CD-Ruta de Oriente

CD-Rezension

Francisco Javier (1506-1553)
La Ruta de Oriente
Hesperion XXI, La Capella Reial de Catalunya
Leitung: Jordi Savall
Alia Vox, 2 CDs und Buch mit 278 Seiten

„CD-Buch“ nennt Jordi Savall – Gambist, Dirigent und Musikforscher – die neueste Veröffentlichung seines eigenen CD-Labes „Alia Vox“. So einen Luxus kann man sich heutzutage nur noch mit seinem eigenen Label leisten: „Francisco Javier – La Ruta de Oriente“ kommt zuerst in der vertrauten Form des gebundenen Buches daher. Sogar ein rotes Lesezeichen-Band baumelt daraus hervor. Die zwei CDs erscheinen fast wie eine Beigabe. Aber beides gehört fest zusammen: die CDs enthalten jene musikalischen Überraschungen, die der ausführlichen Erklärung im Buch bedürfen. Ein „Booklet“ – ein Büchlein – hätte hier wahrlich nicht genügt.
Denn es geht in „La Ruta de Oriente“ um nicht weniger als die musikalische Spurensuche einer Weltreise, die der Jesuitenpater Franz Xaver von 1540 bis zu seinem Tod 1552 auf dem Weg nach Osten unternahm. Franz Xaver reiste nach Japan, um sich um die dort vorhandenen christlichen Gemeinden zu kümmern. Er versuchte auch die Einreise nach China, was ihm aber wegen der Abschottung der Grenzen nicht gelang. 1622 wurde Franz Xaver heilig gesprochen.
Savall versucht mit seinen Musikern von „Hesperion XXI“, ein musikalisches Bild jener Zeit und der von Franz Xaver besuchten Länder zu entwerfen. Die geistigen Weggefährten Franz Xavers waren Martin Luther, Thomas Morus und Niccolo Machiavelli. So, wie Franz Xavers Erkenntnisse das Weltbild vom Osten wesentlich neu prägten, veränderten jene Geistesgrößen den geistigen Horizont Europas.
Die Musik, die auf den beiden CDs erklingt, passt entweder zum jeweiligen Lebensabschnitt des Franz Xavier und zum Land, in dem er sich gerade aufhielt. Also geht es um die Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts in Spanien, England, Frankreich, Deutschland, Italien und Portugal. Die erste CD entführt die Hörer zum Ende hin schon einmal nach Afrika mit „Percusiones de Africa“ und improvisierten „Impressions“. Die Exotik ferner Länder und Kulturen schlägt dann auf CD zwei zu, mit raffinierten, hochartifiziellen Klängen aus Japan und China. Dafür hat Savall Künstler aus diesen Ländern in sein Ensemble geholt. Die Improvisationen stammen von Meistern der klassischen Musik Japans und Chinas – der Verdacht landläufiger „Weltmusik“ wird hier im Keim entkräftet.
Man wird sich als Hörer diesem Projekt nur Schritt für Schritt nähern können und mit der Zeit seine Favoriten finden. Zunächst muss es Ganzes erlebt werden, dann kommt die Informationsphase anhand des Buches, dann widmet man sich hörend den Details: So könnte auch eine Reise und ihre Planung ablaufen. Dieses Hörbuch ist Reiseführer und die Reise in einem. 
Was zu bemängeln wäre ist die kleine Type, in der das Buch gedruckt wurde. In fünf Sprachen – Spanisch, Französisch, Englisch, Deutsch und Catalá – wird die Information ausgebreitet, und da muss man auch auf 270 Seiten sparsam mit dem Platz umgehen. Für die wahrhaft europäische Dimension des Projektes musste ein Opfer gebracht werden.
Laszlo Molnar

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