Glass Symphonie Nr. 11

Hang zu Bruckner

Dennis Russel Davies und Philip Glass bei den Proben zur 11. Symphonie in Linz Foto: Reinhard Winkler

Zum 80. Geburtstag von Philip Glass wird heute seine 11. Symphonie in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführt – vom Bruckner Orchester Linz unter seinem Chefdirigenten Dennis Russel Davies. Bei den Proben in Linz konnte man bereits einen Eindruck von dem Werk bekommen.

Von Robert Jungwirth
(Linz, im Januar 2017) Mit der Uraufführung seiner 11. Symphonie feiert der Komponist Philip Glass heute Abend in der New Yorker Carnegie Hall seinen 80. Geburtstag. Auf dem Podium wird dabei kein amerikanisches Orchester sitzen, sondern das Bruckner Orchester aus Linz, geleitet von Dennis Russel Davies. Der amerikanische Dirigent, der seit 15 Jahren als Generalmusikdirektor in Linz amtiert, ist ein intimer Kenner von Glass‘ Musik und hat schon zahlreiche Symphonien von Glass aufgeführt. Das Konzert in der Carnegie Hall mit einem reinen Glass-Programm aber ist für ihn wie für das österreichische Orchester ein ganz besonderes Ereignis und natürlich eine Auszeichnung. Das Bruckner Orchester spiele seine Musik besser als amerikanische Orchester sagt Philip Glass, der für die Proben zu seiner 11. Symphonie eigens aus den USA nach Linz gekomen war. Und er komponierte vor Ort noch einen neuen Schluss, weil ihm der ursprüngliche nicht mehr gefiel. „Ich kann mir keinen besseren Weg vorstellen, meine Musik zu präsentieren als mit diesem Orchester und mit diesem Dirigenten.“
Kein anderes Orchester in Europa, ja weltweit hat so viel Erfahrung in der Aufführung der Musik von Philip Glass wie das Bruckner Orchester Linz. Aber auch die Verbindung von Glass zum Bruckner Orchester in Linz ist sehr eng. „Seit Dennis hier ist, seit 15 Jahren, ist Linz so etwas wie ein zweites musikalisches Zuhause für mich geworden“, sagt Glass. „Es gab so viele Uraufführungen hier und so viele Aufnahmen. Dieses Orchester kennt meine Musik sehr gut. Und wenn ich für es schreibe, kenne ich die Musiker, für die ich schreibe. Es gibt eine warme Verbindung zwischen mir und dem Orchester, die außergewöhnlich ist.“
Glass‘ energetisch-rhythmisierte Musik, die in den 70 er Jahren stilbildend werden sollte als Gegenpol zur europäischen Avantgarde, hat auch in dieser späten dreisätzigen Symphonie nichts von ihrem Drive verloren – im Gegenteil. Davies meint, Glass habe hier sogar noch an stärker rhythmisiert als etwa in seiner 8. Oder 9. Symphonie. Und doch klingt diese 11. Symphonie streckenweise regelrecht romantisch, ja sogar brucknerisch, was sicher nicht nur am Bruckner Orchester und seiner großen Bruckner Tradition liegt, aber von diesem sicherlich verstärkt wird. Unerwartete Parallelen zu dem großen Österreicher werden da plötzlich hörbar etwa in der Behandlung der Bläser, in den absteigenden Bassfiguren. Auch die Arbeit mit Motivblöcken, die so charakteristisch für Glass ist, ist letztlich von Bruckner inspiriert. Bruckner sei ein wichtiger Einflussfaktor für Philip Glass, was beispielsweise schon in seiner zweiten Symphonie zu hören sei, bestätigt Dennis Russel Davies. Und Glass ergänzt, seine Eltern hätten in Baltimore einen kleinen Plattenladen gehabt und er habe als Jugendlicher viel Bruckner gehört. Und diesen Klang, diese Klangerfahrung habe er hier in Linz beim Bruckner Orchester wieder gefunden, als er vor 15 Jahren zum ersten Mal hergekommen sei.  
Neben der 11. Symphonie stehen heute Abend zwei weitere Werke von Glass auf dem Programm des Konzerts des Bruckner Orchesters in der Carnegie Hall in New York, „Days and Night in Rocinha“ und „Ifé – Three Yoruba Songs for Voice and Orchestra“.
Mit diesen Werken und Stücken von Gershwin, Ellington, Strauss, Barber und Schumann tourt das Orchester bis zum 12. Februar durch die USA. Im Juni wird Glass‘ 11. Symphonie dann als europäische Erstaufführung in Linz zu hören sein.


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