Trifonov/Gergiev

Konzertkritik: Gergiev/Trifonov

In Tastengewitttern

Daniil Trifonov Foto: Dario Acosta / DG

Daniil Trifonov und Valery Gergiev führten mit den Münchner Philharmonikern Rachmaninows drittes Klavierkonzert auf, dazu gab es noch Wagner und Skrjabin
Von Robert Jungwirth
(München, 14. Dezember 2015) Er hüpfte auf die Bühne wie weiland Ilja Richter. Nein, nicht Valery Gergiev, sondern Andreas Korn, den die Münchner Philharmoniker neu als Moderator für ihre Jugendkonzerte engagiert haben. Der schlaksige Moderator verbreitete tatsächlich ein wenig die Atmosphäre einer TV-Show – nur noch das berühmte „Licht aus – Spot an“ fehlte. Korn versucht eine möglichst lockere Vermittlung und Einführung in die Stücke des Abends für sein junges Publikum zu bieten. Das gelang (noch) nicht immer gleichermaßen überzeugend, aber die Münchner Philharmoniker gehen immerhin neue Wege in der so wichtigen Heranführung eines jungen Publikums an klassische Musik. Und die Philharmonie mit ihren rund 2400 Plätzen war fast bis auf den letzten gefüllt – mit überwiegend jungen bis sehr jungen Zuhörern. Und die tippten weder bei der Einführung noch während des Konzerts auf ihren Telefonen herum, sondern hörten interessiert und aufmerksam diesem gar nicht so einfachen Programm zu und feierten den Pianisten Daniil Trifoniv – der ebenfalls eine Art Ilja-Richter-Schlaksigkeit zelebriert – am Ende des dritten Klavierkonzerts von Sergej Rachmaninow wie einen Popstar mit lautstarkem Jubel. Ein voller Erfolg also dieses Jugendkonzert, dem noch zwei reguläre Konzerte mit dem gleichen Programm folgen – dann noch mit der symphonischen Phantasie „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss statt der Moderation).
Die romantisch-zauberische Intrada mit Wagners „Lohengrin“-Vorspiel bildete natürlich eine gute Einstimmung auch und gerade für Jugendliche. Valery Gergiev zelebrierte die Gralsaura mit anheimelndem, sich wunderbar steigerndem Orchesterschönklang. Vor allem der satte Streichersound wirkte sehr überzeugend. Hier, aber auch beim nachfolgenden Rachmaninow-Konzert spürte man, dass die Musiker und ihr neuer Chefdirigent in den vergangenen Wochen und Monaten, in denen sie sehr eng und konzentriert zusammengearbeitet haben (in zahlreichen Konzerten, einem Minifestival im Gasteig und einer dreiwöchigen Asientournee) bereits zu einer musikalischen Einheit zusammengefunden haben. Gergiev nimmt seine Münchner Aufgabe tatsächlich sehr ernst, was ihm viele nicht zugetraut haben. München ist für den Vielbeschäftigten ganz offensichtlich eben doch nicht nur ein Auftrittsort neben vielen. Das ist erfreulich, und man darf gespannt sein, wohin die musikalische Reise gehen wird…
„Rach 3“ mit dem russischen Shooting-Star Daniil Trifonof und Gergiev, das ist natürlich schon per se ein Ereignis. Dazu kam, dass die Münchner Philharmoniker hier eine ganz wunderbar noble russische Klanglichkeit an den Tag legten, die mehr von Klarheit und Transparenz als von pathoshafter Schwiemeligkeit geprägt war. Und das passte natürlich ideal zu Trifonovs bestechender quirliger Virtuosität, die ebenfalls auf jeglichen Breitwandsound verzichtet. Dafür offerierte Trifoniv selbst im lyrischen zweiten Satz eine ruhelose nervöse Expressivität, die sich – wo nötig — freilich zu enormem Tastengewittern aufschaukeln konnte.An genau dieser nervösen Expressivität mangelte es im nachfolgenden Orchesterfanal „Poeme de l’Extase“ von Alexander Skrjabin dem Orchester ein wenig. Die vibrierende Klangextase wurde zwar technisch grandios bewältigt – vor allem die armen Trompeter seien hier genannt – und auch die stete Steigerung war exakt und souverän ausgestaltet. Aber die knisternde Atmosphäre, das Fiebrige dieser Musik fehlte etwas.


0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.