Orpheus Chor Marienvesper

Kultiviert und kontrolliert

Orpheus Chor Foto: Veranstalter

Monteverdis Marienvesper und Gloria mit dem Orpheus Chor München und „Les Cornets Noirs“ im Herkulessaal der Residenz in München
Von Laszlo Molnar
(München, 8. Januar 2017) Claudio Monteverdi im Jahr seines vierhundertfünfzigsten Geburtstags – er wurde 1567 in Cremona geboren – zu feiern, das ist gar nicht so einfach. Monteverdi gehört zwar zu den ganz Großen der westlichen Musikgeschichte. Aber sein Werk, das ausschließlich aus Vokalmusik für zum Teil sehr anspruchsvolle Besetzungen besteht, passt nicht richtig zum Musikleben unserer Zeit. Den Spezialisten der Alte-Musik-Szene ist es zu verdanken, dass Monteverdis Musik wieder bekannt und insgesamt recht präsent ist. Und den Chören, die sich zumindest mit einem seiner Hauptwerke befassen: der Marienvesper. Mit dieser 1610 für den Hof in Mantua entstandenen Messvertonung, die wegen ihrer Ausdehnung und ihrer dramaturgischen Anlage einzigartig dasteht, eröffnete in München der Orpheus-Chor zusammen mit dem in Basel ansässigen Instrumentalensemble „Les Cornets Noirs“ und Gesangssolisten unter der Leitung von Gerd Guglhör das Monteverdi-Jahr 2017.
Mit dem Konzert im Herkulessaal zeigte sich erneut, dass es in München dank des Engagements der Chöre um die Kultur der Alten Musik gar nicht so schlecht bestellt ist. Nicht nur Chöre wie der Orpheus-Chor oder die Arcis-Vocalisten arbeiten regelmäßig mit Ensembles und Orchestern auf alten Instrumenten. Auch beim Chor-Flagschiff der Stadt, dem Chor des Bayerischen Rundfunks, gehören zu Aufführungen von Alter und Barockmusik seit geraumer Zeit schon zeitgerechte Instrumente.
„Les Cornets Noirs“, welche der Orpheus-Chor für die „Marienvesper“ engagiert hat, gehören zu den Spitzengruppierungen für die bläserbetonte Musik des 17. Jahrhunderts. Obwohl nur ein kleines Grüppchen – gerade mal elf Musik saßen auf dem Podium des Herkulessaals, darunter zwei Geigen, zwei Zinken und drei Posaunen –, trugen sie souverän das musikalische Geschehen. Spieltechnisch brillant und akustisch stets präsent. Gegenüber dem mit 57 Sängerinnen und Sängern groß aufgetretenen Chor wirkten die Instrumente nie, als seien es zu wenige. Das lag auch an der sorgfältigen Einstudierung des Chors durch Gerd Guglhör. Für die Sängerinnen und Sänger ging es nicht um Volumen, sondern um eine genaue Artikulation, Verständlichkeit und Transparenz. Trotz der Größe des Chores wirkte sein Klang zurückhaltend und fügte sich so sehr gut mit dem, was es von den Instrumenten zu hören gab.
Diese günstige Vermischung zweier so unterschiedlicher Klangdimensionen war natürlich nicht zuletzt dem Saal zu verdanken. Ohne jede Aufdringlichkeit zeigte der Herkulessaal wieder einmal, mit welch guter Akustik er seine Zuhörer verwöhnt und auch schwierige Klangkonstellationen souverän bewältigt. Nur zu groß darf das Klangvolumen nicht werden; alles vor den Groß-Kalibern Bruckner-Mahler-Strauss aber ist dort gut aufgehoben, Kammermusik sowieso. Warum die Münchner gerade angesichts der Saal-Diskussion „ihren“ Herkulessaal nicht stärker würdigen, ist nicht zu verstehen. Noch weniger, warum sich die Bayerische Schlösserverwaltung nicht endlich um seine Verschönerung kümmert, ja, sich regelrecht dagegen sperrt.
Den ausgezeichneten Instrumentalisten ebenbürtig war das Solistenensemble mit Ulrike Hofbauer, Gerlinde Sämann (Sopran) und Katharina Guglhör (Alt), mit Hermann Oswald und Andreas Post (Tenor) und Matthias Winckhler und Matthias Friedrich (Bass). Großartig, wie Hermann Oswald das Concerto „Nigra sum“  gestaltete, unerschütterlich geläufig in den Koloraturen und ausdrucksstark in den Nuancen der Stimmfarben.
Als Abrundung des Abends gab es eine späte Gloria-Vertonung Monteverdis, aus dem Jahr 1641, groß angelegt und auffallend virtuos für alle Mitwirkenden, sowie zwei Kompositionen von Giovanni Antonio Rigatti. Rigatti war der Nachfolger Monteverdis als Kirchenmusiker an San Marco in Venedig und hörbar von Monteverdi geprägt. Er komponierte jedoch mit dickerem Strich als Monteverdi, setzte mehr auf Theatralik als auf die subtilen Nuancen seines Vorgängers. Auch hierfür hatte Gerd Guglhör einen stilsicheren Zugriff, konnte sich auf die klangliche und musikalische Kultur seines Chores ebenso verlassen wie auf die Virtuosität der Solisten.


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