2009 Münchener Kammerochester Liebreich Saison 2009/10

Neue Saison im „Jenseits“

Alexander Liebreich Foto: Marek Vogel/MKO

Das Münchener Kammerorchester widmet die Saison 2009/2010 dem Thema „Jenseits“ und bilanziert das bisherige Diesseits positiv – Alexander Liebreich bleibt bis 2014
(München, 26. Mai 2009) Am Dienstag zog das Münchner Kammerorchester nach drei Spielzeiten mit Alexander Liebreich als Chefdirigent und künstlerischem Leiter eine erfolgreiche und zufrieden stellende Bilanz. In dieser Zeit erhöhte sich die Zahl der Abonnenten um 40 Prozent auf nunmehr 600, wie MKO-Geschäftsführer Florian Ganslmeier berichtete. In der Saison 2008/2009 könne das Orchester dann 18.000 Besucher seiner Konzerte in München zählen. Diese Zahl sei bis zum Ende der Saison hoch gerechnet. Die Stadt München honorierte diesen Erfolg mit einer Erhöhung ihrer Förderung auf 795.000 Euro im Jahr. Damit steht München als Förderer jetzt an erster Stelle, vor dem Freistaat Bayern, der 783.000 Euro im Jahr beisteuert. Damit habe das Orchester ein solides Fundament, das aus den Einnahmen aus dem Kartenverkauf und Beiträgen von Sponsoren ergänzt werde. Weiter als Hauptsponsor firmiert das Unternehmen „ECT“, European Computer Telecoms, das sich bereits in der vierten Saison für das Orchester engagiert. Dazu hat sich ein Freundeskreis des Orchesters formiert, dem inzwischen 47 Mitglieder angehören.
All diese guten Entwicklungen, die ihren Ursprung letztlich im künstlerischen Erfolg und dem damit verbundenen Zuspruch beim Publikum haben, haben dazu geführt, Alexander Liebreich eine Verlängerung seines bis 2010 laufenden Vertrages anzutragen. Liebreich, der ab 2011 künstlerischer Leiter des „International Music Festival“ in der Südkoreanischen Stadt Tongyeong wird, nahm das Angebot gerne an und wird dem MKO nun bis zur Saison 2013/14 weiter vorstehen.
Entsprechend engagiert präsentierte er das Programm der Saison 2009/10, das sich unter dem Titel „Jenseits“ den Verweisen der Musik auf das Leben nach dem Leben widmen wird. Das Orchester wolle sich auf „die Spur der Jenseits-Vorstellungen und -Vergegenwärtigungen“ begeben, „die die Musikgeschichte über die großen Requiem-Vertonungen hinaus durchziehen“.
Gute Musik, so Alexander Liebreich im Vorwort des Saisonprogramms, handele immer vom dialektischen Verhältnis „zwischen Hier und Dort: Als abstrakteste aller Künste beginnt sie dann eine Brücke zum Jenseits zu bauen, wenn andere Formen zum Schweigen kommen“. Ein Schwerpunkt der Saison liegt also auf Komponisten und Werken, die, so Liebreich, „im Real-Irdischen nur schwer Verankerung finden“, und bezieht sich dabei namentlich auf Mozart, Schubert, Mahler, Ravel, Webern, Kurtág und den kanadischen Komponisten Claude Vivier, der sowohl in der Abonnementreihe als auch in der „Nachtmusik der Moderne“ vertreten sein wird.
Acht Abonnementskonzerte wird es in der kommenden Saison wieder geben. Darin setzt das MKO seine kontinuierliche Arbeit für die zeitgenössische Musik und mit bedeutenden zeitgenössischen Komponisten fort. Im Zentrum stehen dabei drei Uraufführungen: Der palästinensische Komponist Samir Odeh-Tamimi, mit dem das MKO seit Jahren die Zusammenarbeit pflegt, schreibt an einer Auftragskomposition für Blockflöte und Streichorchester, die mit Jeremias Schwarzer als Solist am 19. November im 2. Abonnementkon-zert uraufgeführt wird. Auch Peter Ruzicka hat bereits früher mit dem Orchester zusammengearbeitet; sein neues