Eine Ausstellung in Wien widmet sich dem Gastgeber Arnold Schönberg
Musik und Handwerk
Ausstellung „Zu Gast bei Arnold Schönberg“ im Schönberg Center Wien
Von Robert Jungwirth
(Wien, 11. März 2026) Die Ausstellung widmet sich dem Gastgeber und Familienmenschen Arnold Schönberg. Denn auch wenn man Schönberg meist nur von eher ernst aussehenden Porträts her kennt, war er doch ein sehr geselliger Mensch, der einen großen Freundeskreis hatte und auch seiner Familie viel Zeit widmete. Und er war unglaublich vielseitig interessiert, weshalb es unter seinen Bekannten auch Filmschaffende, Schauspieler, Schachspieler oder Literaten gab. Im amerikanischen Exil hatte Schönberg z.B. engen Kontakt mit Thomas Mann, Alma Mahler, er kannte aber auch Albert Einstein, Charlie Chaplin und der Jazzmusiker Dave Brubeck nahm bei ihm zu Hause Unterricht.
Die Ausstellung präsentiert 170 Exponate, Briefe, viele Fotos, Musik- und Textmanuskripte, Kalendereintragungen, Tagebuchnotizen, die zusammen ein buntes Bild des Komponisten, Lehrers, Freundes und Vaters bieten: Arnold Schönberg beim Tischtennisspielen, mit Freunden im Garten oder beim Musizieren. Man sieht seinen selbst entworfenen Notenständer für ein Streichquartett, das bei ihm zu Hause spielte, man sieht von ihm entworfene Spielkarten oder ein Schachspiel, das man zu viert spielen konnte. Denn Schönberg war auch ein leidenschaftlicher Bastler und Erfinder.
Die Ausstellung zeigt auch viele Bilder von Schönberg, Porträts von Freunden und Bekannten und erstmals auch sehr witzige Karikaturen, die man noch nicht gesehen hat. Porträtiert wird hier seine Wiener Zeit, aber auch seine Zeit in Berlin und dann in Los Angeles, wo er auch gestorben ist. Das Center hat als ständige Präsentation das mit den Originalmöbeln und Original-Gegenständen rekonstruierte Arbeitszimmer Schönbergs aus Los Angeles, das sehr interessant ist, weil es aussieht wie in der Werkstatt eines Handwerkers. Man bekommt durchaus ein neues, anderes Bild des gestrengen Zwölfton-Komponisten in dieser Ausstellung.
Und auch für jemanden, der nicht mit der Musik Schönbergs vertraut ist, sie vielleicht noch nicht einmal besonders schätzt, ist diese Ausstellung lohnend, denn sie zeigt, wie vernetzt die Künstler-Szene der Zwanziger, Dreißiger und Vierzigerjahre war, zum Teil notgedrungen im Exil, aber auch schon in Wien und in Berlin; wie verbunden die Künstler und die Künste miteinander waren und wie stark sie sich gegenseitig beeinflusst haben. Und Schönberg war einer derjenigen, der in Zentrum stand, sehr offen, sehr kommunikativ, mit vielen Verbindungen.
Andererseits muss man aber auch sagen, dass diese Ausstellung nach vielen sehr gelungenen jetzt doch ein wenig enttäuscht. Obwohl das Thema vielfältige Möglichkeiten der Illustration und Dokumentation bietet, bleiben die gezeigten Exponate sowie deren Aufbereitung reichlich uninspiriert und wirken zum Teil sogar unmotiviert. Wie zum Beispiel haushälterische Rechnungen der Familie Schönberg oder offizielle Dokumente, deren Themenbezogenheit nebulös bleibt. Auf der anderen Seite vermisst man Fotos wie jene berühmten mit Charlie Chaplin oder Albert Einstein. Auch Einstein war bei Schönberg zu Gast gewesen…
Schönbergs große Gabe zu Freundschaften und Bekanntschaften, seine große Neugierde und Offenheit für unterschiedliche Interessensgebiete hätte man lebendiger und anschaulicher illustrieren können. Warum sieht man keine Fotos vom Tennisspieler oder Kartenspieler Schönberg, vom Gastgeber von Hausmusikkonzerten? Auch wird die Bedeutung der gepflegten Freundschaften für Schönberg nicht weiter in Texten beschrieben und erläutert. Kein Text zur lebenslangen Beziehung zu seinem Schüler und Freund Alban Berg, ja noch nicht mal ein Foto! Die langjährige Beziehung zu Alma Mahler wird zwar erwähnt, aber nicht weiter erläutert. Dafür gibt es Schönbergs Wutbilder der schwierigen Jahre 1909 und 1910 – was haben die in diesem Kontext zu suchen?
Warum präsentiert man einen Brief Schönbergs an seinen Verleger Emil Hertzka und ein von Schönberg gemaltes Porträt Hertzkas, erklärt aber nicht, was die Beziehung auszeichnete. Auch die nicht unproblematische Beziehung zu Thomas Mann, der ebenfalls in Los Angeles sein Exil verbrachte, hätte eine eingehendere Würdigung verdient. Schließlich hat Mann in seinem „Doktor Faustus“ die Zwölftonlehre Schönbergs thematisiert und andere auf Schönberg zurückgehende musiktheoretische Urteile und Positionen. So entsteht in dieser seltsam unfertigen Schau im Betrachter der Eindruck einer verschenkten Chance.
Die Ausstellung im Wiener Arnold Schönberg Center unweit des Schwarzenbergplatzes ist bis zum 17.2.2027 zu sehen.
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