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    Menottis hinreißende Opernkomödie The old Maid and the Thief in München

    Opern- und Konzertkritiken

    Die Lady und der Fisch

    Das Münchner Gärtnerplatztheater zeigt in einer sehenswerten Produktion Gian Carlo Menottis hintersinnige Musiktheater-Komödie „The old Maid and the Thief“

    Von Robert Jungwirth

    (München, 15. Juni 2025) Goldfische sollte man nicht alleine halten, sonst werden sie depressiv und sterben. Menschen geht es mitunter nicht anders. Das scheint sich allmählich als große Erkenntnis herumzusprechen. Deshalb werden nun überall plötzlich Einsamkeitsministerien geschaffen.

    Die alte Lady Miss Todd ist ebenfalls einsam, da geht es ihr wie ihrem Goldfisch. Und das obwohl sie an ihrem Ort eigentlich gut vernetzt ist, z.B. den Vorsitz des Prohibitionsvereins inne hat. Aber es fehlt ihr ein Mann. So richtig wird ihr das bewusst, als plötzlich einer vor ihrer Haustür steht. Er ist zwar ein Landstreicher, aber ein sehr gutaussehender und junger. Und so bittet die alte Lady ihn angefeuert durch ihre junge Haushälterin Laetitia, die nicht minder angetan ist von dem Fremden, herein und bietet ihm Tee und Gebäck und eine Übernachtungsmöglichkeit an.
    Aus einer Nacht werden mehrere und nicht nur die alte Lady, sondern auch Laetitia gewöhnen sich an ihren attraktiven Mitbewohner, der nicht weiß wie ihm geschieht, weil er so umsorgt und verwöhnt wird. Eine abenteuerliche Geschichte entspinnt sich, voller Witz, Hintersinn und auch reichlich Melancholie.

    1939 schuf der italienisch-amerikanische Komponist Gian Carlo Menotti mit 28 Jahren in den USA seine Kammeroper „The old Maid and the Thief“ („Die alte Jungfer und der Dieb“) als allererste Radiooper nach einem eigenen, überaus gewitzten Text (die szenische Uraufführung erfolgte 1941 in Philadelphia). Und wie schon bei dem vor einigen Jahren an dem Haus aufgeführten Einakter „Das Medium“ von Menotti brachte das Münchner Gärtnerplatztheater das Operchen jetzt in einer musikalisch und szenisch ungemein gelungenen und beglückenden Inszenierung auf seiner Studiobühne heraus.

    Regisseur Alexander Kreuselberg – er inszenierte auch schon „Das Medium“ – hält ebenso wie Menotti in seiner Musik sehr geschickt die Balance zwischen Groteske und Rührstück. Die Einsamkeit der beiden Frauen soll echt wirken, die Musik, die Menotti dafür komponierte, erinnert deutlich an Puccini – nur ein wenig sachlicher und schlanker, weil auch kein großes Orchester beteiligt ist. Aber sie ist dennoch nicht epigonal, sondern durchaus eigenständig in ihrem ansprechenden Parlandoton mit den arienhaften Gefühlsausbrüchen.

    Bühnen- und Kostümbildner Rainer Sinell schuf eine heimelige und spießige Alt-England-Idylle mit Kaminfeuer und 40er Jahre Kostümen. Anna Agathonos ist eine herrlich tantige Lady, die ihren verzweiflungsvollen zweiten Frühling erlebt und für den Mann ihrer Begierde sogar zur Diebin wird. Stimmlich und darstellerisch gelingt ihr das grandios – wenngleich die Lautstärke (nicht nur) bei ihr Richtung große Oper tendiert und den akustischen Rahmen der Studiobühne manchmal etwas sprengt. Da hätte Dirigent Oleg Ptashnikov, der ansonsten für punktgenaues Musizieren und Singen sorgt, ein wenig mehr auf die Bremse treten können – ohne Verlust an Wirkung.

    Denn die vier Akteure sind allesamt ganz ausgezeichnet. Zwischen anrührend und durchtrieben changierend Sophia Keiler als Laetitia, Frances Lucey gibt die leicht misstrauische Freundin von Miss Todd und Jeremy Boulton ist ein stimmlich wie charakterlich untadeliger Landstreicher – nein, ein Wanderer in geradezu romantischem Selbstverständnis und mit romantischem Stimmschmelz.

    Viel unerwarteter Witz liegt in dem wunderbaren Text, der von der Musik auch nicht überschattet wird. Eine unbedingt sehens- und hörenswerte Entdeckung am Münchner Gärtnerplatztheater nach dem Erfolg, den schon Menottis „Medium“ dort hatte. Es wäre durchaus lohnend, eine kleine Serie daraus zu machen.

    Ach ja, der einsame Goldfisch ist als Requisit auf der Bühne stets präsent (aus Plastik). Am Ende sind sie wieder beide allein – die Lady und der Fisch.

    16. Juni 2025/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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