Holländer mit Terfel

Männer träumen, Frauen gehen ins Fitness-Studio

Bryn Terfel als Holländer Foto: W. Hösl

Bryn Terfel sang erstmals den Fliegenden Holländer in München
(München, 14. Mai 2009) Schon beim stummen Auftritt imponierte dieser Holländer: Eine Erscheinung aus längst vergangnen Zeiten, düster, geheimnisvoll, unheimlich. Als er dann anhob, sein schauriges Ahasver-Schicksal in der Auftrittsarie „Die Frist ist um“ zu beklagen, schlug dieser Holländer das Publikum vollends in seinen Bann: Bryn Terfel schlüpfte am Donnerstagabend im Münchner Nationaltheater erstmals ins niederländisch-barocke Gewand des getriebenen Seemannes in Richard Wagners Oper „Der fliegende Holländer“.
Spannung und Freude, den walisischen Bass-Bariton in München zu erleben, waren groß, denn der Sänger, der an der Bayerischen Staatsoper schon Figaro, Falstaff und Jochanaan sang, macht sich eher rar. Terfel gehört zu jenen Künstlern, die hochkarätigen Gesang mit einer fesselnden Darstellung vereinen.
Mit dramatischer Wucht und zugleich gepflegter Stimmführung, mit sicherer Intonation und farbkräftiger Modulation beschrieb er stimmlich die Qual des Unerlösten, des über die Weltmeere Getriebenen, des zuletzt Verzweifelten, der Vernichtung Preisgegebenen, den er auch in seiner Haltung verkörperte. Er ließ zarte Hoffnung aufkeimen: Im beschwingten Männerträume-Duett mit Daland, den Matti Salminen als absolut ebenbürtigen, geldgierigen (Vertrags-)Partner auf die Bühne stellte, oder auch in der Begegnung mit Senta. Anja Kampe spielte deren mädchenhafte, strahlende Begeisterungsfähigkeit, die erst zum Schluss einen Kick ins Irre bekommt, mit Schwung aus. So sang sie auch, traf die gewünschte Höhe oft aber nur mit hörbarer Anstrengung oder gar nicht.
Als von ihr verlassener Erik mühte sich Endrik Wottrich um den rechten Ton. Mit dem hatte auch der junge Cornelius Meister am Pult des Wagner gestählten Staatsorchesters seine liebe Not. Trotz feinstem Horn-Solo trieb er die Musiker schon in der Ouvertüre rasch in brachiale Ausbrüche oder floh in extreme Langsamkeit, die die Einsätze verrutschen ließ. Vieles geriet an diesem Abend aus den Fugen und beim Steuermann-Chor schlingerten Bühne und Graben gefährlich. Entsprechend musste der Dirigent einige Buhs einstecken, während die Sänger begeistert gefeiert wurden. An der Spitze Terfel und Salminen, die die immer noch packende und mit ihrer Fitness-Studio-Episode überraschende Inszenierung von Peter Konwitschny veredelten.
Gabriele Luster

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