Ein neues vielversprechendes Kammermusikfestival in Umbrien

Gelungener Auftakt

„Tra Luce & Sogno – Festial di Postignano“ – eine neue Festivalperle im tiefsten Umbrien.

Von Thomas Migge

(Postignano, 26.-29. Juli 2018) Festivals mit Kammermusik gibt es wie Sterne am Himmel. Vor diesem Hintergrund ein neues Festival dieser Art auf die Beine zu stellen, ist ein mutiges und auch ehrgeiziges Unterfangen. Vor allem, wenn man eine solche Veranstaltungsreihe in einem wilden, grünen und nur über eine schmale Landstraße zu erreichenden romantischen Tal im tiefsten Umbrien organisiert. An einem Ort, der von Rom aus in knapp 3 Stunden Autofahrt zu erreichen ist, der also, nicht gerade um die Ecke liegt.
Das Tal heißt Valnerina. Immer noch ist es ein Geheimtipp im ansonsten ziemlich überlaufenen Umbrien. Man erreicht es vom bekannten Spoleto aus durch einen Tunnel. Massentourismus gibt es hier nicht. Dafür aber pittoresk auf Bergen und an Berghängen gelegene kleine Ortschaften.

Einer dieser aus dem Mittelalter stammenden Orte, Postignano, besteht aus einer Gruppe eng beieinanderstehender, ineinander verschachtelter und unterschiedlich großer Häuser nebst Kirche und Wehrturm. Err wurde in den vergangenen Jahren von zwei Architekten aufgekauft und liebevoll restauriert. In diesen Ort verliebte sich auch Bita Cattelan aus dem kanadischen Montreal. Die Musikliebhaberin und gut betuchte Philanthropin konnte im Anschluss an ihren Besuch in Postignano ihre Freundin Mari Kodama davon überzeugen, in dem Dorf ein Kammermusikfestival zu organisieren.

Kodama brauchte man nicht lange zu fragen. Die international bekannte Pianistin und Ehefrau des Dirigenten Kent Nagano, der schließlich auch Ehrenpräsident der neuen Veranstaltungsreihe wurde, hat Erfahrungen mit Festivallogistik: Zusammen mit ihrem Mann leitete sie 14 Jahre lang in San Francisco ein Nachbarschafts-Kammermusikfestival.

Finanziert von großzügigen Spendern aus Kanada und Italien wurde aus der Idee das Festival „Tra Luce & Sogno“. Vom 26. bis 29. Juli fand es nun erstmals mit sieben Konzerten statt. Immer in der kleinen ehemaligen Dorfkirche mit ihren Restfresken aus dem späten Mittelalter und dem Barock. Ein idealer Ort für Kammermusik. Mit nur knapp 100 Sitzplätzen und einer nahezu perfekten Akustik. Vor und nach den Konzerten gab es Drinks, Häppchen und Abendessen auf einer Panoramaterrasse. Das ideale Ambiente für ein Festival, bei dem es nicht um Masse sondern um Klasse geht.

Hervorragend war auch das Programm. Jedes Stück wurde im Programmheft und live historisch und musikwissenschaftlich eingeordnet und kommentiert. Eine Seltenheit bei Festivals, jedenfalls in Italien. Geboten wurden keine gängigen Klassiker, sondern komplexe und auch schwierige Werke, die man nicht oft zu hören bekommt. Wie etwa Prokofievs Ouvertüre nach hebräischen Themen op. 34 oder auch Messiaens „Quartett für das Ende der Zeit“. Das ist keine leichte musikalische Kost, vor allem nicht für ein Sommerfestival, aber die Dosierung der Konzerte, nie länger als eineinhalb Stunden mit jeweils einer Pause, federte diese anspruchsvolle Auswahl gut ab. Auch das in der Regel selten zu hörende Streichquartett in e-Moll von Giuseppe Verdi stand auf dem Programm. Ein Meisterwerk, das beweist, dass Verdi nicht nur ein begnadeter Opernkomponist war.

Alle Musiker kamen bereits eine Woche vor dem Festival in Postignano zusammen und probten täglich intensiv miteinander. So entstand eine musikalische Symbiose, die der Zuhörer spüren konnte. Jede musikalische Darbietung wurde so zu einem musikalischen Hochgenuss, wie man ihn selbst bei seit vielen Jahren existierenden und angesehenen Festivals dieser Art nur selten erlebt. Alle 18 Musiker des Festivals waren ausgezeichnet. Wie etwa der Violinist Matt Haimovitz, Mari Kodama und ihre ebenfalls Piano spielende Schwester Momo, der Klarinettist Pascal Moragues und der Cellist Luigi Piovano. Sie alle sind bekannte Namen im Musikgeschäft, entweder als Solisten oder als erste Geiger, Viola- oder Klarinetteninterpreten.

Ein neues Festival der ganz besonderen Klasse. Bleibt zu hoffen, dass es auch im kommenden Jahr stattfinden kann.

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