Rusalka am Theater an der Wien

Ein bisschen Freud im Nixenteich

Amélie Niermeyer inszeniert Rusalka am Theater an der Wien

Von Derek Weber

(Wien, 26. September 2019) Dass „Rusalka“ Antonin Dvoraks beliebteste Oper ist, liegt mit Sicherheit nicht an ihrem märchenhaften Sujet. Für eine Märchen-Oper ist sie – um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden – sozusagen „zu spät“ dran gewesen. Da aber um diese Zeit auch andere Nymphenopern komponiert wurden, liegt der Gedanke nahe, bei Meister Freud nachzugraben, was denn die Regisseurin der neuen Aufführung im Theater an der Wien, Amélie Niermeyer, auch eifrig getan hat.

Es war übrigens nicht die einzige Wiener Aufführung der Oper in den letzten Jahren, aber mit Sicherheit eine der anregendsten, weil sie die Handlung – von den Kostümen und vom Ambiente her, in ein zeitloses und irgendwie doch zeitnahes Nirgendwo in einem Nicht-Wald-Teich verlegte, für das Christian Schmidt als Bühnenbildner zusammen mit der Kostümbildnerin Kirsten Dephoff ein zeitgemäßes, helles und allem Naturalismus abholdes Rundherum erschaffen hat, das allerdings vom Publikum mit einer gewissen Kühle und Distanziertheit aufgenommen wurde. Vor allem die Kostüme wussten zu beeindrucken, wenn wir vom Nacktauftritt des Prinzen (Ladislav Elgr, in der gesehenen Aufführung mit gewissen tenoralen Höhenproblemen) absehen. Nackte Haut regt heute keinen mehr auf, provoziert nichts und ist bei dem Phantasie-Hauch von Kostüm, zu dem der Aristokrat in der Folge greifen darf, weit besser aufgehoben. Die Hexe Jezibaba (Natascha Petrinsky) tritt als Luxusgeschöpf auf, und die rot-weiß gewandeten Waldnymphen haben auf den ersten Blick so gar nichts Nixiges an sich.

Günter Groissböck spielt und singt einen wunderbaren, bebrillten und besorgt-sonorigen Wassermann, den Vater Rusalkas. Die bösen Züge, die bei ihm regielich angedeutet sind, wirken ein wenig aufgesetzt. Und Rusalka selbst (Maria Bengtsson) verfügt über einen jugendlich-frischen Sopran mit großer Durchschlagskraft. Der Arnold Schoenberg Chor hat seinen großen schwarzgewandeten Auftritt beim Fest mit der fremden Fürstin (Kate Aldrich). Die Bösen (hier Discotänzer, verstärkt durch Videobilder) sind wie immer schwarz-, die Gute (Rusalka) ist daher klarerweise weißgekleidet.

Zu den „Weißen“ zählt in gewisser Weise auch der Dirigent der Aufführung, David Afkham, der ein gutes Gefühl für die tschechischen Lyrismen und Folklorismen der Musik hat, aber ihre dramatischen Akzente sehr im Zaum hält. Das von ihm geleitete ORF Radio-Symphonieorchester Wien hatte erneut Gelegenheit, sich als Opernorchester zu präsentieren.

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