Il trittico Köln

Die Wünsche der Frauen

Die Familie Donati zu Tisch in der Kölner Oper Foto: Bernd Uhlig

Drei Regisseurinnen inszenieren Giacomo Puccinis drei Einakter "Il Trittico"- eine Entscheidung noch aus der Intendanz von Uwe-Eric Laufenberg und eine spannende, die einen vierstündigen Abend trägt
(Köln,9. Mai 2013) Jede Regisseurin geht, begleitet von einer eigenen Kostümbildnerin anders an ihren Einakter heran. Sabine Hartmannshenn gelingt in "Il Tabarro" eine eindringliche Beziehungsstudie in einem Dreiecksverhältnis, die in die Katastrophe treibt. Bei Eva-Maria Höckmayer rasen rote und schwarze Nonnen allerdings ziemlich wirr durch die Szenen. Dennoch großer Jubel am Schluss. Gabriele Rechs witzig und überbordend inszenierter "Gianni Schicchi" setzt dem Abend die Krone auf.
Schon als sich der Vorhang zu diesem dritten Akt hebt lacht das ganze Opernzelt! Eine absurde Gesellschaft – wie man sie aus Fellini-Filmen kennt – verharrt an einer weiß gedeckten Tafel wie eingefroren: mit Turmfrisur, Kuhmantel oder schwarz-weiß Gestreiftem. Mit dem ersten Ton aus dem Graben wird sie nicht nur lebendig, die Großfamilie lebt auf in kleinen wie in großen Gesten! Gabriele Rech zeichnet jede einzelne Personalie des Donati-Clans grotesk genau und führt sie durch rasende Aktionen hindurch, mit einem perfekten Gefühl fürs Timing.
Inmitten dieser grandios spielenden Bühnenpersonen ragt wie immer Dalia Schaechter, die Grande Dame des Kölner Ensembles und des Abends, heraus. Im ersten "Tabarro"-Akt eine lumpige Hafenbraut, dann die gnadenlose Tante in "Suor Angelica" und läuft zur Hochform auf als adlige Familienoberhäuptin einer Florentiner Familie. Mit Grandezza wirft sie ihren Pelzmantel über, wenn es gilt, den standesungemäßen Gianni Schicchi in seine Grenzen zu verweisen. Der ist natürlich dem adligen Muff mit seiner Gerissenheit letztendlich überlegen.
Scott Hendricks füllt diese Baritonpartie stimmlich und spielerisch großartig aus. In Schicchis Arie "Addio, Firenze", beispielsweise, wo er über die ihn treffende Strafe fantasiert, falls der Betrug herauskommt. Aber auch als ernster und von seiner Frau zurückgewiesener Schiffsbesitzer Michele in "Il Tabarro" hat er stimmlich und spielerisch überzeugt.
Auf den ersten Blick haben die drei Einakter ja wenig miteinander zu tun. "Il Tabarro" ist eine Art Film Noir, der am Seine-Ufer spielt, und handelt von einer unglücklichen Ehe, in der zum Schluss der Mann den Liebhaber der Frau umbringt. In der Deutung von Sabine Hartmannshenn bringt die Frau zum Schluss ihren Liebhaber um die Ecke, weil sie es nicht schafft, sich für ihre Gefühle und gegen den Mann durchzusetzen.
"Suor Angelica" führt aus der harten Männerwelt hinaus. Es ist ein reines Frauenstück, spielt im Frauenkloster und beschreibt die Ängste und Nöte einer Nonne, die wegen eines unehelichen Kindes aus der Familie ausgestoßen wurde.
"Gianni Schicchi" dagegen ist eine schwarze Komödie, in der ein geldgieriger Familienclan das Testament des gerade verstorbenen reichen Onkels zu seinen Gunsten fälschen will, aber von einem Schlitzohr überlistet wird.
Jedes Mal geht es um gescheiterte Beziehungen und ungestillte Sehnsüchte. Zunächst ernst, dann rührselig, zuletzt witzig. Die Klammer liefert das Einheitsbühnenbild von Dieter Richter, das durch die Verlagerung des Bühnenbodens mal mehr Unterwelt, mal mehr Raumhöhe, beziehungsweise Himmel gewinnt.
Der puccinische Wohllaut aus dem Orchestergraben unter Will Humbug phrasiert die Szenen und unterstützt wohldosiert die Sängerinnen und Sänger. Jacquelyn Wagner treibt als Suor Angelica in ihrer rührseligen Arie "Senza mamma" so manche Träne in Zuschaueraugen. Am meisten überzeugt die runde und warme Stimme der Asmik Grigorian als Giorgetta im "Tabarro". Und auch Gloria Rehm als Lauretta wickelt mit viel Wohllaut Gianni Schicchi, ihren "Babbino caro", um den Finger. Puccini kannte sich mit Frauen und ihren Wünschen hörbar gut aus!
Sabine Weber  

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