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    Sie sind hier: KLASSIKINFO1 / Opern- und Konzertkritiken2 / Konstellationen am Bayerischen Staatsballett

    Konstellationen am Bayerischen Staatsballett

    Opern- und Konzertkritiken

    Tanz mit dem Ledersessel

    Das Bayerische Staatsballett präsentiert seinen Abend „Konstellationen“ mit Bekanntem und einer Uraufführung

    Von Robert Jungwirth

    (München, 22. Juni 2026) Zu zartester Klaviermusik von Bach wuchtet ein Tänzer einen ollen Ledersessel über die Bühne und turnt auf ihm unwirsch herum. Auch als sein Kumpel vorbeikommt, wird die Stimmung nicht besser. Sie feixen, rempeln, kämpfen. Wie (junge) Männer das halt so tun – eine „spannungsgeladene Konstellation“, wie es im Programmheft heißt.
    „Trait d’union“ („Bindestrich“) nennt Angelin Preljocaj sein Tanztheaterstück von 1989, mit dem er schlagartig die Aufmerksamkeit der französischen Tanzszene auf sich gezogen hat. Es ist ein Stück über die Kommunikation von jungen Männern, aber auch ein Stück über Einsamkeit und die Versuche, sich daraus zu befreien. Das ist streckenweise recht eindringlich, dann aber auch wieder befremdlich und etwas gedehnt. In jedem Fall war es faszinierend getanzt wie alle sechs Stücke dieses Ballettabends des Bayerischen Staatsballetts mit dem Titel „Konstellationen“ mit Wiederbegegnungen von Stücken aus den vergangenen Jahren und einer Uraufführung.

    So wie der Begriff Fremdkörper in mehrfacher Hinsicht Relevanz für das Stück von Preljocajs besitzt, war auch das erste Stück des Abends ein Fremdkörper im Programm. Denn es war klassischstes klassisches Ballett zu sehen von Marius Petipa, und zwar Teile aus dem Stück „Paquita“ von 1882. Ein heiterer Tutu-Reigen für Freunde dieser Art Tanz, für alle anderen aber doch etwas irritierend an einem Abend mit zeitgenössischem Tanz. Auch wenn in diesem „Schaufenster der Virtuosität“ allen voran Ksenia Shevtsova und Oscar Kempsey-Fagg mit perfekten Sprüngen und Pirouetten nur so brillierten.
    Mit der Uraufführung von „Shipwreck“ von Simon Adamson De-Luca war man dann endlich beim zeitgenössischen Tanz angelangt – eine eigenwillige, dabei sehr innige Undine-Paraphrase mit Robenquieken, Walgeräuschen und Meeresrauschen voll beziehungsreicher Assoziationen zwischen Mensch und Natur – eine Liebesbeziehung oder doch eher das Gegenteil davon? Sehr suggestiv getanzt von Severin Brunhuber und Ana Goncalves.

    Ebenso kurz wie begeisternd danach auch „Radio and Juliet“, ein ebenfalls anspielungsreicher und ungemein charmanter Beziehungs-Pas-de-deux zu Musik von Radiohead von Edward Clug von 2005, der am Bayerischen Staatsballett schon 2024 zu sehen. Sensationell getanzt von Violetta Keller aber auch Jakob Feyferlink. Eine neue Sichtweise auf Romeo und Julia mit einer verblüffend unkonventionellen Julia.

    Die beiden letzten Programmpunkte stammten von Sol Leon & Paul Lightfood aus dem vergangenen Jahr und reißen seitdem ihr Publikum in München regelmäßig von den Sitzen. „Shutters Shut“, eine Choreographie zur originalen Gedichtrezitation von Gertrude Stein, als atemberaubend-virtuose pantomimisch-tänzerische Gedichtinterpretation und „Subject to change“, eine ergreifend-intensive Visualisierung von Schuberts Quartett mit dem Titel „Der Tod und das Mädchen“ (in der Fassung von Gustav Mahler). Die beiden Paare Carollina Bastos und Ariel Merkuri sowie Jakob Feyferlik und Laurretta Summerscales verblüfften das Publikum einmal mehr mit punktgenauer, energetischer Körpersprache (siehe dazu auch die Besprechung von 2025 https://www.klassikinfo.de/ballettabend-sphaeren-03-in-muenchen/)

    23. Juni 2026/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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