Rundfunkorchester Filmmusik

Unernst-ernst

Ernst Theis Foto: Agentur

Das Münchner Rundfunkorchester unter Ernst Theis präsentierte mit der Sopranistin Natalie Karl und dem Tenor Matthias Klink frühe Tonfilmschlager der 30er und 40er Jahre
Von Robert Jungwirth
(München, 6. April 2016) Schwer ist leicht was, sagt ein bekanntes bayerisches Schwergewicht gern, und man darf ergänzen, dass gerade das Leichte oft am schwersten ist. So ist es auch mit musikalischen Ohrenschmeichlern wie „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ oder „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“, ihres Zeichens unvergängliche Preziosen aus der frühen Tonfilmzeit von den Komponisten Ralph Erwin und Werner Richard Heymann. Diese Lieder wirklich gut zu interpretieren, ist alles andere als leicht. Das wunderbare und wunderbar flexible Münchner Rundfunkorchester widmete ihnen und vielen anderen frühen Tonfilmschlagern einen ganzen Abend im Münchner Prinzregententheater. Ernst Theis am Pult nahm die Lieder so ernst wie nötig und so unernst wie möglich und machte mit den beiden Opernsängern Sopranistin Natalie Karl und dem Tenor Matthias Klink daraus eine hinreißende Oldie-Schlagerparade in perfekter Mischung aus Sentiment und Präzision. Denn banal sind diese Musiken, zumal wenn sie von einem ganzen Symphonieorchester in durchaus nicht banalen Arrangements gespielt werden, keineswegs. So war in der Bearbeitung von Michael Jarys „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ von Marco Jovic viel Richard Strauss zu hören… Jary, der eigentlich Andreas Jarczyk hieß, hatte vor seiner Karriere als Filmkomponist bei Hindemith, Schreker und sogar Strawinsky studiert…
Auch die ausgewählten Arrangements von „Ein Freund, ein guter Freund“ von Jakob Brenner  (Originalsong von Werner Richard Heymann) oder „Ungeküsst sollst du nicht schlafen geh’n“ von Carl Michalski (Original von Robert Stolz) waren hinreißend. Theis, der zehn Jahre als Chefdirigent an der Dresdner Staatsoperette gewirkt hat, nimmt sich dieser Musik mit ebenso viel Hingabe wie Charme an – ein Glücksfall, denn wie leicht könnte diese Musik flach oder gar ranzig klingen…Auch Natalie Karl und Matthias Klink wirkten diesem Eindruck nach Kräften entgegen und ließen wie Theis stimmlich-musikalische Perfektion mit Charme und Leichtfüßigkeit verschmelzen. Ein weiterer rundum überzeugender Streifzug durch die wunderbare Welt der Filmmusik, den das Münchner Rundfunkorchester, egal um welches Jahrzehnt es sich nun handelt, stets stilecht und musikalisch versiert umzusetzen versteht. Ein großartiges Orchester mit einer enormen künstlerischen Bandbreite – das so manches gestandene Symphonieorchester in den Schatten stellt…Nur Roger Willemsen fehlte, der wie kein anderer ein solches Konzert geistreich und charmant moderieren konnte – auch wenn Amélie Pauli ihrer Aufgabe ohne Zweifel gewachsen war.



Münchner Philharmoniker


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