Brian Ferneyhough erhält Siemens Musikpreis

Musik des „Gesamtmenschen“

Brian Ferneyhough Bild: Edition Peters

Der englische Komponist Brian Ferneyhough bekommt den Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2007
Der englische Komponist Brian Ferneyhough erhält in diesem Jahr den mit 200.000 Euro dotierten Ernst von Siemens Musikpreis.Die Auszeichnung wird ihm am 3. Mai in den Münchner Kammerspielen überreicht. In der Jury-Begründung heißt es, der Preis würdige Ferneyhoughs Leistung als eine Leitfigur der so genannten „New Complexity“. Wie nur wenige Komponisten habe der 64-Jährige die Ansätze der Avantgarde in den 1950er und 1960er Jahren sowohl in musikalischer als auch theoretischer Hinsicht weitergetrieben. Allein die äußeren Aspekte seiner Musik seien „spektakulär“. So habe er Spiel- und Notationstechniken stark ausgeweitet. Viele seiner Werke, etwa die Streichquartette, zählten zu den schwierigsten Stücken ihrer Art.
Ferneyhough wurde in Coventry geboren, studierte von 1961 bis 1963 an der Birmingham School of Music und setzte seine Ausbildung 1966 an der Royal Academy of Music in London bei Lennox Berkeley und Maurice Miles fort. Weitere Studien führten ihn nach Amsterdam zu Ton de Leeuw und zu Klaus Huber nach Basel.Die ersten Kompositionen Ferneyhoughs stammen aus den beginnenden 1960er Jahren. Beim Gaudeamus-Wettbewerb für Komponisten in Holland 1968 erhielt er einen Preis für seine „Sonaten für Streichquartett“. Ebenfalls ausgezeichnet wurden dort seine Werke „Epicycle“ und „Missa Brevis“.
In seiner Musik weitet Ferneyhough die seriellen Kompositionstechniken immer weiter aus. Dies führt zu einer großen Komplexität seiner Partituren. Vielen gilt Ferneyhough deshalb als in seinem musikalisch-künstlerischen Ansatz als zu theoretisch. Dabei vertraut der Engländer seinen theoretischen Modellen nicht bedingungslos. Ferneyhough ist vielmehr auch an Brüchen und Widersprüchen interessiert. Selbst ein gewisser skuriller Humor ist manchen seiner Stücke nicht fremd.Das wichtigste an der Kunst sei, dass sie eine Erkenntnisform sei. Dabei müsse die Musik immer Ausdruck des „Gesamtmenschseins“ sein, was ein ausgewogenes Verhältnis von „Herz und Intellekt“ erfordere.Im Mai 2004 wurde Brian Ferneyhoughs erst Oper „Shadowtime“ im Rahmen der Münchener Biennale für zeitgenössisches Musiktheater uraufgeführt und fand internationale Beachtung. Basierend auf Leben und Werk von Walter Benjamin, reflektiert „Shadowtime“ zentrale Themen des Werkes Benjamins.Im vergangenen Herbst erklang bei den Donaueschinger Musiktagen erstmals sein Orchesterstück „Plötzlichkeit“, das aus 111 kürzesten Sektionen besteht. In diesem Werk habe er, so die Ernst von Siemens Musikstiftung, „erneut unverbrauchte Möglichkeiten der Formgebung erprobt“. Eine wichtige Bedeutung hat Brian Ferneyhough auch als Lehrer. So unterrichtete er Komposition an der Musikhochschule Freiburg, an der Civica Scuola di Musica in Mailand, am Königlichen Konservatorium Den Haag sowie an der University of California in San Diego. Im Januar 2000 wurde er Fakultätsmitglied der Stanford University, wo er bis heute lehrt.
Studenten aus aller Welt wurden von ihm im Rahmen von Meisterklassen gefördert, so etwa bei den Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt sowie bei der Fondation Royaumont bei Paris.
Der Ernst von Siemens Musikpreis wird seit 1973 verliehen. Zu den bislang Geehrten zählen Benjamin Britten, Herbert von Karajan, Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel und Nikolaus Harnoncourt. Im vergangenen Jahr wurde der israelische Dirigent Daniel Barenboim mit der Auszeichnung geehrt.
Neben dem Hauptpreis vergibt die Stiftung Förderpreise in einer Gesamthöhe von 1,8 Millionen Euro. Sie gehen unter anderem an die Donaueschinger Musiktage, das Lucerne Festival, die Bamberger Symphoniker und das Europäische Zentrum der Künste in Dresden-Hellerau. Weitere Komponisten-Preise erhalten der Litauer Vykintas Baltakas und der Deutsche Markus Hechtle.
Robert Jungwirth

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.