Bru Zane

Neues Leben für die Stadt und die Musik

Konzertsaal der Stiftung Palazzetto Bru Zane in Venedig Foto: Palazzetto Bru Zane

Ein Besuch bei der Stiftung „Palazetto Bru Zane“ in Venedig, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, weitgehend vergessene französische Musik der Romantik ins Bewusstsein und ins Konzertleben zurückzuholen
Von Laszlo Molnar
(Venedig, 24./25. September 2016) Welch ein Anblick! Kaum setzt der Reisende den ersten Schritt auf das Pflaster außerhalb des Bahnhofsgebäudes von Venedig, leuchten ihn das Blau des Canale Grande und das Hellgrün der Kuppel der Kirche San Simeone Piccolo an. Vaporetti und Motorboote gleiten durch das Wasser, die  eingetroffenen Touristen schwärmen aus in Richtung der schon hier zahllosen Brücken und Hotels, um ihre Unterkünfte zu finden. Venedig ist einzigartig. Wenn es die Stadt nicht schon gäbe, man könnte sie nicht erfinden. Hier ist die Heimat des Centre de Musique Romatique Française (CMRF) Palazetto Bru Zane. Der Name ist Programm. Genau in jenem „Palazetto“ im Stadtteil San Polo ist das Zentrum der Arbeit des „Centre“, von deren Ergebnisse KlassikInfo bereits im Juni dieses Jahres (“ target=“_blank“>www.bru-zane.com/?chi_siamo=il-casino-zane&lang=en)
Kaum besser könnte ein Gebäude den Geist der dort geleisteten Arbeit ausdrücken: Die einladende, zugleich sachliche Schönheit der Bausubstanz und der behutsam restaurierten und ergänzten Ausstattung entspricht rundherum der Art, wie bei „Palazetto“ die Musik im Zentrum steht. Ohne Brimborium, ohne Starkult. Präsentiert und propagiert werden hier Machart, Schönheit und Wert der Musik der französischen Romantik. Die Mittel dafür: Aufnahme der Bestände (Alexandre Dratwicki spricht von 3000 nicht mehr bekannten Werken), musikwissenschaftlich korrekte Aufbereitung, Edition und Veröffentlichung. Dazu die Unterstützung von Aufführungen, die zugleich den Werken gerecht werden und sie in bestem Licht zeigen. In Venedig veranstaltet das CMFR an die 25 Konzerte pro Saison, davon viele im Palazetto. Dort haben allerdings nur 75 Zuhörer Platz, weshalb Veranstaltungen auch an anderen Konzertorten der Stadt stattfinden, etwa in der nahe gelegenen prachtvollen Scuola Grande San Giovanni Evangelista. Außerhalb der Konzerte kann das Casino Zane im Rahmen von Führungen jeden Donnerstagnachmittag zwischen 14.30 und 15.30 Uhr besichtigt werden.
Im Zentrum 2016/17: Camille Saint Saëns
In jeder Saison steht ein bekannter und ein so gut wie unbekannter Komponist im Zentrum der Arbeit. Alexandre Dratwicki präsentierte im Palazetto Bru Zane das Programm für 2016/17, dessen bekannter Schwerpunkt bis Jahresende Camille Saint Saëns (1835 – 1921), der weniger bekannte danach Fernand de la Tombelle (1854-1928) sein wird. Vom 24. September bis 3. November dauert das Auftaktfestival in Venedig. Es trägt den Titel „Camille Saint Saëns – zwischen Romantik und Moderne“ und ist vor allem der Kammermusik des Komponisten gewidmet.
Zwei Konzerte in Venedig vermittelten einen Eindruck davon, was alles zum kaum bekannten Schaffen des in Paris geborenen und in Algier verstorbenen Komponisten gehört. In der Scuola Grande San Giovanni Evangelista präsentierten der Bariton Tassis Chrisoyannis und der Pianist Jeff Cohen „Mélodies“ von Saint Saëns. Er hat davon an die 150 geschrieben, 25 davon sogar als Orchesterfassung. Es sind Kompositionen, die in ihrer Erscheinung dem deutschen Lied entsprechen. So waren auch aus dem Publikum heraus immer wieder leise Vergleiche mit „Schumann“ und „Schubert“ zu hören. Aber das trifft nicht den Geist der „Mélodies“. Sie sind Hommagen an die Schönheit und den Klang der Sprache; die Orchester-Mélodies waren zudem gedacht als Gegenentwurf zum in Frankreich heftig kritisierten Bombast der Wagner-Opern. Alexandre Dratwicki betonte, dass es in den Mélodies auch darum ging, gute intelligente Texte von großen Dichtern in Musik zu fassen. Die Kunst des Sängers solle ehe die eines Erzählers sein; denn die Musik verwehrt sich, Gefühle direkt auszudrücken. Das bekannteste Saint-Saëns-Stück dieser Art übrigens ist die „Danse macabre“, mit der die Künstler ihren Abend beschlossen.
Unterhaltung und geistiges Niveau
Das Zusammenwirken der beiden Musiker Tassis Chrisoyannis und Jeff Cohen „ergab genau den leichten, pointierten Ton, den man mit den „Mélodies“ verbindet. Es gibt ihr Programm auch auf einer CD der Fondation Bru-Zane (“ target=“_blank“>www.rundfunkorchester.de/k/4639/) auf (um 19 Uhr im Prinzrententheater in München; am 11. Oktober in der Opéra Royal de Versailles). Diese Zusammenarbeit währt übrigens bereits eine Weile und hat so schöne Aufführungen wie die von „Cinq Mars“ von Gounod oder von „Danton“ von Benjamin Godard hervorgebracht. „Cinq Mars“ mit dem Münchner Rundfunkorchester ist zudem auf CD bei „Palazetto Bru Zane Series“ (“ target=“_blank“>www.bru-zane.com) ist 24 Stunden lang Musik der französische Romantik zu hören. Buon divertimento!



Münchner Philharmoniker


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