Sommernachtstraum

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Augenzwinkernd virtuos

John Neumeiers „Sommernachtstraum“ fulminant mit neuer Besetzung beim Bayerischen Staatsballett

Von Robert Jungwirth

(München, 26. Mai 2017) Wenn die Szene vom Hof des Herzogs Theseus ins Feenreich von Oberon und Titania wechselt, ist erst mal Schluss mit gemütlich. Die (arg) anheimelnde Biedermeierkulisse macht einer eher unheimlichen Geisterwelt Platz. Unheimlicher jedenfalls als man sie bei Shakespeare in Erinnerung hat. Das liegt natürlich auch an dem akustischen Wechsel von Mendelssohn zu Ligeti. Dessen Volumina für Orgel läßt die Feen in ihren hautengen weißlich-transparenten Kostümen aussehen wie unheilvolle Aliens. Dabei könnte man angesichts von Jürgen Roses Kostümen auch an die lustigen Spermien aus Woody Allens „Sex-„-Film denken…Dieser etwas eigenwillige Bruch mit der Erwartungshaltung ist aber auch schon das Einzige, was an diesem „Sommernachtstraum“ irritiert. Alles andere ist auch 40 Jahre nach der Uraufführung noch immer von ungebrochener Faszinationskraft durch seine virtuose Kreativität und seinen Humor.

Nicht umsonst behauptet dieser Ballettklassiker von John Neumeier aus dem Jahr 1973 seit fast 25 Jahren seinen Platz im Repertoire des Bayerischen Staatsballetts – hier war die Premiere 1993. Ganze Generationen von Tänzerinnen und Tänzern haben sich dran schon erprobt, und es spricht für das Traditionsbewußtsein des neuen Münchner Ballettdirektors Igor Zelensky, dass er nun eine Wiederaufnahme dieses Klassikers aufs Programm setzte. Und mit welcher Präzision und Perfektion wird hier getanzt, werden aber auch die humorvollen Passagen bis in die Fingerspitzen genau umgesetzt – von der gesamten Compagnie. Das hat schon eine außerordentliche Qualität und läßt keinen Zweifel daran aufkommen, welche Erwartungen Zelensky an seine Tänzerinnen und Tänzer hat: nur die höchsten. Doch bleibt dabei Gott sei Dank der Charme, das Augenzwinkern, das Neumeier hier so unvergleichlich choreographiert hat, erfreulicherweise nicht auf der Strecke. Herausragend in ihrer geradezu artistischen Körperbeherrschung und jederzeit eleganten Virtuosität Ksenia Ryzhkova in der Doppelrolle Hippolyta/Titania und Erik Murzagaliyev als Oberon. Aber auch Nicholas Losada als Puck, Maria Shirinkina als Helena, Jonah Cook als Lysander und Javier Amo als Demetrius agieren auf allerhöchstem Niveau. Michael Schmidtsdorff sorgt am Pult des Bayerischen Staatsorchesters für das stimmungsvolle Mendelssohn-Kolorit.

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Ksenia Ryzhkova und Erik Murzagaliyev Foto: Wilfried Hösl

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