Petrenko Rosenkavalier

Konzertkritik:

Der Humor des Richard Strauss

Kirill Petrenko dirigiert an der Wiener Staatsoper den "Rosenkavalier"
Von Derek Weber
(Wien, 23. November  2014) Da hat man´s als GMD der Bayerischen beim Gastieren an der Wiener Staatsoper doch recht gut: Wo andere keine Orchesterprobe bekommen, gibt man ihm drei. Das macht sich dann auch gleich bezahlt, selbst wenn Kirill Petrenko ein "rationales" und keineswegs euphorisches Verhältnis zu Richard Strauss´ zu haben scheint: Sein "Rosenkavalier" ist durchdacht, ausgewogen, ausdifferenziert, ungemein transparent und auf das Herausstellen von Details (auch bei den ineinander verschlungenen Linien) bedacht – und doch im nächsten Augenblick zum lärmig-bajuwarischen Schenkelklopfen bereit.
So waren sie eben, der Herr Strauss und sein Humor. Dass der noch immer ankommt und das Publikum zum Lachen animiert, liegt wohl auch an der viele Jahrzehnte alten Regie von Otto Schenk, in der neben chargierendem Aktionismus und heftigem kollektiven Gestikulieren auch ein Zuckerguß-Barock den Ton angibt, der von der ernsthaften und durchdachten Salzburger Akkuratesse eines Harry Kupfer nichts weiß.
Petrenko trägt die Sänger auf Händen durchs Werk, auch wenn diese zuweilen vielleicht ein bißchen sehr an ihrer Kraft sparen und sich aufs Präsentieren "ihrer" Stellen konzentrieren, nimmt im 1. Akt  die Lautstärke für Octavian (Alice Coote) und Soile Isokoski als Marschallin so weit zurück, das man immer wieder in die Übertitel schauen muß. Zwei Leise-Sängerinnen? Das kann nur Konzept sein. Bloß Peter Rose darf von Beginn an (mit manch einer Outrierung) zeigen, was in seinem Ochs auf Lerchenau steckt.
Überhaupt war die Besetzung erstaunlich gut und homogen. Das kann die Wiener Staatsoper allemal: Eine so ausgezeichnete Sophie wie Chen Reiss könnte sich – auch wenn sie sich "ansagen" ließ – überall hören lassen, und auch Clemens Unterreiners Herr von Faninal kehrte den betulichen bürgerlichen Aufsteiger nach außen. Das ganze Ensemble – und das ist im "Rosenkavalier" ja bekanntlich nicht gerade klein – übt mit großem Einsatz das übertriebene Gestikulieren knapp vor der Abseitsgrenze, hinter der die Roten Karten warten. Wahrlich, Otto Schenk hat mit seinem untrüglichen schelmischen Regie-Gespür dafür gesorgt, dass selbst in der 359. Aufführung in dieser Inszenierung keine Längen aufkommen.
Für Kirill Petrenkos Theatergespür aber spricht, dass er sich ganz auf die gut eingespielte Produktion einließ und auch die Wiener Philharmoniker (in Gestalt des Staatsopern-Orchesters) auf seine Seite zu ziehen wusste. So viel langanhaltenden Beifall erhalten Gastdirigenten in Wien nicht immer. Und überhaupt: Insgesamt war das ein starkes Plädoyer fürs Repertoire-System, in dem die Wiener Staatsoper zumindest bei Strauss Kaiserin ist. Nur geprobt muss eben werden.

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