Elisabeth Schwarzkopf

Jahrhundertstimme

Alle Recitals zu Elisabeth Schwarzkopfs 100. Geburtstag auf 31 CDs bei Warner Classics

Von Klaus Kalchschmid
(Dezember 2015) Elisabeth Schwarzkopf war nicht zuletzt dank ihres Gatten, des legendären EMI-Produzenten Walter Legge, ein schillerndes, omnipräsentes Geschöpf der LP-Ära in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie sonst nur noch Maria Callas – ebenfalls bei der EMI. Deshalb gibt es mit der Schwarzkopf zahlreiche, auch technisch exzellente Studio-Gesamtaufnahmen von Opern und vor allem Operetten, aber auch eine Reihe verschiedenster Recitals.
Allein 21 CDs dieser reichhaltigen Box sind Liedern gewidmet, oftmals in gemischten Programmen, genannt „Songs You love“ oder „Songbook“: von Mozart über Schubert – dem überhaupt ersten Album der 36-jährigen Schwarzkopf von 1952 – und den Volksliedern von Johannes Brahms mit Fischer-Dieskau auf zwei CDs bis fünfmal Hugo Wolf (zweimal das „Italienische Liederbuch“ und den legendären Mitschnitt von den Salzburger Festspielen 1953 mit Furtwängler am Flügel eingeschlossen), Gustav Mahler („Wunderhornlieder“) und – neben Liszt, Grieg, Rachmaninow, Wolf-Ferrari und Debussy – viel Richard Strauss: Klavier- und Orchesterlieder sowie der Schlussszene aus „Capriccio“. Die „Vier letzten Lieder“ sind in zwei Einspielungen enthalten, von 1953 unter Otto Ackermann und in der legendären Aufnahme von 1965 unter George Szell.
1974 hat die 59-jährige Schwarzkopf ihr letztes Album an der Seite von Geoffrey Parsons eingespielt: „Frauenliebe und –leben“ sowie den Liederkreis op. 39 von Robert Schumann. Klang und Ausdruck ihrer Stimme haben sich in den seither vergangenen 22 Jahren freilich kaum verändert, allenfalls haben sich eine leichte Schärfe und Verhärtung eingeschlichen; dafür ist die Reife der Interpretation gewachsen.
Ebenfalls 1952 ist die erste Aufnahme mit Opernarien Mozart erschienen. Es gibt darüber hinaus wunderbare Querschnitte durch „Arabella“ von Strauss – an der Seite von Josef Metternich als Mandryka – und so Ungewöhnliches wie die Shakespeare-Vertonung „Troilus und Cressida“ von William Walton, aber auch eine bemerkenswerte Wagner-CD (mit der „Tannhäuser“-Elisabeth und Elsa, dazu ), Puccinis Mimi, Verdis Desdemona und Tschaikowskys Tatjana – fast alles Partien, die die Schwarzkopf nie hätte live singen können, die aber auf der „Klangbühne“ einen eigenen Reiz entfalten. Denn das kostbare Timbre der Schwarzkopf und ihre Kunstfertigkeit, die nicht selten den Manierismus streift, hat doch immer auch einen ästhetischen Mehrwert.
Ergänzend gibt es ein auch separat erhältliches, chor- und orchestersattes, gewaltig aus der Zeit gefallenes Weihnachts-, aber auch ein feines, zeitlos gültiges Operettenalbum; dazu anderthalb Live-Stunden mit einer „Homage to Gerald Moore“, bei der am 20. Februar 1967 Victoria de los Angeles, Fischer-Dieskau und die Schwarzkopf dem legendären Liedpianisten zum Abschied aus dem Konzertleben in London ihre Reverenz erweisen. Da sitzt er schließlich ein letztes Mal am Klavier mit Schuberts „An die Musik“ als abschließendem Programmpunkt – ganz ohne Gesang!

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