Artemis Quartett in München

Abschied

Das Artemis-Quartett war in München ein letztes Mal in alter Besetzung zu erleben

Von Klaus Kalchschmid

(München, 28. Januar 2019) Am Ende wehmütige Stimmung im vollbeset-zen Prinzregententheater und als Trostpflaster der langsame Satz aus Mozarts „Dissonanzen-Quartett“. Denn zuvor hatte sich Cellist Eckart Runge, das letzte noch verbliebene Gründungsmitglied des Artemis-Quartetts, das dieses Jahr 30 Jahre alt wird, vom Publikum in Mün-chen verabschiedet, „der Stadt, in der wir am frühesten und häufigs-ten zu Gast waren“, wie er betonte. Noch einmal wird der 51-jährige Cellist hier am 28. Mai im Sextett spielen mit seinen alten Kolle-gen, von denen auch Anthea Kreston ausscheidet. Sie hatte erst 2016 die zweite Geige übernommen, weil nach dem Tod von Friedemann Weigle Geiger Gregor Sigl in die Bratsche wechselte. Nach op. 18 von Brahms und einer Sextett-Fassung von Alban Bergs berühmter Klaviersonate op. 1 gibt es dann in neuer Formation mit Suyoen Kim und Cellistin Harriet Krijgh das erste Streichquartett in e-moll „Aus meinem Le-ben“ von Bedřich Smetana zu hören.

Doch nun galt es mit Samuel Barbers „Adagio for Strings“, Benjamin Brittens zweitem Streichquartett und vor allem mit „Der Tod und das Mädchen“ noch einmal zu zeigen, was für große Qualitäten dieses in seiner Besetzung immer wieder wechselnde Ensemble besaß und besitzt. Solistisch gespielt, klingt das Barber-Adagio viel herber, weniger weich und sentimental, auch klarer in seiner musikalischen Faktur. Da könnte nahtlos Britten anschließen, der im „Allegro calmo senza rigore“ seines C-Dur-Quartetts eine ähnliche Synthese findet zwi-schen Konstruktion und Klang. Vor allem aber in der grandios kon-struierten „Chacony“ (englisch für „Chaconne“) mit ihren 21 Variati-onen, uraufgeführt am 21. November 1945, dem 250. Todestag Henry Purcells, verband das Artemis-Quartett Präzision und Leuchtkraft des Tons mit struktureller Klarheit und Expression.

Doch dann erklang das Hauptwerk des Abends und da offenbarten Vineta Sareika, Anthea Kreston, Gregor Sigl und Eckart Runge in Schuberts Variationen über sein Lied „Der Tod und das Mädchen“, dass bei ihrem Spiel kein Ton der Routine entspringt, sondern abgeklärter Reife, gepaart mit nie versiegender Neugier, die das Musizieren eben auch spontan klingen lässt. Schöner, prägnanter und ergreifender jeden-falls kann man das nicht spielen. Umso aggressiver und schmerzvoller dann das Scherzo und vor allem die dynamischen Kontraste im atemlo-sen und doch immer wieder gestauchten Presto-Finale. Mancher aufge-wühlte Hörer brauchte danach das Mozart-Adagio als kleines Sedati-vum.

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