Klassikinfo.de
    • HOME
    • REZENSIONEN
      • Opernkritiken und Konzertkritiken
      • CDs, DVDs und Filme
      • Bücher
      • Reportagen und Berichte
    • PORTRÄTS & INTERVIEWS
    • SERVICE
      • Über Klassikinfo
      • Werbung auf Klassikinfo
      • Förderer & Freunde
      • Community
      • Spenden
      • Reisen
      • Kontakt
        • Impressum
        • Datenschutz
      • Jobs und Praktika
      • Datenschutz
    • FESTIVALS
    • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
    • Menü Menü
    Sie sind hier: KLASSIKINFO1 / Opern- und Konzertkritiken2 / Mozarts Entführung an der Berliner Staatsoper

    Mozarts Entführung an der Berliner Staatsoper

    Opern- und Konzertkritiken

    Mozarts Entführung mit Comedy-Zugabe

    An der Berliner Staatsoper Unter den Linden inszeniert Andrea Moses Mozarts „Entführung aus dem Serail“ als Show mit Comedian Bülent Ceylan als Bassa Selim 

    Von Joachim Lange

    (Berlin, 27. Juni 2026) Zur Berliner Geschichte von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ gehört auf jeden Fall, die Gewaltorgie, die Calixto Bieto in der Komischen Oper aus der Vorlage herausgelesen und auf die Bühne gebracht hat. Eine Premiere, bei der Kirill Petrenko streckenweise das Orchester pausieren lies, weil das Publikum tobte. Der finale Amoklauf blieb aber auf die Bühnenerzählung beschränkt. Das war 2004 ein wirklich eindrucksvoller Premierenskandal.

    Fünf Jahre danach lieferte Michael Thalheimer in der Staatsoper Unter den Linden eine formengestrenge Analyse der angeknacksten Paarbeziehungen im Stück.

    Für den Abschluss der zu Ende gehenden Spielzeit hat sich die Leitung des Hauses entschlossen, mit diesem Stück ein Experiment zu wagen. Andrea Moses hat Mozarts Vorlage (mit dem kompletten Musik) als „Entführung live“-Show mit Bülent Ceylan aufgemischt. Bei der Premiere hatten am Ende genügend Mozart-Liebhaber auch den Mannheimer Deutsch-Türken auf dem Schirm, um sich bei dem Experiment „Comedian meets Mozart“ zu amüsieren. Mozart haben sie gebucht, mich kriegen Sie kostenlos dazu, sagt er. Und übertreibt nicht mal. Erst kommt er schon mitten in der Ouvertüre mit der Standard-Show-Anbiederung „Hallo Berlin“ zu früh. Dann übernimmt er aber nicht nur die Rolle des Bassa Selim – mit ruppig türkischem Akzent (ist authentischer, sagt er) und in schickem orientalischen Weiß mit Riesenturban. Er übernimmt auch den größten Teil der Sprechtexte der singenden Protagonisten, bei denen im Unterschied zu ihm, Deutsch nicht in jedem Fall die Muttersprache, und das gesprochene Wort nicht die Kernkompetenz ist.

    Daneben ist er aber auch immer wieder der Comedian, der kein Problem hat, sein Publikum im Umfang eines Stadions auch mit „bewährten“ Pointen zu unterhalten. Inklusive von Ausflügen in seine Biografie (und Telefonaten mit der Mama auf offener Bühne), die ja auch Teil seiner eigenen Show sind. Und damit es sich lohnt, weil es das Stück hergibt und Oper auch gerne neues junges Publikum in das Haus locken will, den Libretto-Hinterfrager. Sicher käme jeder selbst drauf, dass bei Osmins berühmter Brutalo-Arie – „erst geköpft und dann gehangen“ rein körpertechnisch irgendwas nicht stimmen kann. Bülent thematisiert das aber. Macht aus barbarischen Sprachbildern Theater. Und natürlich funkt er auch bei Pedrillos Romanze „In Mohrenland gefangen war“ kommentierend dazwischen. Von wegen: das sagt man doch heute nicht mehr….inklusive eines eingebauten Versprechers, der den Sprachbereinigungshype wie aus Versehen als Rassismus zur Kenntlichkeit entstellt.

