Zehetmair Kammerorchester

Trauermusiken

Thomas Zehetmair Foto: Schoerke

Das Münchener Kammerorchester und Thomas Zehetmair mit Haydn, Schubert, Hartmann, Krenek und Hindemith
(München, 10. Januar 2008) Ist es Zufall oder doch der Personalunion von Geiger und Dirigent zu verdanken, dass Thomas Zehetmair und das Münchener Kammerorchester im Prinzregententheater mit dem Concerto funèbre von Karl Amadeus Hartmann aus dem ersten Kriegsjahr 1939 den intensivsten, differenziertesten und farbigsten Eindruck des gesamten Konzerts hinterließen. Denn ob Zitat (Hindemiths „Trauermusik“ im zweiten, ein russisches Lied im letzten Satz) oder Allusion (Mahlers Neunte im ersten Satz), fahles Leuchten der Geige oder wildes Aufbegehren im fast brachialen Allegro di molto: Stets blieben Form und klangliche Balance gewahrt und wurde doch größtmöglicher Ausdruck gewagt. Nach der grandiosen Aufführung der vierten Symphonie Hartmanns im letzten Konzert des Kammerorchesters war das eine erneute Glanzleistung des Orchesters mit einem Werk des immer noch unterschätzten Komponisten und Gründers der musica viva.
Diese Intensität setzte sich fort in der „Sinfonischen Elegie – in memoriam Anton Webern“ von Ernst Krenek aus dem Jahr 1946; eine zwölftönig geprägte, komplex konstruierte, gleichwohl hoch emotionale und tief erschütternde Reflexion auf den gewaltsamen Tod des Schönberg-Schülers ein Jahr zuvor – kurz vor Kriegsende. Zehetmair und dem Kammerorchester gelang auch hier der Spagat zwischen Form und Ausdruck, zwischen reiner Musikausübung und dem Pathos des Erinnerns.
Gegen diese beiden großartigen Werke fielen die fünf Stücke op. 44/4 von Paul Hindemith aus dem Jahr 1927 etwas ab. Was nicht in erster Linie daran lag, dass der Musik der Bekenntnischarakter der beiden anderen Werke fehlte oder sie dezidiert Laien als „interessanter neuzeitlicher Übungsstoff“ (Hindemith) dienen sollten, vielmehr an einer gewissen kompositorischen Beliebigkeit, der weder Dirigent noch Orchester viel entgegen setzen konnten.
Das war bei der einleitenden c-moll-Ouvertüre  des 14-jährigen Franz Schubert, aber auch am Ende der „Feuersymphonie“ von Joseph Haydn, seiner Nr. 59 in A-Dur, anders. Selbst wenn man sich manches noch prägnanter gewünscht hätte, kontrastreicher in der Dynamik, klarer in der Artikulation, so ließ doch der klassische Rahmen gleichsam aufatmen. Nicht zuletzt im zweiten Erscheinen der verkappten Opernszene des langsamen Satzes verströmte dann der Bläserglanz (vor allem zweier Hörner) eine ganz eigene Note, nachdem bis dahin in allen Stücken die Streicher dominiert hatten.
Klaus Kalchschmid

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