Ken-David Masur

Die Chemie stimmt

Ken-David Masur Foto: Chris Lee

Ken-David Masur stellte sich in München als erster Gastdirigent der Münchner Symphoniker vor
(München, 11. Dezember 2011) Nein, so schwierig wie das Verhältnis zwischen Übervater Erich Kleiber und genialem Sohn Carlos Kleiber ist das zwischen dem 84-jährigen Kurt Masur und seinem 34-jährigen Sohn Ken-David wahrlich nicht. Im Gegenteil. Nicht nur hat der Papa den 21-jährigen Studenten der Trompete, des Gesangs, der Komposition und des Dirigierens nach einer Aufführung von Purcells "Dido und Aeneas", die er leitete, animiert, "was draus zu machen", sondern  ist heute erste Adresse für den Austausch, für Rat und Tat, wie umgekehrt der Sohn beim Einstudieren großer Chorwerke, die seine Leidenschaft sind, gerne half.
Wer jetzt den schon im Gespräch enorm sympathischen und neugierigen jungen Dirigenten bei den Münchner Symphoniker zum ersten Mal als ihren ersten Gastdirigenten mit Mozart und Schubert erlebt, der staunt über die Selbstverständlichkeit, mit der Orchester und Dirigent bereits harmonieren, ja sich gegenseitig zu animieren scheinen. Schon in der selten gespielten Ouvertüre D-Dur D 556 des kaum 20-jährigen Schubert gibt es im Prinzregententheater am Sonntag-Nachmittag Momente der Offenbarung, Augenblicke, bei denen hinter den Tönen ein weiter Horizont, eine ganze Welt aufscheint – und schon die Tiefe und Tragik der Großen C-Dur-Symphonie.
Masur hat sich allerdings für eine gleichzeitig mit der Ouvertüre entstandene Symphonie entschieden, für die Fünfte in B-Dur D 485. Dass sie von Mozart kommt, dass es Themen gibt, wie das des langsamen Satzes, das an "Die Zauberflöte" erinnert, dann aber fast unmerklich in die harmonische und melodische Welt Schuberts gleitet und in der Durchführung ganz bei sich ankommt, ist kein Geheimnis. Beidem gerecht zu werden, ist nicht leicht; Masur und seinen bestens präparierten Musiker (Holzbläser!) gelingt das in jedem Takt. Schimmert hier noch klassische Vollendung einer Phrase durch, nimmt das musikalische Geschehen an anderer Stelle dramatisch Fahrt auf. Immer herrschen wunderbarer Ausgleich der Stimmen und eine weiche Modellierung des Klangs, die frühem Schubert erst die rechte Aura verleihen.
Lena Neudauer, 1984 in München geboren, hätte erst im Februar mit dem Mendelssohn-Violinkonzert bei den Symphonikern gastieren sollen. Da Serge Zimmermann absagen musste, trat der glückliche Umstand ein, dass wir ein großartiges, erfülltes, seelenvolles Mozart-Spiel erleben durften. Und noch mehr: ein zauberhaftes Miteinander von einem mehr als nur begleitenden, sondern aktiv mitgestaltenden Orchester und einer Solistin, die sich in den Konzerten A-Dur KV 219 und G-Dur KV 216 als perfekte Stilistin, aber auch als große Musikantin entpuppte. Und in einer Kreisler-Zugabe als Virtuosin mit Tiefgang!
Klaus Kalchschmid

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