Olga Scheps

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Olga Scheps Foto: Felix Broede

Die russisch-deutsche Pianistin Olga Scheps begeistert mit Ihrem Klavierabend in Köln

(Köln, 12. Februar 2012) Für einen reinen Klavierabend war die Kölner Philharmonie erstaunlich gut besucht. Ist der Name der jungen Pianistin Olga Scheps bereits zu einem wirklichen Gütemerkmal geworden? An ihren ersten Auftritt vor Ort, als 13-Jährige beim Abschlusskonzert des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert", dürften sich nicht mehr viele erinnern. Eine gesteigerte Publikumsresonanz mag Olga Scheps für ihren auf CD veröffentlichten Liveabend beim Klavier-Festival Ruhr 2009 erfahren haben. Und im Jahr darauf erschienen dann die ersten beiden offiziellen CD-Recitals (Chopin, Russian Album), die auch gleich mit dem Echo Klassik-Preis gewürdigt wurden. Von beiden Programmen flossen einige Stücke in das Kölner Konzert ein.

Dass der Anteil an russischer Musik besonders hoch war, kommt nicht von ungefähr. Olga Scheps wurde 1986 in Moskau geboren, kam freilich schon als Kind nach Deutschland, wo ihr Vater, der Pianist Ilja Scheps, an der Aachener Abteilung der Kölner Musikhochschule eine Professur angetreten hatte. Damit waren die Weichen für eine Beziehung zur klassischen Musik gestellt, und die genannten Wettbewerbe und Auftritte (es gibt natürlich derer erheblich mehr) bewiesen sehr schnell und sehr nachdrücklich das besondere Talent von Olga Scheps. Seit 2006 wird sie vom Kölner Professor Pavel Gililov unterrichtet, erfuhr auch Unterstützung durch Alfred Brendel, der von ihr ähnlich entzückt gewesen sein muss wie von seinem besonderen Schützling Kit Armstrong.

Schon bei den ersten Tönen von Nikolaj Medtners Sonata-Reminiscenza (opus 38,1) wurde evident, dass man es bei Olga Scheps mit einer ganz außergewöhnlichen Musiker-Persönlichkeit zu tun hat, die vor allem in den Ausdrucksbereichen piano/pianissimo zu enorm suggestiver Wirkung findet. Zwar bewies die Künstlerin u.a. in Sergej Rachmaninows g-Moll-Prélude opus 23,5 auch manuelle Energie und Sinn für Klangrausch. Doch es war dann doch immer wieder die Subtilität des Anschlags, welche nachhaltig fesselte. Dabei geriet Olga Scheps nie in eine dynamische Grauzone hinein Melodieverläufe wurden stets klar und pointiert formuliert. Das kam nicht zuletzt Frédéric Chopin zugute, dessen poetische Verträumtheit sich schon mal verselbstständigen kann. Bei der Pianistin jedoch reihten sich die Töne klar wie auf einer Perlenkette.

Geradezu impressionistisch erklangen Peter Tschaikowskys Natha-Valse und der Valse sentimentale (aus den Morceaux opus 51), zartbesaitete Piècen, bei denen Olga Scheps nachgerade den schwerelosen Spitzentanz einer Bolschoi-Ballerina suggerierte. Rachmaninows Variations sur un thème de Corelli (opus 42) lebten wiederum von effektvoll ausgemalten Kontraststimmungen, Alexander Skrjabins Valse As-Dur opus 38 von besonderer pianistischer Brillanz.

Das Außerordentliche des Abends wurde vom Publikum ebenso empfunden. Man erklatschte sich zwei Zugaben aus dem Chopin-Repertoire von Olga Scheps (Nocturne Nr. 21 posth. und die Polonaise Héroiquie) sowie Liszts "Liebestraum". Im März wird Olga Scheps mit der Warschauer Nationalphilharmonie das b-Moll-Klavierkonzert von Tschaikowsky interpretieren, ein pianistisches Schlachtross also. Wie sie diese teilweise ausgesprochen muskelbepackte Musik angeht, wird aufregend zu verfolgen sein. Noch könnte man nämlich mutmaßen, dass der Anschlag auch bei extremen Entladungen irgendwie weiblich gezügelt ist. Wie auch immer: Mit Olga Scheps wird die Musikwelt zu rechnen haben.

Christoph Zimmermann

 

 



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