Kopatchinskaja

CD der Woche

Death and the maiden (Patricia Kopatchinskaja, Saint Paul Chamber Orchestra, Alpha Classics 265)
Leicht verängstigt scheint Patricia Kopatchinskaja, den Geigenbogen in der Hand, durch den düsteren Wald zu streifen, den das Coverfoto von „Death and the Maiden“ abbildett. Diese CD enthält nicht nur das bekannte Streichquartett Franz Schuberts (durch das mitwirkende Saint Paul Chamber Orchestra klanglich gesteigert), sondern auch Werke anderer Epochen, die sich mit dem Tod auseinandersetzen. Die Mixtur ergibt thematisch Sinn, nach möglicherweise erstem Hörwiderstand auch musikalisch, wobei John Dowlands Pavane „Lachrimae“ als „Intermezzo“ zwischen den ersten beiden Schubert-Sätzen am sinnfälligsten wirkt. Dem Lamento-Charakter von D 810 entsprechen freilich auch ein byzantinischer Psalm, Carlo Gesualdos Madrigal „Moro, lasso, al mio duolo“ und György Kurtágs „Ligatura message to Frances-Maria“. Das knapp halbminütige „Ruhelos“ des Komponisten (nach Kafka) wirkt dagegen wie ein Aufschrei (die Geigerin mit der ihr eigenen, extremen Expressivität). August Nörmigers „Toden Tanz“ vom Ende des 16. Jahrhunderts ist hingegen eine fast heitere Introduktion, was die Bearbeitung für Streicher und Schlagzeug verstärkt.
Schubert wird in Kammerorchester-Stärke geboten, vielleicht Anlass zur Diskussion. Doch zumindest der Variationensatz gewinnt an emotionaler Tiefenschärfe, was freilich auch mit dem reichen Spektrum an Agogik und Dynamik zu tun hat. Das geht vielleicht nicht immer mit Schuberts Spielvorgaben konform, aber die Darbietung hat etwas Entwaffnendes, geradezu Beklemmendes. Ein Musizierpartner von Patricia Kopatchinskaja erwähnt im Booklet, wie das Programm auf des Messers Schneide probiert und aufgeführt wurde. Der Zusammenschnitt dreier Live-Abende Ende März 2015 in Saint-Paul (Minnesota) hat zu einer spannenden Aufnahme geführt, die zu mehrmaligem Hören einlädt.
Christoph Zimmermann
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