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    Eindrücke von der Residenzwoche München für Alte Musik

    Opern- und Konzertkritiken

    Linien und Gewebe

    Werke von Isaac und Senfl mit Singer Pur bei der Residenzwoche München

    Von Robert Jungwirth

    (München, 12. Oktober 20223) Vor 500 Jahren wurde die Münchner Hofkapelle gegründet, die heute Bayerisches Staatsorchester heißt und von Vladimir Jurowski geleitet wird. Seine Vorgänger heißen u.a. Heinrich Isaak und Orlando di Lasso. Um die frühen Leiter der Kapelle und ihre Musik kümmert sich seit mehr als 20 Jahren Münchens einziges Alte-Musik-Festival, die Residenzwoche, mit hochkarätigen Konzerten in den fürstlichen Räumen der Wittelsbacher in München. Im von Herzog Albrecht V. im 16. Jh. erbauten Antiquarium, ein Renaissancesaal wie man ihn prächtiger nördlich der Alpen kaum findet, widmete sich das Vokalensemble Singer Pur Werken von Isaak (1450-1517) und seinem Schüler Ludwig Senfl (1490-1543). Dabei wurden die musikalischen Beeinflussungen ebenso deutlich wie die Unterschiede.

    Während der Flame Isaac die niederländische Vokalpolyphonie in klaren, fein gesponnenen Linien und dichten Geweben repräsentiert, wirkt der aus der Schweiz stammende Senfl etwas mehr down to earth, wenn man so will. Er hat auch zum Beispiel nur deutsche Text und keine lateinischen vertont. Seine Lieder sind überaus kunstvoll, aber doch auch sehr sanglich, oft in Strophenform. Wie etwa sein autobiographisches „Lust hab ich g’habt zur Musica“, in dem er von seinem musikalischen Werdegang und seiner Berufung zur Musik berichtet. Mit großer vokaler Pracht wartet dagegen Isaacs „Optime pastor“ auf, das er einst für den Papst komponierte.

    Die Liedform bediente aber auch Isaac, etwa in seinem berühmten „Innsbruck, ich muss dich lassen“. Die sechs Vokalisten von Singer Pur machten die klare Polyphonie wunderbar nachvollziehbar, produzierten einen homogenen durchsichtigen Klang – und das obwohl ihr Tenor wegen Krankheit ersetzt werden musste. Doch Daniel Schreiber von den Singphonikern sprang bewundernswerterweise ein und rettete den Abend. Ja, seine Soli wurden sogar zu einem kleinen Highlight des Abends.

    Zwar ist das Antiquarium wahrlich kein kleiner Raum, aber vielleicht hätte die mäandernde Polyphonie vor allem der Werke Isaacs in einem Kirchenraum mit noch etwas mehr Nachhall noch eindrucksvoller zur Geltung kommen können. So war es auch für die Sängerinnen und Sänger eine große Herausforderung, die zum Teil überaus schweren harmonischen Verästelungen mit doppelter Klarheit präsentieren zu müssen. Doch Singer Pur bestand auch diese Aufgabe – haben sie doch erst jüngst eine ganze CD mit Werken Ludwig Senfls herausgebracht. Man merkt, dass sie im Klangkosmos dieser Zeit und dieser Meister sich zu Hause fühlen.
    Die Residenzwoche bietet noch bis zum 15. Oktober Konzerte, Wandelkonzerte und Führungen. 

    13. Oktober 2023/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
    Schlagworte: Residenzwoche München
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