    So subtil sind seine Moderationen bzw. die Neufassung des mitunter ja ziemlich tümelnden Originaltextes von Gottlieb Stephanie, die er zusammen mit Andrea Moses und Michael Höppner unter Verwendung des Originals gemacht hat und die er mit ziemlicher Präsenz präsentiert, nicht immer. Manchmal hat man den Eindruck, dass der Showgaul mit ihm durchgeht (oder die Regisseurin die Zügel etwas zu locker lässt). Wenn er mit der Handkamera ins Publikum geht und eine offensichtliches Ehe- und ein schwules Paar anspricht und in Großaufnahme zeigt, merkt man erst beim Schlussapplaus, dass diese beiden „spontan herausgegriffenen“ Paare natürlich eingeplant waren. Man hätte es wissen müssen, so wie er an etlichen Stellen die heutzutage grassierende (Über-)Korrektheit aufs Korn genommen hatte. Kurz und gut: für die Publikumsschnittmenge aus Mozart-Liebhabern und Bülent-Ceylan-Fans war der Abend recht vergnüglich. Ob die Mischung wirklich das erklärte Ziel erreicht, neues Publikum zu generieren (Ceylan hat da das Potenzial in Neukölln und Kreuzberg namentlich benannt), bleibt die Frage. So einfach ist es wahrscheinlich nicht. Die Frage ans Publikum, wer denn das erstmal in der Oper ist, ging an diesem Abend jedenfalls daneben. Die meisten Pointen kamen aber an. Auf ein Kontra zu seinen Einlagen aus dem Publikum reagierte er spontan. Und gesungen hat er ja (wie versprochen) nicht.

    Und Mozart? Reimund Bauer hat das Serail, in dem Konstanze, Blonde und Pedrillo gefangen gehalten werden, am (Video-)Meeresstrand platziert und in eine Luxusjacht verlegt, die dem goldverliebten Großkotzgeschmack von Donald Trump entsprungen zu sein scheint und sich langsam ins Bild schiebt. Oben ein Salon für Konstanze und unten die Räume fürs Personal Blonde und Pedrillo. Die beiden müssen sich sogar handgreiflich bemerkbar machen, als über die Freilassung verhandelt wird. Rechts und Links gibt’s zwei Großbildschirme – die Comedyshow lässt grüßen.

    Das Publikum kommt aber nicht völlig vom Opernweg ab. So wird etwa die koloraturbrillant auftrumpfende Adela Zaharia für jede Konstanze-Arie gefeiert. Auch die junge Sarafina Starke vom Internationalen Opernstudio der Staatsoper ist schon deutlich mehr als nur eine Hoffnung für die Blonde. Der Südafrikaner Siyabonga Maqungo schlägt sich wacker als Belmonte. Als Pedrillo fasziniert Michael Laurenz nicht nur in der Romanze mit intensiv ausgespielten Piani. David Steffens schließlich bleibt dem Osmin keine Machofacette schuldig. Thomas Guggeis schließt sich am Pult der Mozartformation der Staatskapelle mit weit ausgreifender Gestik der unterhaltenden Dramatik der Szene mit einem aufgefrischten Mozart auch im Graben an.

    Werbung

    1. Juli 2026/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
    Eintrag teilen
    • Teilen auf Facebook
    • Teilen auf X
    • Teilen auf Pinterest
    • Teilen auf Reddit
    https://www.klassikinfo.de/wp-content/uploads/2026/07/entfuehrung.jpg 813 2000 Robert Jungwirth https://klassikinfo.de/wp-content/uploads/2017/05/Logo-groß-ohne-Schriftzug-300x144.jpg Robert Jungwirth2026-07-01 12:56:562026-07-14 09:44:16Mozarts Entführung an der Berliner Staatsoper
    0 Kommentare

    Hinterlasse einen Kommentar

    An der Diskussion beteiligen?
    Hinterlassen Sie uns Ihren Kommentar!

    Schreiben Sie einen Kommentar Antwort abbrechen

    Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    Jetzt Klassikinfo Mitglied werden!

    HIER klicken!

    Unterstützen Sie KlassikInfo freiwillig mit einer Spende von 5€, 10€ oder 50€!

    Werbung

    Werbung

    SHORT NEWS

    Kategorien

    • Aktuelle Rezensionen von CDs, DVDs und Filmen
    • Allgemein
    • Buchbesprechungen
    • News
    • Opern- und Konzertkritiken
    • Porträts – Interviews
    • Reisen
    • Reportagen – Berichte

    Spenden an KlassikInfo

    Leider ist KlassikInfo nicht kostenlos in der Herstellung. Wenn Sie KlassikInfo unterstützen, hilft uns das, das Angebot zu erhalten und auszubauen.

    Klassikinfo Mitglied werden

    HIER klicken!

    Schreiben Sie uns eine Mail unter "Kontakt" oder verwenden Sie den Spenden-Button. Vielen Dank!

    Spendenbutton

    Copyright © KlassikInfo.de, München. Alle Rechte vorbehalten. | webagentur kultur-design.com
    • WERBUNG
    • KONTAKT
    • DATENSCHUTZ
    • IMPRESSUM
    Link to: Studie belegt: Kultur zahlt sich aus als Standortfaktor Link to: Studie belegt: Kultur zahlt sich aus als Standortfaktor Studie belegt: Kultur zahlt sich aus als Standortfaktor Link to: Jakub Przybycień gewinnt den Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg Link to: Jakub Przybycień gewinnt den Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg Jakub Przybycień gewinnt den Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg
    Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen
    Powered by DigiMember