Münchner Kammerorchester

Moll-Flor

Das Münchner Kammerorchester mit einer Uraufführung des palästinensischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi
(München, 19. November 2009) Für 23 Streicher hat Richard Strauss sein 1945 entstandenes Endzeitwerk "Metamorphosen" konzipiert, mit dem das zweite Abo-Konzert des Münchner Kammerorchesters im Prinzregententheater schloss. Alexander Liebreich koordinierte Strauss‘ "Studie" mit geschmeidiger Hand. Er beleuchtete das Werden und Vergehen, den ständigen Wandel mit feinem Gespür für das changierende Geflecht. Die Streicher nutzten ihre Auftritts-Chancen und setzten ihre individuellen Klangmarken.
Als ebenfalls reines Streicher-Stück erklang Helena Tulves "Höbelvage (Silverwhite)". Die 1972 geborene, estnische Komponistin ist darin dem Licht auf der Spur. Die Solo-Violine, fast permanent im Einsatz, agiert stets präsent vor der Folie des Orchesters, das sie bettet, stützt und umfängt. Für den virtuosen Pekka Kuusisto eine ideale Herausforderung: Er insistierte auf einem Ton, trillerte, vibrierte, glissandierte und ließ den Zuhörer nicht entkommen – zumal auch Liebreich das Werk in Fluss hielt.
Als Uraufführung stand Samir Odeh-Tamimis "Madjnun" auf dem Programm. Der palästinensische Komponist macht darin den Blockflötisten Jeremias Schwarzer, dem er den Part auf Lippen und Finger schrieb, zum unglücklich verliebten Helden. Mit zitternder Atemlosigkeit, flatternden Tönen, Verzweiflungs-"Schreien" erzählte er von Madjnuns Schicksal, während die Streicher surrten oder eine sanfte Geräuschkulisse zauberten.
Die Konzert-Eröffnung mit Haydns Sinfonie Nr. 52 bestach durch auffahrende Schroffheiten, Dramatik und ihren besonderen Moll-Flor. 
Gabriele Luster

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