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    Faurés Penelope an der Bayerischen Staatsoper München

    Allgemein, Opern- und Konzertkritiken

    Warten auf Odysseus

    „Penelope“ von Fauré als anachronistisches Fundstück im Festspielprogramm der Bayerischen Staatsoper

    Von Robert Jungwirth

    (München, 21. Juli 2025) Wer sich einen Überblick über Wagners Werke verschaffen möchte, aber keine Lust oder Zeit hat, sich fünf oder sechs ganze Opern anzuhören, der kann sich auch Gabriel Faurés Oper „Penelope“ anhören. Gewissermaßen im Zeitraffer begegnet man hier Musik, die man aus dem Lohengrin, dem Tristan, dem Ring und vor allem dem Parsifal kennt. Eine veritable Wagner-Melange hat der Franzose da zusammengerührt, gut gemacht, aber alles geklaut. Man traut kaum seinen Ohren wie nah an Wagner diese 1913 uraufgeführte Oper ist. 30 Jahre nach Wagners Tod, zehn Jahre nach Debussys Pelleas et Melisande und 8 Jahre nach Strauss’ Salome! Keine Spur davon bei Fauré. Er dreht die Zeit einfach zurück. Diese Penelope ist ein anachronistisches Fest für Freunde des Epigonentums – und der gepflegten Langeweile.

    „Warten auf Odysseus“ wäre der sehr viel treffendere Titel für dieses Werk. Dreiviertel der etwa zweieinhalb Stunden Spielzeit wird gewartet. Wer Menschen gerne beim Warten zusieht, ist hier goldrichtig. Alle anderen winden sich auf ihren Sitzen. Natürlich ist es ganz hübsch, der tugendsamen und höchst genügsamen Penelope bei ihren trauerumflorten Lobliedern auf die Gattinnentreue zuzuhören, vor allem wenn das Victoria Karkacheva singt. Aber die reichlich redundanten englischhornumwölkten Ergüsse ermüden auf die Dauer doch etwas. Nein, man fragt sich wirklich, wer auf diese Idee kam, die zurecht vergessene Oper Faurés auf den Spielplan zumal der Festspiele der Bayerischen Staatsoper zu setzen. (Wie ja der Spielplan unter der Direktion von Serge Dorny generell massiv an Attraktivität eingebüßt hat – von der mangelnden Qualität vieler Produktionen nicht zu sprechen.)

    Andrea Breth blieb als Regisseurin gar nichts anderes übrig als die Warterei auf die Spitze zu treiben. Sie lässt noch zur (blechlastig wagnernden) Ouvertüre Odysseus im Rollstuhl hereinfahren. Ja, so ergeht es auch den tollsten Helden irgendwann. In grauen Wabenzimmern (Bühne: Raimund Orfeo Voigt) zeigt Breth die auf- und zudringlichen Freier als Anzug tragende graue Biedermänner. Das Vergehen der Zeit wird durch das Einfügen mehrerer Zeitebenen zusätzlich thematisiert. Man sieht sowohl Penelope als auch Odysseus immer wieder in verschiedenen Lebensaltern auf der Bühne. Die Aussage dahinter ist zwar von überschaubarer Tiefgründigkeit, aber Breth hat das sowie das gesamte szenische Geschehen sehr suggestiv mit den Sängerinnen und Sängern umgesetzt, sie immer wieder zu spannungsvollen Körperbildern animiert und arrangiert.

    Musikalisch-sängerisch ist die Aufführung hervorragend, jede Partie ist mit delikaten Stimmen besetzt. Nur der an sich sehr anheimelnde Tenor von Brandon Jovanovic als Odysseus zeigt aufgrund der hohen Anforderungen der Partie in der zweiten Vorstellung ein paar Abnutzungserscheinungen. Und Susanna Mälkki, die ihren Einstand beim Staatsorchester gab, lässt punktgenau, mit großer Klarheit, aber auch fließendem Lyrismus musizieren. Eine großartige Leistung, die die Wagner-Melange dann doch erträglich macht.

    (Ein Ärgernis ist allerdings wieder einmal das Programmheft, das mit einem unmöglichen Format, einem unmöglichen Satz, mit Bleiwüsten, langweiligen Aufsätzen, ein paar belanglosen Alibi-Fotos und einer unleserlichen Synopsis aufwartet, für die man eine Lupe braucht.)

    22. Juli 2025/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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