichtige Begleitfiguren, die auch eine bestimmte Aussage haben sollten. Bei manch einem Lied mit diesen typischen Begleitmustern durfte ich öfter hören: ‚Das klingt so dämlich; mach doch was draus!“

In den zurückliegenden fast 40 Jahren hat der Pianist zahlreiche Sängerinnen und Sänger am Klavier begleitet. Sein Talent, den Klavierpart ebenfalls zu einer sprechenden Erzählung zu gestalten und dabei feinfühlig auf die jeweilige Sängerpersönlichkeit einzugehen, machte ihn zu einem der besten und gefragtesten Vertreter seines Fachs. Und Deutsch war einer der ersten Pianisten, die ihr Können auch im Rahmen einer Professur für Liedbegleitung weitergeben konnten. „Ich studiere das Lied ganz ähnlich wie der Sänger ein, die Phrasierung richtet sich ja weitgehend nach dem Text. Die Lage der Singstimme ist aus Balancegründen stets zu beachten, man überlegt Atemstellen und macht sich Gedanken über mögliche Tempi.“

In seinen Erinnerungen erzählt Deutsch sehr offen und anekdotenreich von seiner Zusammenarbeit mit Gesangsstars wie Brigitte Fassbaender, Barbara Bonney, Peter Schreier, Grace Bumbry, Thomas Quasthoff, Diana Damrau oder Jonas Kaufmann, den er als Dozent an der Münchner Musikhochschule sogar mehr oder minder für den Liedgesang entdeckt hat. „Die dynamischen Mittel, die Jonas zur Verfügung stehen, scheinen nahezu unbegrenzt zu sein, und er nutzt sie extrem aus. Ich kenne keinen anderen Sänger, der so viel Freude daran hat, unendlich zart zu singen. Bei Proben wird nicht sehr viel gesprochen, wir verstehen einander zumeist ohne Worte…“
So ist Helmut Deutschs Buch ein anekdotenreicher, aber nicht geschwätziger, sondern immer sachlich fundierter Rückblick auf ein erfahrungsreiches Musikerleben. Es erzählt von nahezu allen Facetten des Liedgesangs, den besonderen Herausforderungen für Sänger wie für Pianisten – und es ist eine Liebeserklärung an die vielen großen Liedkompositionen und Zyklen – und an viele Sängerinnen und Sänger.
„Gesang auf Händen tragen“ von Helmut Deutsch ist im Henschel Verlag erschienen.

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