Bach Kantaten Tonicale

Bach mit Balthasar Neumann

Das Balthasar Neumann-Ensemble unter Thomas Hengelbrock mit Purcell und Bach im Herkulessaal der Münchner Residenz
(22. März 2007) Dem Veranstalter „Tonicale“ hat es München hauptsächlich zu verdanken, dass in den Konzertsälen der Stadt auch der „Originalklang“ zu hören ist. Gastspiele von Philippe Herreweghe und seienr famosen Ensembles gehen ebenso auf das „Tonicale“-Konto wie Aufführungen der Bach-Passionen mit den in dieser Disziplin ausgewiesenen Münchner Kräften. Tatsächlich kann es sich eine Musikstadt, die wirklich etwas gelten will, nicht leisten, diese Sparte nicht im Angebot zu haben.

Das jüngste Tonicale-Konzert am Mittwoch, mit dem Balthasar Neumann-Ensemble unter seinem Gründer und Leiter Thomas Hengelbrock im Herkulessaal der Residenz, bot Gelegenheit zu reizvollem Vergleich innerhalb des Tonicale-Angebots. Hengelbrock und seine Musikerinnen und Musiker hatten zwei Osterkantaten von Bach im Gepäck. Vergangenen Herbst war Herreweghe mit dem Collegium Vocale Gent im Prinzregententheater ebenfalls mit Bach-Kantaten und Originalklang zu Gast.
Das gleiche Prinzip, und dennoch zwei Welten. Wo Herreweghe mit der Kunstfertigkeit seiner Leute eine Art Bach-Meditation übt, da kehrt Hengelbrock die artistische Sportlichkeit heraus. Die neunzehn Leute seines Chors sind mehr Solisten als Choristen. Das war besonders am Beginn des Abends, in den Trauermusiker für Queen Mary von Henry Purcell zu hören. Bachs Kantate „Christ lag in Todesbanden“ ging Hengelbrock dann mit einigem Drive an. Er ließ seine Musiker dann mehr das Ungeheuerliche dieses Umstandes herausarbeiten, als die Zuhörer zur Kontemplation darüber einzuladen. Überraschend in dem großen Saal war, wie präsent sich auch das durchweg solistisch besetzte Orchester – je zwei Geigen und Bratschen, ein Violone, Orgel und Fagott, dazu drei Posaunen und ein Zink – vernehmen ließ. Wenn man auch gerade am Chor das chorspezifisch homogene, einen eigenen Klangcharakter vermisste, so überzeugte doch das mit den Instrumentalisten sorgfältig abgestimmte Gesamtkonzept.

Auch so ein System braucht etwas Aufwärmzeit. Nach der Pause ging es mit einer Motette im alten Stil vom Bach-Verwandten Johann Ludwig deutlich homogener weiter und auch die Bach-Kantate „Nach Dir Herr verlanget mich“ schwang wesentlich ruhiger auf einer gemeinsamen Welle. Den gewaltigen stilistischen Fortschritt innerhalb der Bach-Familie gab J.S. Bachs Motette „Komm Jesu komm“ zu verstehen. Während Bach in den beiden frühen Kantaten noch die Konvention mit seinem Genius angereichtet hatte, hatte er mit der Motette längst seinen ganz eigenen Stil geschaffen. Und der Balthasar Neumann-Chor hatte zu seinem eigenen, glanzvollen Ton gefunden.
Laszlo Molnar

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