Armstrong/Mü Philharmoniker

Männliche Sensibilität

Kit Armstrong Foto: June

Kit Armstrong spielt Konzerte von Haydn und Mozart mit dem Kammerorchester der Münchner Philharmoniker
Von Klaus Kalchschmid
(München, 15. Oktober 2016) Wie schön, dass es immer wieder auch klassische Konzerte gibt, die ganz ohne romantische Schlachtrösser auskommen. Und es dann so zauberhafte Momente gibt, wie im Konzert des Kammerorchesters der Münchner Philharmoniker mit Kit Armstrong als Solisten im ausverkauften Prinzregententheater: Die Zeit scheint stillzustehen, wenn Armstrong mitten im Presto-Finale des Mozart-Klavierkonzerts KV 271 plötzlich innehält und, anfangs nur von den Streichern pizzicato oder „mit Dämpfer“ begleitet, „cantabile“ ein traumverlorenes Menuett anstimmt. Dank Mozart und seines kongenialen Interpreten entsteht ein kleines Wunder, das sich schon während des ganzen Es-Dur-Konzerts andeutete, das einer Schülerin names „Jenamy“ gewidmet ist (früher falsch entziffert als „Jeunomme“) und deshalb diesen Beinamen trägt.
Der 24-jährige Amerikaner Kit Armstrong sieht zwar immer noch aus wie zarte 14, als er Meisterschüler seines Mentors Alfred Brendel wurde, aber er spielt mit der Verve und hellen Wachheit, dem herben Charme und der subtilen Kraft eines jungen Mannes. Intensiv und fast überdeutlich klingt das manchmal, dann wieder mirakulös leise und verhalten. Immer aber gelingen Artikulation, Phrasierung und Gewichtung von linker und rechter Hand ganz selbstverständlich, von seinen fein vibrierenden Trillern ganz abgesehen.
Das Kammerorchester der Münchner Philharmoniker mit seinem Konzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcowici, der vom Pult aus die Leitung inne hatte, nahm die Impulse wie selbstverständlich auf, setzte sie fort oder initiierte sie, atmete dabei aber immer mit dem Solisten. Das war auch im D-Dur-Konzert Hob. XVIII:11 von Joseph Haydn so, nur dass hier in den Ecksätzen noch größere Leichtigkeit und noch mehr Esprit gefordert – und eingelöst – waren. Vor allem die knalligen Effekte des „Rondo all’Ungarese“ mit seiner, wie der Name sagt, zündenden „ungarischen“ Melodik, die hier freilich kroatischer Provenienz ist, kosteten Armstrong und das Orchester lustvoll aus.
Wie das Konzert mit der dreisätzigen „Salzburger Symphonie“ F-Dur KV 138 für Streicher des 16-jährigen Mozart eröffnet wurde, so ging dem Klavierkonzert Haydns eine von dessen „kleinen“, weil ebenfalls nur dreiteiligen Symphonien voraus. Die Nr. 26 in d-Moll ist dennoch ein wunderbar geistsprühendes Werk, dessen Oboen-Solo im langsamen Satz in seiner schwebenden Ausdrucksdichte genauso beglückt, wie die launigen Eskapaden der Solo-Geige im Trio des abschließenden Menuetts zum Schmunzeln einladen, zumal wenn sie Nasturica-Herschcowici so locker perlen und parlieren lässt.
 Die nächsten Orchestermatineen im Prinzregententheater, veranstaltet von Bell‘Arte:
 Nikolai Tokarev 
National Philharmonic Orchestra of Russia
Samstag, 26. November 2016 (11 Uhr)
 Andreas Ottensamer 
Württembergisches Kammerorchester
Sonntag, 11. Dezember 2016 (11 Uhr)
 Nemanja Radulović 
Camerata Salzburg
Sonntag, 18. Dezember 2016 (11 Uhr)
 Igor Levit 
Münchener Kammerorchester 
Sonntag, 29. Januar 2017 (11 Uhr)
 Narek Hakhnazaryan 
Münchener Kammerorchester
Sonntag, 26. März 2017 (11 Uhr)
 Ivo Pogorelich 
Kammerorchester der Münchner Philharmoniker
Sonntag, 07. März 2017 (11 Uhr)



Münchner Philharmoniker


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