Tal/Groethuysen

Mendelssohns Leichtigkeit

Foto: Tal/Groethuysen

Das Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen mit Mendelssohn auf Schloß Elmau
(Elmau, 11. Januar 2009) Sechzehn Jahre war Felix Mendelssohn-Bartholdy alt, als er eines seiner bekanntesten Werke komponierte: das Oktett für zwei Violinen, Bratschen und Celli in Es-Dur, op. 20. Ausgelassener jugendlicher Schwung verbindet sich hier mit einer Sicherheit in der Beherrschung der Kompositionstechnik und einer Originalität in der Bearbeitung, dass man nur staunen kann. Rhythmische Verspieltheit und Witz treten neben einer an Mozart geschulten sanglichen Empfindsamkeit. Der häufig gemachte Vergleich mit dem jungen Mozart drängt sich auf und hat zweifellos seine Berechtigung für den jungen Mendelssohn.
Natürlich war Mendelssohn auch ein ausgezeichneter Geiger, das Klavierspiel, insbesondere auch das vierhändige Spiel mit seiner geliebten Schwester Fanny bildete aber eine ungleich wichtigere instrumentale Grundlage für den Komponisten Mendelssohn. Und so wundert es nicht, dass er selbst viele Bearbeitungen für Klavier zu vier Händen vornahm, darunter auch das berühmte Oktett, das das Münchner Klavierduo Andreas Groethuysen und Yaara Tal vor kurzem auf CD eingespielt hat und das sie nun im Rahmen der Kammermusikwoche auf Schloß Elmau öffentlich spielten – zusammen mit der ebenfalls auf der CD zu hörenden Klavierfassung der ersten Symphonie Mendelssohns c-moll op. 11), in der eigenwilligen Version für Klavier zu vier Händen plus Violine und Cello.
Groethuysen und Tal gelingt es, mit der nötigen spielerischen Leichtigkeit, den sprudelnden Einfallsreichtum dieses Werks frisch und unverbraucht klingen zu lassen. Dabei ist ihr Spiel nie auf den pianistischen Effekt hin ausgerichtet, sondern zeichnet sich eher durch ein gewisses Understatement aus, was die erforderliche Virtuosität aber keineswegs unterschlägt.
Den „noblen“ Ton demonstrieren auch der Geiger Oliver Wille und der Cellist Mikayel Hakhnazaryan vom Kuss-Quartett als Mitstreiter in der Symphonie-Bearbeitung.
Die Kammermusikwoche auf Schloß Elmau dauert noch bis zum kommenden Sonntag, 18. Januar an. Weitere Highlights sind die Auftritte des französischen Geigers Renaud Capucon sowie das Gastspiel des ebenfalls aus Frankreich stammenden Quatuor Ebène.
Robert Jungwirth
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