2008 Kozena Solo

Klänge der Heimat

Magdalena Kozená singt tschechische Lieder auf CD und im Münchner Prinzregententheater
(München 11. November). Manchmal sollte man auf keinen Fall die CD zum Konzert zu Hause zu lassen oder sie zumindest VOR dem Konzert kaufen. Denn als Magdalena Kozená im Prinzregententheater, mit Malcolm Martineau am Klavier, auf wunderbar natürliche, manchmal auch pointierte und kecke Weise, die vornehmlich tschechischen  Volks-, Liebes- und Wiegenlieder ihrer Heimat sang, erschloss sich schwer, ob da jemand liebt, trauert oder tröstet. Wer versteht hierzulande schon fließend Tschechisch.
Kozená begann mit vier Volksliedern in der rhythmisch komplexen, aber mitreißenden Fassung Erwin Schulhoffs und Vítezslav Nováks ernstem, fünfteiligem „Märchen des Herzen“, bevor Auszüge aus Janáčeks „Mährischer Volkspoesie in Liedern“ den Höhepunkt der ersten Hälfte des Konzerts bildeten. In anderer Reihenfolge sind diese Lieder auch auf der großartigen CD enthalten, die Kozená im März 2007 in München für Deutsche Grammophon aufgenommen hat. Live singt sie sie manchmal noch eine Spur inniger oder einen Tick kühner und frecher. 
Antonín Dvoráks Liebeslieder op. 8 gingen nach der Pause heftig in Richtung Oper und bildeten einen schönen Kontrast zu Dvoráks Abendliedern und Zigeunermelodien, mit denen das offizielle Programm endete. Dazwischen betörten die „Lieder für zwei Seiten“ von Bohuslav Martinů. Ob zartes Parlando, schlichte Strophen-Melodik oder vitales Sich-Aussingen, Magdalena Kozená fällt nie etwas schwer; mit ihrem ebenso schlanken wie klanglich reichen, unverwechselbaren Timbre ist sie die ideale Interpretin dieser Lieder zwischen Volks- und Kunstmusik. Nur wenn sie im Forte und der Höhe große Bögen singen muss, gerät sie manchmal etwas an die Grenzen ihrer Stimme.
Malcolm Martineau am Flügel ist ein klug, wach und lustvoll mitgestaltender Partner, wie er souveräner und lebendiger, zugleich feiner, ausgelassener und virtuoser nicht sein könnte.
Béla Bartóks Lied über eine ausgelassene Hochzeitsfeier bildete die erste Zugabe, bevor die Vertonung von Goethes „An die Entfernte“ des Beethoven- und Schubert-Zeitgenossen Jan Josef Rösler – in der Originalsprache deutsch gesungen – einen berückenden Schlusspunkt setzte. Auf CD steht dieses Lied wie ein Solitär in der Mitte, allerdings vorbereitet durch sechs aparte Lautenlieder Petr Ebens (1929-2007) auf tschechisch, englisch, französisch und deutsch gesungen!
 
Klaus Kalchschmid

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.