Klassikinfo.de
    • HOME
    • MITGLIED WERDEN
    • REZENSIONEN
      • Opern-, Konzert- und Theaterkritiken
      • CDs, DVDs und Filme
      • Bücher
      • Reportagen und Berichte
      • Opern- und Konzertbesprechungen 2007-2016
    • PORTRÄTS & INTERVIEWS
    • SERVICE
      • Über Klassikinfo
      • Werbung auf Klassikinfo
      • Förderer & Freunde
      • Community
      • Spenden
      • Reisen
      • Kontakt
        • Impressum
        • Datenschutz
      • Jobs und Praktika
      • Datenschutz
      • Festivals Theater Orchester
        • Festivals
        • Musikinstitutionen
        • Orchester / Ensembles
      • LINKS
    • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
    • Menü Menü
    Sie sind hier: KLASSIKINFO1 / Opern- und Konzertkritiken2 / Schnittkes Leben mit einem Idioten in Magdeburg

    Schnittkes Leben mit einem Idioten in Magdeburg

    Opern- und Konzertkritiken

    Wer bin ich wirklich?

    An der Oper Magdeburg nimmt sich Hausherr Julian Chavaz Alfred Schnittkes „Leben mit einem Idioten“ auch als Regisseur vor

    Von Roberto Becker

    (Magdeburg, 7. März 2026) In diesem 1992 in Amsterdam uraufgeführten und seither einige Male nachgespielten neunzigminütigen Zweiakter geht es hoch her. Und in jeder Hinsicht musikalisch und vor allem szenisch ziemlich drunter und drüber! Der Titel von Alfred Schnittkes (1934-1998) Oper hat seinen Grund: „Leben mit einem Idioten“! Da darf man auf alles gefasst sein. Der von Martin Wagner einstudierte Chor stellt denn auch klar: „Das Leben mit einem Idioten ist voller Überraschungen“. Weder die Musik von Schnittke noch die abstruse Geschichte lassen daran einen Zweifel aufkommen. Wobei der „Ich“-Erzähler, der auch auch nur so heisst, schon hätte ahnen können, welche Art von Überraschungen zu erwarten sind.

    Die Erzählung, die dem Libretto zugrunde liegt, hatte der seit 2022 im Westen lebende Russe Viktor Jerofejew schon 1980 in der Sowjetunion geschrieben. Erscheinen konnte sie erst nach deren Auflösung 1991 in Russland. Verwunderlich ist das nicht bei so viel entfesselter Lust an grotesken Überzeichnung, in der Nachbarschaft von Kafkas „Prozess“ oder auch Bulgakows „Der Meister und Margarita“.

    Bei der Uraufführung von Schnittkes zu dem Libretto entstandener Oper trat der Idiot noch in der Maske des sowjetischen Säulenheiligen Lenin auf. Da der Idiot auf den Namen Wowa hört und das die Koseform von Lenins (und ja auch Putins) Vornamen Wladimir ist, wurde das als klarer Fingerzeig aufgegriffen. Eine zu der Zeit und bei einer Uraufführung wohl unumgängliche Entschlüsselung der ins psychologisch Parabelhafte verschlüsselten Geschichte. Schon der für ein solches Vorgehen ja biographisch durch seinen Clinch mit dem Putinregime prädestinierte, mittlerweile im westlichen Regie-Betrieb fest etablierte Russe Kirill Serebrennikov hatte sich bei seiner fulminanten Zürcher Inszenierung vor zwei Jahren allerdings nicht (mehr) auf diese Perspektive eingelassen. Den Eindringling in die Privatsphäre als Lenin- oder gar Putin-Alter-Ego auftreten zulassen, schien ihm zu platt.

    In der Geschichte muss sich ein „Ich“ als Strafe für ein so merkwürdiges Vergehen wie Empathielosigkeit in der Psychiatrie einen Idioten aussuchen und fortan mit ihm leben. Dass unklar bleibt, wer hier eigentlich das Urteil fällt, gehört zur Undurchschaubarkeit der Verhältnisse, denen der einzelne ausgesetzt ist.

    Was zunächst wie eine milde Strafe (aus der Ableitung Resozialisierung) klingt und bei der Umsetzung noch harmlos mit ein paar Ausrastern beginnt, führt bald zur Zerstörung der Wohnung. Auch der Umgang des sprachlosen, nur „Äch!“ herausbringenden Wowa mit „Ich“ und seiner Frau eskaliert immer mehr. Vom manipulierenden Umgarnen der Frau bis zu deren Vergewaltigung. Als er sich dann auch noch dem Hausherrn mit der gleichen sexuellen Übergriffigkeit (mit Erfolg) nähert, ist die Katastrophe unvermeidlich. Sie stellt ihren Mann (also das „Ich“) vor die Alternative: Entweder er oder ich. Die Antwort übernimmt Wowa. Er schneidet der Frau mit der Gartenschere den Kopf ab. Am Ende landet „Ich“ selbst in der Psychiatrie.

