Davide Penitente

Pferde tanzen Mozart

Foto: Matthias Baus

Die Eröffnung der Mozart-Woche wird in der Felsenreitschule mit einem Pferdeballett gefeiert
Von Klaus Kalchschmid
(Salzburg, 22. Januar 2015) Beim großen Finale wirbeln nach 70 Minuten elf Pferde wild galoppierend durch den Sand, wo sonst seit Jahrzehnten Theater oder Oper gespielt wird: auf der breiten Bühne und dem überbauten Orchestergraben der Felsenreitschule. Acht graue argentinische Criollos reflektieren den Chor, drei fast weiße Lusitanos, auf denen zwei Reiterinnen und ein Reiter sitzen, bewegen sich elegant dazwischen zum Terzett von Sopran (Christiane Karg), Mezzo (Marianne Crebassa) und Tenor (Stanislas de Barbeyrac). Und wenn die edlen, reinrassigen Pferde am Ende in Formation aufgestellt sind, singen die Reiterinnen sogar live – ein frappierender Effekt!
Bartabas, Chef und „Choreograph“ des Ganzen, beobachtet – wie fast den ganzen Abend – von der Seite seine „Académie Équestre de Versailles“, verhüllt mit einer Kapuze und kostümiert mit langem Mantel, als wäre er geradewegs der Verfilmung von „Der Name der Rose“ entsprungen. Einen tollen Effekt ergibt es auch, wenn sechs Reiterinnen ihre sonst hochgesteckten oder zusammengebunden langen Haare öffnen und auf ihren Pferden zum ausgelassen jubelnden „Cantiam le glorie, cantiam le lodi“ aus Mozarts Kantate „Davide Penitente“. Wagners Walküren gleich werfen sie ihre Mähnen melodramatisch während des Reitens in die Luft.
Orchester, Chor und Solisten sitzen oder stehen in den immer wieder anders beleuchteten Arkaden (Lichtregie: Bertrand Couderc), was akustisch erstaunlich gut funktioniert, obwohl sich Musiker und Sänger kaum hören können. Vor den Chören, Arien und Ensembles dieser unbekannten Kantate, deren Musik zu großen Teilen aus der unvollendeten c-Moll-Messe stammt, hatte Marc Minkowski reine, nicht minder zeremonielle Instrumentalmusik platziert, die perfekt passte: Adagio und Fuge c-moll KV 546, den Priestermarsch aus der „Zauberflöte“ und die Maurerische Trauermusik, zu der Bartabas ein Solo „tanzt“ und die Hohe Schule der Reitkunst perfekt an die Musik anpasst.
Im Miteinander von Reiten und Musik, von animalischer, menschlich gezähmter Bewegung sowie Singen und orchestraler Begleitung stellte sich der Eindruck eines hochästhetischen Fest-Spiels ein, das hier in Salzburg, wo Pferde über Jahrhunderte eine wichtige Rolle spielten, den rechten Ort hat, nicht zuletzt in einer ehemaligen erzbischöflichen Hof-Reit-Schule, die vom Ende des 17. Jahrhunderts datiert.
Manchmal fällt es Marc Minkowski zwar nicht ganz leicht, seine „Les Musiciens du Louvre Grenoble“ und den exzellenten Salzburger Bachchor zusammenzuhalten, sitzen oder stehen die Kollektive doch weit auseinander. Doch das fällt kaum ins Gewicht, im Gegenteil, denn der akustische und optische Effekt ist ein ganz besonderer und sehr spezieller, wie ihn eben nur Festspiele bieten können.
Festspielwürdig sind auch die Solisten: der sonore, bewegliche Mezzo der Französin Marianne Crebasse, der fein strahlende Tenor des jungen Franzosen Stanislas Barbeyrac und Christiane Karg mit silberschimmerndem Sopranglanz. 
Weitere Aufführungen am 25. und 30. Januar 2015 (jeweils 19.30 Uhr)
www.mozarteum.at

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.