Valentina Lisitsa und die Münchner Symphoniker

Reality Check

Valentina Lisitsa Foto: Gilbert Francois

Die Pianistin Valentina Lisitsa und die Münchner Symphoniker spielen Tschaikowsky
(München, 9. November 2012) Am Tag ihres Münchner Auftritts hat Valentina Lisitsa die 50-Millionen-Marke geknackt. So oft wurden ihre Videos auf YouTube mittlerweile angeklickt. Der Ruf eines YouTube-Wunders eilt der knapp 40-jährigen Ukrainerin schon seit längerem voraus, allmählich kann sie was ihre Internetbekanntheit angeht mit Popstars konkurrieren. Und das quasi aus der Anonymität. Ein Medienwunder, das auf seine publicityträchtige Vermarktung nicht lange warten musste.
Auf der Bühne der Münchner Philharmonie wirkt Valentina Lisitsa zunächst jedoch unsicherer, als man vermuten würde nach all den Interneterfolgen – oder gerade deshalb. Denn beim Livekonzert erfolgt gewissermaßen der Realitycheck, hier lässt sich nichts kaschieren oder zurechtschneiden. Der Beginn von Tschaikowskys b-Moll-Konzert geriet ihr ein wenig wackelig, was aber nicht nur an ihr selbst lag. Orchester und Solistin mussten erst zusammen finden, schien es. An der Feinabstimmung mangelte es auch danach ein wenig. Und an Tiefgang. Valentina Lisitsa hat zwar perlende Läufe und durchaus zupackendes Oktavengewitter zu bieten – aber ihr Spiel bleibt doch oft an der Oberfläche, lotet die tieferen Dimensionen von Tschaikowskys Klavierschlachtross nicht wirklich aus. Der Lyrismus des langsamen Satzes lag ihr noch am meisten, doch hier zogen die Symphoniker unter Georg Schmöhes Leitung nicht so recht mit. Viel zu oft knallten die Einsätze vorlaut heraus, blieb die klangliche Homogenität unter den Möglichkeiten des Orchesters. Schade und auch ein wenig unverständlich, denn bei Prokofjews "Romeo und Julia"-Suite hörte sich das Orchester doch einigermaßen anders an – wobei Schmöhes Freude an Lautstärke etwas übertrieben war.
Bernsteins Tänze aus der "West-Side-Story" bildeten den mittleren Teil in diesem "Gassenhauer"-Programm – mit viel Spaß am Swing und der emotionalen Faszinationskraft dieser phänomenalen Musik gespielt.
Robert Jungwirth

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