Ring Valencia

Star Wars in Walhall

Foto: Palau de les Art

Am Opernhaus von Valencia ist jetzt der komplette „Ring“ in der Inszenierung von La Fura dels Baus zu erleben
(Valencia im Juni 2009) In Valencia agiert eine Visionärin, Helga Schmidt, die Intendantin des Palau de les Arts Reine Sofia. Das wie ein futuristisches Raumschiff wirkende Theater des spanischen Architekten Santiago Calatrava verfügt über ein Opernhaus, ein Auditorium und mehrere Konzertsäle. Alle Räume mit perfekter Akustik. Die Österreicherin Helga Schmidt ist eine Visionärin, weil sie aus dem Nichts in kürzester Zeit ein Opernhaus geschaffen hat, das sich nicht nur in Spanien sehen lassen kann. Mit Hilfe von Zubin Mehta und Lorin Maazel machte sie aus dem neuen Haus eine der ersten europäischen Opernadressen, mit einem Orchester, dessen Musiker von Maazel persönlich zusammengestellt wurden und das er immer wieder dirigiert. Visionärin ist Helga Schmidt auch deshalb, weil sie es gewagt hat, ein finanzielles und musikalisches Risiko einzugehen, den „Ring“ von Wagner aufzuführen, und zwar unter der unvergleichlichen Regie der spanischen Regie- und Theatertruppe Fura dels Baus. Ein Idee, die ein europaweiter Erfolg wurde.
In den zurückliegenden zwei Jahren wurden die einzelnen Teile des Rings nacheinander auf die Bühne gebracht. Im Mai die „Götterdämmerung“. Jetzt, im Juni, wird der gesamte Zyklus während der zweiten Ausgabe des „Festival del Mediterrani“ zwei Mal hintereinander aufgeführt.
Ein musikalisches Ereignis der besonderen Art, denn La Fura inszeniert Wagner haargenau dem Libretto folgend, mit viel modernster Technologie, mit Robotern und riesigen Bildschirmen, auf denen atemberaubend schöne Filme zu sehen sind. Carlos Padrissa, der Chef der Fura, hat dafür Wagner monatelang studiert und sich für ein Regiekonzept entschieden, dass er alle vier Werke durchgehalten hat: das in Bilder setzen der Ring-Story. Das stört Puristen und Anhänger des oftmals allzu rätselhaften Regietheaters.
Padrissa übersetzt Wagner für ein junges Publikum des 21. Jhdts. Mit einer Mischung aus „Stars Wars“ und „Harry Potter“, das heißt mit dem größtmöglichen Einsatz von Spezialeffekten. Padrissa ist davon überzeugt, dass Wagner, hätte er über die heutigen technischen Möglichkeiten verfügt, ähnlich verfahren wäre.
Wie auch immer, auch Padrissas jüngste Wagner-Regie, die „Götterdämmerung“, fasziniert. Wegen der Bühnenbilder, der Filme und der Sänger. Darunter Stars für Wagnerrollen, wie man sie nicht alle Tage zu hören bekommt. Matti Salminen interpretiert einen gewaltigen Hagen. Jedes seiner Worte bringt die ganze Dramatik der Rolle zum Ausdruck. Die ehemalige Choristin Jennifer Wilson, die von Helga Schmidt entdeckt wurde, ist sicherlich keine schlanke Schönheit, ganz im Gegenteil, aber ihr korpulenter Körper bringt in der Rolle der Brünnhilde eine Stimme hervor, die ergreift und fasziniert. Wilson debütiert in dieser Rolle und man sollte sie im Auge behalten. Der Cor de la Generalitat Valenciana singt ein so perfektes und klares Deutsch, dass es besser nicht sein kann. Von „Verspanisierungen“ keine Spur. Und dann Zubin Mehta, dem es mit dem Orchester gelingt, einen kraftvollen, ungemein dramatischen und gleichzeitig gefühlvollen Wagner hervorzuzaubern.
Die Tetralogie wird in Valencia bis zum 22. Juni zu sehen sein. Während dieser Tage wird sie von einem deutschen DVD-Unternehmen aufgezeichnett. Gut für die, die nicht nach Valencia reisen können. Ob aber ein Fernseher, auch der größte Flatscreen, die ganze Ausdruckskraft von Padrissas Inszenierungen wiedergeben kann, ist mehr als fraglich.
Thomas Migge
Richard Wagner: „Götterdämmerung“
Valencia, Palau de les Arts
30.5.-22.6. (zusammen mit den anderen Werken der Tetralogie).

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