Salle modulable

Überraschendes Aus für die Salle Modulable

Ein Luzerner Prestigeprojekt geht (vorerst) baden
Von Derek Weber
(Luzern, September 2016) Nicht nur in Österreich gehen Abstimmungen schief. In Luzern schien man auf gutem Weg zu sein, das Lucerne Festival nach Überwindung etlicher Hürden in Richtung Inkorporation szenischer Produktionen zu lenken. Nur die Hürde einer Volksabstimmung im November sei, so dachte man, noch zu überwinden. Doch nun ist plötzlich alles anders: Am 12. September lehnte der Kantonalrat nach intensiver Diskussion die Gewährung eines Planungskredits in Höhe von sieben Mio. Franken mit 62 zu 51 Stimmen ab. Mit anderen Worten: Gescheitert ist das ambitionierte Projekt nicht  – obwohl das im Hintergrund mitzudenken  ist – an irgendwelchen großen Summen (die Rede war von Gesamtkosten von über 200 Millionen) oder am "uneinsichtigen" Luzerner Wahlvolk, sondern an einer ganz "normalen" repräsentativen, wenn man so will: "parlamentarischen" Institution.
Die Entscheidung des Kantonalrats brachte eine ganze Lawine ins Rollen, an deren Ende das Aus für die "Salle Modulable" stehen wird. Das war relativ rasch klar. "Man geht davon aus, dass der Entscheid auch das Aus der weiteren Planungsarbeiten für das Projekt bedeutet", hieß es aus dem Pressebüro des Lucerne Festival. Der Präsident der "Stiftung Salle Modulable", Hubert Achermann, nannte die Entscheidung des Gremiums "kurzsichtig und mutlos".
Erste Folge: Der Luzerner Stadtrat erklärt, nicht als einzige öffentliche Institution für die Finanzierung des Projekts geradestehen zu wollen. Zehn Jahre ist es nun her, dass der Intendant des Lucerne Festival, Michael Haefliger, die auch von Pierre Boulez initiierten Pläne für die Errichtung eines multifunktionellen Theatersaals in Luzern, der auch dem Luzerner Theater eine neue Heimat bieten sollte, der Öffentlichkeit präsentierte. Seitdem wird diskutiert – und polemisiert. Die Luzerner Linke sprach sich gegen das Projekt aus; die bürgerlichen Parteien waren gespalten.
Ein erster Hoffnungsschimmer tat sich auf, als in Christof Engelhorn ein finanzkräftiger Sponsor gefunden wurde. Dieser starb jedoch im Oktober 2010, ehe das Geld tatsächlich geflossen war. Ein Streit mit den Erben brach aus, der erst durch Gerichte entschieden wurde. Und kaum hatte man sich auf der juristischen Ebene geeinigt, begannen die Querelen um den Standort des Theaters.
Die Entscheidung des Luzerner Kantonalrates gegen einen Planungskredit in der Höhe von sieben Millionen Schweizer Franken und damit gegen die Fortsetzung der Vorarbeiten für das Projekt "Salle Modulable" führt nun zur Absage der geplanten Abstimmung vom 27. November. Diese Entwicklung kam – zumindest für den nicht-Schweizer Beobachter einigermaßen überraschend.  Kalamitäten hätte man wohl am ehesten für die geplante Volksabstimmung im November dieses Jahres erwartet.
Was zu bemerken war, war eine negative Stimmung unter der "normalen" Bevölkerung in Luzern. Kaum jemand äußerte sich in Gesprächen positiv zu dem ambitionierten Projekt, in Luzern in der Nähe des KKL – am "Inseli"- einen neuen, für viele Zwecke adaptierbaren, und natürlich ziemlich teuren Theater- und Konzertsaal zu errichten.
Die "Stiftung Salle Modulable" geht davon aus, dass das Votum des Kantonalrates das Aus für das Projekt und ein Zurück an den Start unter neuen Vorzeichen  bedeutet. Gleichwohl betont der Intendant  von Lucerne Festival, Michael Haefliger, dass er weiter an dem Plan festhalte, das Festival um "innovative Opernprojekte" zu erweitern. Er räumte jedoch zugleich ein, dass es auch in der Schweiz schwieriger geworden sei, große Kulturprojekte zu finanzieren. Als Gründe dafür nannte er die angespannten Lage der öffentlichen Haushalte und – damit verbunden – die angekündigten Sparmaßnahmen im Kultursektor.
Doch wird Luzern handeln müssen: Das Luzerner Theater ist zu klein und muss eher rasch als spät durch ein neues Haus ersetzt werden. Die "Salle modulable" wäre, so gesehen, ein idealer Schnittpunkt für einen Neubeginn gewesen. Nun wird sogar mit dem Gedanken gespielt, Musiktheater an anderen Orten als in Luzern darzubieten.
Aber das sind erste Gedankenexperimente. Was die Luzerner Kulturszene nach dem ersten Schock nun wohl braucht, ist eine produktive Denkpause.


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