Anoushka Shankar

Flamenco auf der Sitar

Anoushka Shankar Foto: Harper Smith

Anoushka Shankar begeistert mit "indischem Flamenco" im Münchner Prinzregententheater
(München, 6. November 2011) "Weltmusik", könnte man sagen, ist traditionelle Musik im Zeitalter der Globalisierung. Und als solches ist sie natürlich vor allem ein Marketingprodukt, mittlerweile ein wenig abgegriffen und in Verruf geraten wie die Globalisierung auch. Zuviel Schindluder wurde mit fragwürdigen Stilanleihen getrieben, als dass man der "Weltmusik" noch vorurteilsfrei zujubeln würde.
Dennoch ist der Versuch, traditionelle Musiken miteinander in Beziehung zu bringen oder sie mit Jazz oder auch Pop zu kombinieren nicht von vorneherein verwerflich. Letztlich kommt es immer darauf an, wie ernsthaft oder besser respektvoll man sich auf die jeweiligen Musiken, ihre klanglichen Eigenarten und Charaktere einlässt, sie eben nicht nur als oberflächliche Klangkulisse benützt.

So gesehen ist das Flamenco-Projekt der indischen Sitar-Virtuosin Anoushka Shankar (Tochter Ravi Shankars) durchaus ernst zu nehmen. Ob man die Wurzeln des Flamenco tatsächlich in Indien zu suchen hat, wie sie selbst in Konzertankündigungen behauptet, sei dahin gestellt.
Shankar versucht auf ihrer Sitar mit indischen Spiel- und Musizierweisen in einen Dialog mit der Melodik und dem Rhythmus des Flamenco zu treten – in Verbindung mit veritablen Flamencomusikern wie dem Gitarristen Javier Limon, der Sängerin Sandra Carrasco und dem Perkussionisten Juan Ruiz.

Das Ergebnis ist verblüffend originell und auch musikalisch überzeugend, auch wenn man sich vielleicht etwas mehr Improvisationsanteile wünschen würde. Ihre phänomenale Technik ermöglicht es Anoushka Shankar jedenfalls ohne Schwierigkeit, die Sitar gewissermaßen als indische Flamenco-Gitarre zu benutzen und mit sagenhaftem Tempo die üblicherweise von der Gitarre zu spielenden Läufe zu bewältigen. Auch der Flamenco-Gesang Sandra Carrascos mischt sich dazu auf ganz ungewohnte, aber homogene Weise. Schade war beim Konzert nur, dass jedes "Gitarrensolo" von Shankar gespielt wurde, ihr spanischer Kollege hingegen nur für die Begleitmusik zuständig war. Es hätte nicht geschadet, wenn sich die Sitarvirtuosin hier ab und zu etwas zurückgenommen hätte. Ganz fantastisch agierten auch Ajay Prasanna (Flöte) und Tanmoy Bose (Tabla).
In jedem Fall ist der Auftritt Anoushka Shankars mit ihrem Flamenco-Projekt unbedingt hörenswert, die parallel dazu entstandene CD nicht minder.

Robert Jungwirth

Weitere Konzert u.a. am 17. November in Baden-Baden und am 8. Dezember in Dortmund.

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