Berliner Konzerthaus verteidigt Maßnahme gegen Moderator Arno Lücker

(16. Januar 2018) Der Berliner Konzerthaus-Intendant Sebastian Nordmann verteidigt seine Entscheidung, den Konzert-Moderator Arno Lücker nach der Veröffentlichung seiner Video-Karikatur des Geigers Daniel Hope nicht weiter am Konzerthaus zu beschäftigen. Von Kündigung will Nordmann jedoch nicht sprechen. Nordmann wörtlich gegenüber KlassikInfo.de: „Es ist der Eindruck entstanden, wir hätten Arno Lücker am Konzerthaus gekündigt. Dies ist nicht der Fall. Arno Lücker moderiert als freier Mitarbeiter fünfmal in der Saison die Reihe „2x hören“ am Konzerthaus Berlin. Ich habe lediglich entschieden, ihn für die kommende Saison nicht erneut als Moderator zu engagieren. Es geht mir dabei nicht um den „Shred“ als solchen, sondern um den eingesprochenen Text mit sexuellen Ausdrücken, die ich als beleidigend und respektlos empfinde. Diese Art von „Humor“ ist nicht mit den Aufgaben eines Moderators vereinbar, der zugleich Gastgeber am Konzerthaus ist.“

Hintergrund des Falls ist eine Video-Karikatur des Geigers Daniel Hope, ein sogenannter Shred, die Arno Lücker online gestellt hatte. In einem Shred, der von verschiedenen bekannten Musikern existiert, wird ein Künstler karikaturistisch verfremdet, sowohl in Bild als auch im Ton – also eine multimediale Karikatur im Internetzeitalter. Daniel Hope hat auf den ihm gewidmeten Shred alles andere als humorvoll reagiert, er schickte Lücker über seinen Anwalt eine Abmahnung, wie es heißt. Danach folgte die „Entlassung“ von Lücker beim Berliner Konzerthaus. Das Video hat Lücker nach Hopes Reaktion gelöscht. Man kann es also nicht mehr sehen und sich ein Urteil bilden.

Kommentar:
Satire hatte es noch nie leicht. Zunächst einmal gibt es die Schwierigkeit, sie zu verstehen, und dann muss man auch noch humorvoll genug sein, um sie zu würdigen. Zumindest an Letzterem mangelt es Daniel Hope ganz offensichtlich. Auch wenn man ihm zubilligen mag, mit dem Shred nicht einverstanden zu sein, sollte man als „Opfer“ drüber stehen können, bräuchte es keine anwaltliche Drohung zur Löschung. Die Entlassung Lückers aus seiner Verpflichtung beim Konzerthaus ist ebenfalls ein etwas harter Schritt für eine karikaturistisch gemeinte Äußerung – zumal er dort nur freier Mitarbeiter ist. Böhmermanns Erdogan-Gedicht war auch nicht wirklich freundlich. Moderieren darf er trotzdem noch. Der Fall Arno Lücker zeigt jedenfalls sehr deutlich, dass man in der Welt der ernsten Musik nicht mit allzu viel Humor rechnen sollte. Schade, denn ein wenig Auflockerung täte ihr zweifelsohne gut. (rj)

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