Streicherwerk, das vom MKO in Auftrag gegeben wurde, trägt den Titel „Trans“ und wird am 10. Juni 2010 beim 7. Abonnementskonzert uraufgeführt. Der französische Komponist Mark André schreibt hingegen zum ersten Mal für das Orchester. Sein neues Stück wird beim 4. Abonnementkonzert am 21. Januar 2010 uraufgeführt. Die junge estnische Komponistin Helena Tulve wird beim 2. Abonnementkonzert mit der deutschen Erstaufführung des Werks „Hõbevalge (Silverwhite)“ für Violine und Streichorchester vorgestellt; Solist ist der Geiger Pekka Kuusisto. Brett Dean ist beim 6. Abo mit seinen „Short Stories“ für Streichorchester vertreten. Im 8. Abo-Konzert hingegen erklingt ein Werk eines Altmeisters, Heinz Holligers „Drei Skizzen für Violine und Viola“. Darüber hinaus ist die Musik nach 1950 mit Werken von Henri Dutilleux, György Ligeti, György Kurtág, Claude Vivier, Toru Takemitsu und Alfred Schnittke vertreten. Gewichtige „klassische“ Repertoire-Schwerpunkte in den Abonnements-Konzerten sind u.a. Schuberts „Unvollendete“, die „Metamorphosen“ von Richard Strauss, Mozarts „Jupiter“-Sinfonie und die Sinfonia Concertante für Violine und Viola sowie Beethovens Streichquartett op. 131 in der Fassung für Streichorchester.
Für die Konzertsaison 2009/10 konnte das MKO erneut eine außerordentliche Riege von Gastsolisten und –dirigenten gewinnen. Vier der acht Abonnementskonzerte werden von Alexander Liebreich geleitet; Unter den Solisten sind Christoph Prégardien mit der Serenade von Britten und Schubert-Liedern in der Bearbeitung von Anton Webern (Abo 1), Alexander Lonquich mit dem Klavierkonzert G-Dur von Maurice Ravel (Abo 4), der Bassist Anatoli Kotscherga mit Modest Mussorgskys „Liedern und Tänzen des Todes“ (Abo 7). Im 3. Abokonzert ist erstmals Alessandro de Marchi, einer der prominenten Dirigentennamen der Barockmusik-Szene, am Pult des MKO zu erleben; Solist des Konzerts ist der französische Cellist Jean-Guihen Queyras mit dem C-Dur-Konzert von Joseph Haydn. Das 5. Abokonzert steht unter der Leitung von Dennis Russell Davies. In diesem Konzert spielt Maki Namekawa das Konzert für Klavier und Orchester von György Ligeti. Das 6. Abokonzert wird als diesjähriges Konzertmeister-Programm von Daniel Giglberger geleitet; die französische Sopranistin Sandrine Piau singt Arien aus Opern und Oratorien von Georg Friedrich Händel. Für das 8. Abo schließlich kehrt Thomas Zehetmair als Solist und Dirigent ans Pult des Orchesters zurück; gemeinsam mit Ruth Killius wird er u.a. die Sinfonia Concertante von Mozart spielen.
Solch ambitionierte Programme sind nie und nimmer kostendeckend. Selbst ein Konzert im ausverkauften Prinzregententheater spielt die Kosten dafür nicht ein, berichtete Florian Ganslmeier. Über die Beiträge der öffentlichen Hand, der Sponsoren und der Freunde hinaus leisten alle am MKO Beteiligten – die Musiker, der Chefdirigent und das Management – einen eigenen Beitrag. Sie überlassen als Vorleistung zu jeder Saison zehn Prozent ihrer Bezahlung dem Orchester. Wenn die Einnahmenlage am Ende der Saison es gestattet, erhalten sie diesen Beitrag oder einen Teil davon wieder zurück. Chefdirigent Alexander Liebreich betonte schließlich, dass der Erfolg des Orchesters vor allem solchem Engagement und der Verankerung am Ort zu verdanken sei als einer möglichst eindrucksvollen Liste von internationalen Auftritten.
mo
www.m-k-o.eu


Banner Festwochen Innsbruck


0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.