Basel Sinfonietta

Musikalischer Urknall

Foto: Zlatko Micic

Die Basel Sinfonietta spielt Adès und Lindberg in einer Messehalle – unter ihrem zukünftigen Chefdirigenten Baldur Brönnimann
Von Robert Jungwirth
(Basel, 24. Januar 2016) Für dieses Konzert hätte sich die Basel Sinfonietta eigentlich einen anderen Namen zulegen müssen. Denn statt eines kleinen Orchesters, was der Name Sinfonietta suggeriert, hat sich auf der Bühne der Basler Messehalle 3 ein ausgewachsenes Symphonieorchester mit überdimensionalem Schlagwerkapparat aufgebaut, das beinahe die ganze Breite der Halle einnimmt. Ungewöhnliche Werke erfordern ungewöhnliche Maßnahmen – auch räumliche. Das dachten sich die Verantwortlichen der Sinfonietta und wählten für die beiden groß besetzten Stücke „Asyla“ von Thomas Adès und „Kraft“ von Magnus Lindberg erstmals eine Messehalle als Veranstaltungsort für ein Konzert des Ensembles. Dabei wirkte das Orchester darin keineswegs verloren.
„Kraft“ stammt gewissermaßen aus der Stürmer-und-Dränger-Zeit des finnischen Komponisten. Lindberg komponierte es mit 25 Mitte der 80er Jahre in Berlin, als er musikalisch gerade weniger von E-Musik-Kollegen als vielmehr von der deutschen Rock-Band „Ton Steine Scherben“ beeinflusst war. Und so suchte Lindberg nach einer Entsprechung zu dieser Musik in seinem Wirkungsfeld – unter Zuhilfenahme von jeder Menge Schlagwerk und Elektronik zur Verstärkung des Klangs.
Die Initialzündung zu Beginn des Stücks klang so als würde eine Blechhalle einstürzen. Aus diesem musikalischen Urknall sozusagen gewinnt Lindberg die Energie für das, was folgt: perkussive Akzente des Schlagwerks wechseln sich ab mit Liegeklängen in den Streichern und Bläsern, dazu hebt sich immer wieder das elektronisch verstärkte Solocello ab, behauptet sich mit vehementem Willen zu kantilenenhaftem Schönklang (Karolina Öhman). Dazu muss die arme Cellistin auch noch immer wieder quer durch die Halle sausen, um auch noch andere Instrumente zu bedienen (als wären nicht genug Kollegen anwesend, die vielleicht nicht ganz so ausgelastet sind wie sie). Auch wenn „Kraft“ durchaus eine gewisse Sogwirkung entfaltet, hat es doch auch experimentellen, spielerischen Charakter.
Die Besonderheit dieses Konzerts bestand nicht nur in der Raumwahl, sondern auch in der Tatsache, dass mit Baldur Brönnimann der designierte Chefdirigent des Ensembles am Pult stand. Ab Herbst wird er das Amt offiziell übernehmen, das es bislang noch nicht gab. 35 Jahre hat die Sinfonietta ohne Chefdirigenten gespielt. In letzter Zeit aber gelangten die Musiker aber doch zu der Einsicht, dass es für das Profil des Orchesters von Vorteil sein könnte, wenn man sich mit einem musikalischen Leiter dauerhaften zusammentut. Der international erprobte gebürtige Basler, Jahrgang 1968, erwies sich bei dem Konzert denn auch als jederzeit umsichtiger und kompetenter Koordinator der großdimensionierten Klanglichkeiten.
Musikalisch überzeugender als „Kraft“ ist ohne Frage „Asyla“ von Adès, entstanden 1997, mit seinen raffinierten Klangmischungen und fremdartigen Klangeffekten, die aber nicht als Selbstzweck erscheinen, sondern eingebettet sind in eine suggestive Dramaturgie innerhalb der vier Sätze. Man hätte das Stück gerne noch einmal gehört und dafür auf das Eingangsstück „Ecstatic Orange“ des Amerikaners Michael Torke verzichtet. Auch wenn Stephen Malinowski dem Stück eine Videoprojektion mit orangefarbigen geometrischen Mustern zur Seite gestellt hat, bleibt „Ecstatic Orange“ in seiner Anlehnung an Mininalmusic auf der einen und Neoromantik auf der anderen Seite harmlos, nichtssagend.
Wie auch immer – der Einstand des neuen Chefdirigenten war in jedem Fall gelungen und auch der Mut zu neuen Räumen, den die Sinfonietta künftig noch stärker entwickeln will, wurde belohnt von einem begeisterten und neugierigen Publikum.
Infos:
“ target=“_blank“>www.basel.com/de/city-break-basel

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