Houekstra-Entlassung

Das Ende war abzusehen

Wouter Hoekstra Foto: Mü. Philharmoniker

Die Entlassung des Intendanten der Münchner Philharmoniker Wouter Hoekstra wurde schon vor längerer Zeit in die Wege geleitet
In die Causa Wouter Hoekstra hat sich Münchens Oberbürgermeister Christian Ude selbst eingeschaltet und ihr ein zügiges Ende bereitet (siehe unter News). Das war wohl auch nötig, denn wie aus dem Umkreis der nicht wenigen, die mit der Amtsführung Hoekstras bei den Philharmonikern unzufrieden sind, zu erfahren ist, war kein anderer Ausweg in Sicht. Das hatten die Verantwortlichen wohl auch schon vor mehr als einem Jahr vermutet und vorsichtige Vorbereitungen getroffen: Dass nun Paul Müller, der erfolgreiche Intendant der Bamberger Symphoniker, bereit steht, ist kein Zufall.
Für Außenstehende mag die Mitteilung der Trennung von Wouter Hoekstra plötzlich gekommen sein. Viele der Betroffenen sehen sich dagegen in einem langgehegten Wunsch bestätigt.
Bereits kurz nach Hoekstras Amtsübernahme hatte Peter Meisel, der langjährige Leiter der Kommunikationsabteilung des Orchesters, entnervt das Handtuch geworfen und war zum Bayerischen Rundfunk gewechselt. Vor zwei Wochen gab Pressesprecher Carsten Gerhard, den Hoekstra selbst zum Orchester geholt hatte, sein Amt auf. Im inneren des Systems Münchner Philharmoniker war schließlich keiner mehr motiviert, etwas gegen die stetig sich verschlechternde Atmosphäre zu tun. In der Verwaltung war man mehr mit interner Schadensbegrenzung beschäftigt als mit der Zukunft des Orchesters.
Hoekstra wird mangelnde Entscheidungsfähigkeit nachgesagt und die Eigenschaft, Entschlüsse im stillen Kämmerlein zu fassen. Das ist für ein Verwaltungsteam, das die Arbeit von mehr als 100 Musikerinnen und Musikern steuert und einen Etat von 20 Millionen Euro im Jahr zu verantworten hat, kein gangbarer Weg. Und das ist es auch, was mit dem Verlust der „Vertrauensbasis“ gemeint war, von dem die Betroffenen – Stadt, Orchestervorstand, Dirigent – jetzt öffentlich sprachen.
Publikum und Kritiker wunderten sich, dass das Orchester einen erstaunlich konservativen Spielplan präsentierte und, außer unter Christian Thielemann, kaum unter Dirigenten spielt, die aus der Liga des Chefs stammen. Und den Musikern erschien der Tourneeplan, den ihnen der neue Intendant präsentierte, sehr bescheiden im Vergleich zu den Aktivitäten seines Vorgängers.
Die Trennung von Hoekstra kann allerdings eine teure Scheidung für die Stadt München werden: Im Überschwang, den Nachfolger für Bernd Gellermann gefunden zu haben, bot das Kulturreferat 2004 Hoekstra einen sieben-Jahres-Vetrag an. Laut „Münchner Abendzeitung“ soll Hoekstras Gehalt 200.000 Euro im Jahr betragen, die nach seiner Entlassung im schlimmsten Fall für vier Jahre ohne weitere Gegenleistung zu zahlen sein würden. Vielleicht findet der Jurist Christian Ude ja noch zu einer besseren Lösung.

Laszlo Molnar

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