    Bei Julien Chavaz (Regie), Anneliese Neudecker (Bühne) und Severine Besson (Kostüme) ist man sich nicht sicher, ob er dort nicht schon von Anfang an zu den Insassen gehört haben könnte. Die Welt ist hier aus den Fugen, weil niemand ohne Maske auskommt. Alles ist ein großer Zirkus der knallbunten Oberfläche.

    Während Serebrennikov die Groteske als Bühnen-Kunstwerk demaskierte, setzt Chaves mit dieser phantasievoll bunten Ästhetik noch eins drauf. Er verfremdet die erzählte Parabel auf der Bühne noch einmal durch die surreale Optik. Nur ein Kühlschrank, ein Fernseher und eine Stehlampe tauchen als Versatzstücke der Wirklichkeit in dieser autonomen Phantasiewelt auf. Vor einem Schlund aus Kulissenhängern. Und manchmal von einer gerafften roten Vorhangskulptur verdeckt. Das hat für sich genommen seinen Reiz – der Nachvollziehbarkeit des Geschehens und den Assoziationsmöglichkeiten hilft das aber nicht auf die Sprünge. Man muss hier unbedingt die Übertitel mitlesen, um auf dem Laufenden zu bleiben.

    Am Pult der Magdeburgischen Philharmonie sorgt Paweł Popławski allerdings für Durchblick in dem Stilmix mit all seinen Zitaten, abrupten Wechseln und der emsigen Absicherung des Parlandos (mit etlichen auch schon mal fäkalischen Versatzstücken). Die Leistung des Orchesters ist ebenso überzeugend, wie die der Protagonisten. In der Titelpartie, die auf „Äch!“ beschränkt ist, erweist sich der Interpret Timur als wahrer Wortakrobat. Man muss bei seinen Variationen des immer Gleichen unweigerlich an das von Herbert Fritsch inszenierte „Murmel Murmel“-Unikum an der Volksbühne denken. Der ungarische Bariton Gyula Nagy imponiert ebenso als „Ich“, wie die traumwandlerisch höhensichere Alison Scherzer als dessen Frau. Vincent Casagrande als Marcel Proust und Johannes Stermann als Wärter stehen ihnen, wie alle anderen, mit ihren kleineren, aber wahrnehmbaren Rollenporträts in nichts nach.

    11. März 2026/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
    Eintrag teilen
    • Teilen auf Facebook
    • Teilen auf X
    • Teilen auf Pinterest
    • Teilen auf Reddit
    https://www.klassikinfo.de/wp-content/uploads/2026/03/03_TM_Leben_mit_einem_Idioten_Gyula_Nagy__Timur__Opernchor_HPK_5811_c_Gianmarco_Bresadola.jpg 521 1000 Robert Jungwirth http://klassikinfo.de/wp-content/uploads/2017/05/Logo-groß-ohne-Schriftzug-300x144.jpg Robert Jungwirth2026-03-11 14:43:582026-03-11 22:09:41Schnittkes Leben mit einem Idioten in Magdeburg
    0 Kommentare

    Hinterlasse einen Kommentar

    An der Diskussion beteiligen?
    Hinterlassen Sie uns Ihren Kommentar!

    Schreiben Sie einen Kommentar Antwort abbrechen

    Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    Jetzt Klassikinfo Mitglied werden!

    HIER klicken!

    Unterstützen Sie KlassikInfo freiwillig mit einer Spende von 5€, 10€ oder 50€!

    Werbung

    Werbung

    SHORT NEWS

    Kategorien

    • Aktuelle Rezensionen von CDs, DVDs und Filmen
    • Allgemein
    • Buchbesprechungen
    • Opern- und Konzertkritiken
    • Porträts – Interviews
    • Reisen
    • Reportagen – Berichte

    Spenden an KlassikInfo

    Leider ist KlassikInfo nicht kostenlos in der Herstellung. Wenn Sie KlassikInfo unterstützen, hilft uns das, das Angebot zu erhalten und auszubauen.

    Klassikinfo Mitglied werden

    HIER klicken!

    Schreiben Sie uns eine Mail unter "Kontakt" oder verwenden Sie den Spenden-Button. Vielen Dank!

    Copyright © 2007 - 2025 KlassikInfo.de, München. Alle Rechte vorbehalten. | webagentur kultur-design.com
    • WERBUNG
    • KONTAKT
    • DATENSCHUTZ
    • IMPRESSUM
    Link to: Oper Alma beim Weill-Fest in Dessau Link to: Oper Alma beim Weill-Fest in Dessau Oper Alma beim Weill-Fest in Dessau Link to: Weimer muss zurücktreten, er ist untragbar Link to: Weimer muss zurücktreten, er ist untragbar Weimer muss zurücktreten, er ist untragbar
    Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen
    Powered by DigiMember