Reise in die Musikstadt Hamburg

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Seit Eröffnung der Elbphilharmonie entdecken Hamburger und Touristen gleichermaßen die Bedeutung der Musikstadt Hamburg – ein Besuch

Von Robert Jungwirth

(Hamburg, 25. und 26. November 2018) Dass Hamburg eine Musikstadt ist, das war lange Zeit eher nur Insidern bekannt. Georg Philipp Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach waren hier Kirchenmusikdirektoren, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Johannes Brahms wurden hier geboren, Gustav Mahler war Operndirektor. Weit davor hatte Hamburg mit dem Gänsemarkttheater das erste bürgerliche Opernhaus Deutschlands. Der Komponist Reinhard Keiser schrieb dafür zahlreiche seiner Opern. Dennoch waren sich die Hamburger lange Zeit der musikgeschichtlichen Bedeutung ihrer Stadt nicht sehr bewusst – so schien es.

Traditionell kümmerte man sich in der Hansestadt lieber um gute Geschäfte als um die Kunst. Das ist vermutlich auch heute noch so, doch seit die Elbphilharmonie allseits sichtbares Wahrzeichen Hamburgs geworden ist, kommen auch die Hamburger nicht mehr umhin, der Musik für die Stadt eine gewisse Bedeutung beizumessen. Was ein Gebäude doch so bewirkt. Bilbao-Effekt ist der dafür mittlerweile gebräuchliche Begriff.

Die Musik und insbesondere die Elbphilharmonie spielen auch touristisch für Hamburg mittlerweile eine wichtige Rolle. Viele Besucher kommen nach Hamburg, um das spektakuläre Gebäude der Architekten Herzog & de Meuron nicht nur von außen, sondern auch von innen als klingenden Konzertsaal zu erleben. Als Aufführungsort von internationalem Renommee hat sich die „Elphi“ nach ein paar Anlaufschwierigkeiten mittlerweile international etabliert. Reihenweise kommen Gastorchester in die Stadt, und viele Touristen, wollen heute nicht mehr nur die Binnenalster, St. Pauli und den Hafen sehen, sondern eben auch diesen verrückten Konzertsaal, der wie eine Fata Morgana im Hamburger Hafen steil nach oben aufragt.

Elbphilharmonie mit denkmalgeschützten Krananlagen Fotos: Jungwirth

So hat, wer eine Musikreise nach Hamburg unternimmt, die Möglichkeit, neben einem Orchester- oder Solistenkonzert in der Elphi beispielsweise auch eine Opernaufführung in der Hamburgischen Staatsoper zu besuchen, die seit 2015 von Kent Nagano musikalisch geleitet wird. Am Wochenende des 25. und 26. November konnte man als Musiktourist etwa Wagners „Götterdämmerung“ unter Naganos Leitung und in der Regie von Claus Guth erleben. Musikalisch war das unter Naganos Leitung auch und vor allem dank so hervorragender Sänger wie Andreas Schager als Siegfried, Lise Lindstrom als Brühnhilde, Stephen Milling als Hagen, Vladimir Baykov als Gunther und Allison Oakes als Gutrune eine durchweg sehr eindrucksvolle Aufführung. Die Sänger blieben in der äußerst kahlen und reduzierten Szenerie von Bühnenbildner Christian Schmidt – ein kubischer Rohbau, der sich auf der Drehbühne beständig dreht, dabei aber im Grunde immer nur die gleichen Aus- und Einblicke gewährt – zwar weitgehend sich selbst überlassen. Sie mußten das viereinhalb Stunden-Werk letztlich ganz aus sich heraus gestalten. Aber das haben sie an diesem Abend mit großem Engagement getan. Und Nagano hat sie dazu orchestral nach Kräften angefeuert – mitunter etwas überforciert, aber doch immer auf Verdeutlichung und Prägnanz hin ausgerichtet.

Tags darauf konnte man dann in der Elphi das erste Gastspiel der Wiener Symphoniker unter ihrem Chefdirigenten Philipe Jordan in dem Konzertsaal erleben. Vor der Pause und als Zugabe brachten die Wiener einen „Re-Import“ mit nach Hamburg: zwei Werke von Johannes Brahms, den Wien ja längst „eingemeindet“ hat. Dessen Violinkonzert spielten die Symphoniker mit Nikolai Znyder als Solist ohne jede Dicklichkeit, mit klaren Linien und schnörkelloser Diktion. In dieser schlanken Spielweise wirkten die Höhen in dem Saal ein wenig überproportioniert gegenüber den tiefen Registern im Orchester – eine Eigenheit des Saals, die man auch schon bei den ersten Konzerten in der Elphi festgestellt hatte. Was beeindruckt, ist das homogene Klangbild, die Klangmischung, die sich auch dort einstellt, wo die Plätze recht nah hinter dem Orchester angeordnet sind.

Nach der Pause erfreuten die Wiener ihr Publikum mit Dvoraks neunter Symphonie in einer klangschön ausbalancierten und rhythmisch pointierten Wiedergabe ohne Theatralik oder Pathos. Die Hamburger und die Touristen waren begeistert und noch mehr vom zugegebenen Ungarischen Tanz, den die Wiener wunderbar ungarisch spielten – so ungarisch, wie es sich der Hamburger Brahms nur gewünscht haben konnte.

Musikreisen nach Hamburg bietet z.B. der ADAC an. Mit dabei ist ein anspruchsvolles Begleitprogramm mit Besuch des Instrumentenmuseums im Museum für Kunst und Gewerbe incl. eigener Führung durch eine Musikhistorikerin und eine Orgelführung mit dem Kirchenmusikdirektor Christoph Schoener im Michel – Hamburgs bedeutendster Kirche und früheres Wahrzeichen (in ihr wurde Johannes Brahms getauft). Des Weiteren bieten die ADAC-Musikreisen eine sehr kompetente Reisebegleitung an, Bustransfers, exklusive Abendessen sowie Hotelzimmer im Grand Elysee nahe der Außenalter.

Weitere Informationen unter: adac-musikreisen.de

Dieser Artikel wurde von ADAC Musikreisen unterstützt.

 

 



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