Orff-Lieder

Entwicklungsschritte

Mathilde Cardon und Michèle Scharapan Foto: Orff-Zentrum/Adamiak

Das Münchner Orff-Zentrum präsentierte frühe Lieder von Carl Orff
Von Robert Jungwirth
(München, 15. März 2017) Text und Musik bildeten für Carl Orff schon sehr früh eine unverbrüchliche Einheit. Bereits von dem sechzehnjährigen Schüler Orff gibt es Liedvertonungen, die neben den großen Vorbildern Schumann, Schubert und Brahms auch eine eigenständige Begabung in Richtung Musikalisierung von Texten erkennen lassen. Im Münchner Orff-Zentrum konnte man das jetzt bei einem Konzert, das in erprobter nachbarschaftlicher Kooperation mit dem Institut Francais veranstaltet wurde, in dem Lied „Immer leiser wird mein Schlummer“ nach Hermann Lingg aus dem Jahr 1911 hören. In den beiden 1920 bzw. 1921 entstandenen Liedern „Als mich dein Wandeln an den Tod verzückte“ und „Litanei“ eines Kranken“ nach Franz Werfel konnte man im Anschluss dann gewissermaßen den Entwicklungsschritt vom musikalischen Impressionismus zum Expressionismus nachvollziehen, den Orff „durchmachte“, bevor er mit einer gezielt reduzierten Klangsprache sein eigenes Idiom fand.
Die französische Mezzosopranistin Mathilde Cardon machte das plastisch deutlich, kundig unterstützt von Michèle Scharapan am Klavier. Kontrastiert wurden die drei frühen Orff-Lieder durch Schumanns „Liederkreis“ nach Eichendorff – deutsche Romantik in französischer Interpretation, was denn auch erfreulich pathosfern klang. Ergänzt wurde das Programm durch Schuberts C-Dur-Fantasie für Geige und Klavier mit dem französischen Geiger Thomas Gautier, der Schuberts feinabgestufte Licht-und-Schatten-Wirkungen mit schönem Ton und behender Technik veranschaulichte.
Eine schöne und sicherlich auch noch ausbaufähige Kooperation zwischen zwei wichtigen Münchner Kulturinstitutionen.

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