Diana Damrau

50 Kilo Partituren

CD Diana Damrau: „Arie di bravura“
Virgin Classics 00946 395250 27

Lange Zeit geisterte Antonio Salieri nur als Bösewicht und vorgeblicher Erzfeind Mozarts durchs Bewusstsein von Musikern und Publikum. In den letzten Jahren wurde er allmählich als hervorragender Opernkomponist mit exzellenten handwerklichen Fähigkeiten und dramatischem Gespür wiederentdeckt. Die Sopranistin Diana Damrau, für die Salieri seit mehr als 10 Jahren ein treuer Begleiter ihrer Karriere ist, hat jetzt einen lang gehegten Traum verwirklicht und eine CD aufgenommen, die Arien von Mozart und Salieri kombiniert.
Abgesehen von ihrer Parade-Nummer, den beiden Arien der „Königin der Nacht“, mit denen sie international bekannt geworden ist, stammen die meisten Stücke aus selten oder nie gespielten Werken; sie habe sich dafür durch 50 kg handschriftlicher Opern-Partituren aus der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek gewühlt, schreibt Diana Damrau im Booklet. Wie schon der CD-Titel „Arie di bravura“ verrät, steht das virtuose Repertoire im Mittelpunkt, aber die Scheibe umfasst ein breites Ausdrucksspektrum, von vokalakrobatischen Koloratur-Arien bis zu empfindsamen Liebesbekenntnissen und in musikalisches Dämmerlicht getauchten Ombra-Szenen. Und Diana Damrau, die sich immer wieder als verblüffend vielseitige Künstlerin empfohlen hat – zuletzt, als sie innerhalb einer einzigen Aufführungsserie der „Zauberflöte“ an der New Yorker MET abwechselnd die Pamina und die Königin der Nacht sang – zeigt sich auch hier allen Anforderungen gewachsen. Mit selten gehörter Intonationssicherheit wandelt sie durchs ewige Eis der Koloraturen; was bei vielen ihrer Kolleginnen – auch für den Hörer – zur Zitterpartie gerät, wirkt bei ihr geradezu mühelos und traumhaft sicher. Ebenmäßig und abgerundet wie Perlen erscheinen die Töne der hoch virtuosen Passagen, kaum jemals wird ein Registerwechsel hörbar. Und was noch beeindruckender ist: Die technische Bravour ist hier kein Selbstzweck, Diana Damrau gestaltet die Rollen sensibel aus, unmanieriert, lebensvoll – und ganz besonders fesselnd in den zarten, sanften Passagen. Kräftige Unterstützung erhält sie dabei vom Ensemble „Le Cercle de l’Harmonie“. Das junge, erst vor zwei Jahren gegründete französische Orchester hat sich der Musik des späten 18. Jahrhunderts verschrieben, es kultiviert einen schlanken Klang und energiegeladene musikalische Gestaltung. Da verzeiht man auch den ein oder anderen nicht hundertprozentig sauberen Akkord – Diana Damrau und ihre Mitmusiker schlagen den Hörer einfach in ihren Bann.
Eva Blaskewitz

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